Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

"Luther hatte einen Anteil am Holocaust"

Ivar Buterfas: "Der Ortsrat sollte seine Entscheidung überdenken" (Foto: archiv / mum)

Weltfriedenspreisträger Ivar Buterfas spricht sich gegen Straßenbenennung nach Reformator in Buchholz aus

os. Buchholz/Bendestorf. In der Diskussion um die Benennung einer Straße nach Martin Luther in Buchholz meldet sich jetzt Ivar Buterfas (85), Weltfriedenspreis- und Bundesverdienstkreuz-Träger aus Bendestorf, zu Wort. Sein Vater war Jude, seine Mutter Christin.
Wie berichtet, gibt es in Buchholz eine Debatte, nachdem der Ortsrat in Buchholz-Steinbeck eine Straße nach dem Reformator Martin Luther benannt hat. Buchholz' Ex-Bürgermeister Prof. Dr. Götz von Rohr hatte die Entscheidung kritisiert und auf die antisemitische Haltung Luthers verwiesen.
Er finde den Einwand von Götz von Rohr sehr bemerkenswert und zum Nachdenken sehr anregend, betont Buterfas. "Eine Straße nach Martin Luther zu benennen, halte ich für äußerst unpassend. Natürlich verdanken wir ihm die Reformation, aber Hunderttausende haben auch wegen dieser Reformation ihr Leben verloren", so Buterfas.
Später hätten die Nationalsozialisten Luthers Hetzschrift übernommen, die Menschen aufgefordert jüdische Häuser, Schulen und vor allem Synagogen anzuzünden und zu verbrennen.
Heute werde "Jude" schon wieder als Schimpfwort gebrüllt, kritisiert Buterfas. Kuwait Airways weigere sich mit Zustimmung der deutschen Justiz, jüdische Passagiere an Bord zu nehmen. Eltern sorgten sich um ihre Kinder und rieten diesen dringend, sich nicht als Juden zu erkennen zu geben. "Es kann heute schon tödlich sein, sich mit der Kopfbedeckung (Kippa) auf der Straße zu zeigen", erklärt der Ehrenbürger von Bendestorf. Der Gipfel sei gewesen, dass vor wenigen Tagen die Rapper Kollegah und Farid Bang mit dem Musikpreis Echo geehrt wurden, die die Ermordeten von Auschwitz in ihrer Musik verhöhnt hätten.
"Unter diesem Aspekt eine Straße nach Martin Luther zu benennen, sollte sich der Ortsrat von Steinbeck überlegen", rät Buterfas. Wenn es bei der Entscheidung bliebe, sollte die andere Straße im Neubaugebiet nach der Deutsch-Jüdin Anne Frank benannt werden, schlägt er vor. "Man käme dann bei beiden Namen zu der Erkenntnis, dass Martin Luther für diesen Antisemitismus, der sich vor 70 Jahren schrecklich in Deutschland und Europa ausgetobt hat, sicherlich seinen Anteil am Holocaust hatte", erklärt Buterfas.
Als Holocaust-Überlebender, der sich sein ganzes Leben für Aussöhnung und Aufklärung eingesetzt habe, bedanke er sich für den Mut von Götz von Rohr, die Diskussion anzuschieben.