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Letzte Hoffnung Härtefallkommission

Anerkannt und beliebt im Team: Marenglen Pisha (Mi.) mit den Tierheim-Mitarbeiterinnen (v. li.) Sabrina Frede, Janina Marquardt, Sandra Bienek und Leiterin Melanie Neumann (Foto: Tierheim Buchholz)
 
Rolf Schekerka (li.) versucht alles, um seinen Mitarbeiter Marenglen Pisha zu halten. Die Chancen für den Albaner stehen aber schlecht (Foto: archiv / os)

Tierheim Buchholz kämpft um Mitarbeiter aus Albanien, dem die Abschiebung droht

os. Buchholz. Rolf Schekerka ist ein Mann des klaren Wortes: „Mich nervt unser Land gerade dermaßen an! Ich muss mich mit Dingen beschäftigen, für die ich eigentlich keine Zeit habe.“ Schekerka betreibt in Buchholz eine Agentur für Meeresspezialitäten. Derzeit investiert er fast mehr Zeit in seine Arbeit als ehrenamtlich tätiger Vorsitzender des Tierschutzvereins Buchholz. Dringendste Aufgabe: Schekerka will erreichen, dass Marenglen Pisha (24) weiter als Mitarbeiter im Tierheim Buchholz beschäftigt werden kann. Problem: Pisha ist Asylbewerber aus Albanien, das von der Bundesregierung als sicherer Drittstaat klassifiziert wurde. Folge: Die Arbeitserlaubnis des Albaners endet Ende des Jahres, danach soll Marenglen Pisha in sein Heimatland abgeschoben werden.
„Ich weiß langsam nicht mehr, wie ich dem Jungen noch helfen soll“, erklärt Schekerka. Er habe alles getan, um Pisha zu integrieren, sei ins Risiko gegangen - und habe nebenbei alles erfüllt, was Bundes-Justizminister Heiko Maas im Juni bei seinem Besuch in just der Flüchtlingsunterkunft in Buchholz, in der Pisha untergebracht ist, gefordert habe, nämlich mehr Flüchtlinge für den deutschen Arbeitsmarkt zu qualifizieren. „Es muss doch in Deutschland eine Möglichkeit geben, einen bewährten Mitarbeiter zu halten, der in die deutschen Systeme einzahlt“, erklärt Schekerka.
Die einzige Möglichkeit, die Pisha aufgezeigt wurde: Er soll nach Albanien zurückreisen und dort in der deutschen Botschaft in Tirana einen Antrag auf eine „normale“ Arbeitserlaubnis stellen. Möglich wird das, wenn Schekerka ihm bescheinigt, dass er im Tierheim arbeiten kann. „Das Problem ist, dass es Monate dauern kann, bis man einen Termin in der Botschaft bekommt. Das Tierheim kann es sich aber nicht leisten, solange einen Arbeitsplatz freizuhalten. Die Arbeit muss ja erledigt werden“, kritisiert Schekerka. Zu Pishas Arbeiten gehören u.a. das Gassigehen mit Hunden, die Säuberung der Zwinger und Hausmeistertätigkeiten.
Die Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis Harburg, die Schekerka ebenfalls kontaktiert hat, machen Pisha wenig Hoffnung auf einen Verbleib in Deutschland. „Ich werde mich mit SPD-Kollegen, in deren Wahlkreis es ähnliche Fälle gibt, zusammentun und unseren Fraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann für das Thema sensibilisieren. Mit dem derzeit gültigen Asylgesetz kommen wir in Fällen wie Marenglen Pisha nicht weiter, da müssen Veränderungen her“, sagt SPD-Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler aus Seevetal. Michael Grosse-Brömer, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion aus Brackel, erklärt: „Die hier zu beantwortende Frage der Abschiebung liegt in der Kompetenz des niedersächsischen Innenministeriums. Bestehende Gesetze sind einzuhalten. Darüber entscheiden die Gerichte in Deutschland. Über Ausnahmen bei der Abschiebung entscheidet in Niedersachsen eine Härtefallkommission. Ggf. muss sich Herr Pisha dorthin wenden.“
Genau das will Rolf Schekerka jetzt in die Wege leiten. Er plant, einen Brief an das niedersächsische Innenministerium zu schicken: „Wir werden alles tun, um diesen verdienten Mitarbeiter in unseren Reihen zu halten.“ Die Zeit drängt: Die Ausländerbehörde des Landkreises Harburg hat die bislang bis Ende November gültige Arbeitserlaubnis für den Albaner um einen Monat bis Ende Dezember verlängert.

KOMMENTAR

Alternative ist bürokratischer Irrsinn

Ich kann im Fall von Marenglen Pisha beide Seiten verstehen - die formaljuristische, nach der der Albaner wegen der klaren Gesetzgebung in sein Heimatland ausgewiesen werden kann und muss. Zumal Pisha in einer Anhörung vor Gericht ehrlich zugegeben hat, primär aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland gekommen zu sein. Aus menschlicher Sicht verstehe ich Pisha und seinen Arbeitgeber Rolf Schekerka, der alles getan hat, um den Asylbewerber in Lohn und Brot zu bringen. Dort hat sich Pisha als Arbeitnehmer bewährt und würde eine große Lücke hinterlassen, wenn er ausreisen muss.
Was ich nicht verstehe, ist die aufgezeigte Alternative: Pisha soll ausreisen und dann in Albanien einen Antrag bei der Botschaft stellen, in Deutschland arbeiten zu dürfen - genau auf der Stelle, die er derzeit besetzt. Das ist bürokratischer Irrsinn, der nicht zu erklären ist. Warum kann man das System nicht ändern: Das Verfahren wird bei der albanischen Botschaft in Deutschland bearbeitet, Pisha arbeitet während dieses Verfahrens zunächst weiter. Erhält er die endgültige Arbeitsgenehmigung, kann er bleiben. Erhält er sie nicht, wird er abgeschoben. Wie wäre es, wenn Sie diesen Vorschlag nach Berlin tragen, Frau Stadler und Herr Grosse-Brömer? Oliver Sander