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"Mein Leben besteht nur aus Problemen"

Seit vier Monaten ist Farhan al Hasan in dieser Containeranlage in Buchholz untergebracht

Flüchtling Farhan al Hasan (29) zwischen neuer Heimat und drohender Abschiebung

os. Buchholz. Vor rund vier Monaten wurden die ersten Flüchtlinge im Landkreis Harburg auf die verschiedenen Unterkünfte aufgeteilt. Dass viele Asylbewerber noch nicht richtig in ihrer neuen Heimat angekommen sind, verdeutlicht das Beispiel von Farhan al Hasan (29). "Mein ganzes Leben besteht nur aus Problemen", sagt der Syrer, der in einem Containerdorf in Buchholz lebt. Die unsichere Zukunft, das Damoklesschwert der drohenden Abschiebung und die Sorge um die Familien in den Heimatländern zerrt an den Nerven der Flüchtlinge.
Vor drei Jahren beschloss al Hasan, seine vom Bürgerkrieg geschüttelte Heimatstadt Hama im Westen Syriens zu verlassen. Über die Türkei, Zypern, Libyen, Italien und Dänemark kam er im Dezember nach Friedland, vom zentralen Aufnahmelager wurde al Hasan im Januar nach Buchholz geschickt. Hier teilt er sich ein kleines Zimmer mit einem syrischen Landsmann. Acht Geschwister und al Hasans Eltern verließen ebenfalls die Heimatstadt, blieben aber in Syrien. Wie viele Landsleute schickt al Hasan einen Teil seiner 330 Euro Flüchtlingsgeld, die er pro Monat erhält, nach Syrien. "Ansonsten droht ihnen der Hungertod", sagt Farhan al Hasan.
Auf seiner langen Flucht erlebte der gelernte Friseur viel Schlimmes. In Libyen arbeitete er, ohne Lohn zu erhalten. In Italien zeigten ihm die Behörden deutlich, was sie von Flüchtlingen halten: null! "Die Verhältnisse waren erbärmlich. Italien tut rein gar nichts für Asylbewerber", berichtet al Hasan. "Das ist wie ein offenes Gefängnis!" Viele Flüchtlinge müssten auf dem Boden schlafen, für 600 Menschen hätten nur vier Toiletten zur Verfügung gestanden.
Das Problem: In Italien musste Farhan al Hasan seine Fingerabdrücke abgeben. Nach dem umstrittenen Dublin-Abkommen droht dem Syrer deshalb jederzeit die Abschiebung nach Italien. Die Verordnung besagt, dass ein Asylbewerber nur dort Asyl beantragen kann, wo er erstmals europäischen Boden betreten hat. Dadurch liege die Hauptverantwortung bei den südeuropäischen Ländern, monieren Kritiker des Dublin-Abkommens. Die grüne Europaabgeordnete Ska Keller gehört dazu: "Wir sehen, dass z.B. in Italien oder Bulgarien die Regierungen noch nicht einmal die Mindeststandards einhalten." Bei der Umsetzung des Dublin-Abkommens "läuft etwas gewaltig schief", so Keller.
Die drohende Abschiebung trübt al Hasans Lebensfreude, auch sein Antrieb bei den Deutsch-Kursen hat nachgelassen. "Warum soll ich Deutsch lernen, wenn ich vielleicht in einigen Wochen wieder nach Italien muss?", fragt der Syrer. Darauf hat die Politik bislang keine Antwort gefunden.
Nach seinen Erfahrungen in Italien weiß Farhan al Hasan nur eines: "Dorthin will ich auf keinen Fall zurück. Da kann ich auch gleich nach Syrien gehen." Und wie es da aussieht, zeigen grausige Fotos auf seinem Handy. Viele Menschen in Deutschland erahnen nicht einmal im Ansatz das Leid, das die Bürger in Syrien täglich erleiden.