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Mühlentunnel Buchholz: Von der Planungs- in die Umsetzungsphase

Die Baumfällungen waren notwendig, um die Baustelleneinrichtung zu schaffen
os. Buchholz. Die Fällung der Bäume in den vergangenen Tagen an der Bremer Straße sind das deutliche äußere Zeichen dafür, dass die Planungsphase für den Neubau des Mühlentunnels sich dem Ende entgegen neigt und die Umsetzungsphase für das 21-Millionen-Euro-Projekt begonnen hat. Welche Schritte folgen als nächstes? Das WOCHENBLATT hat bei Jürgen Steinhage, Leiter Betriebe bei der Buchholzer Stadtverwaltung, nachgefragt.
Seit dem 5. Dezember liegt die Plangenehmigung des Eisenbahnbundesamtes (EBA) vor. „Das war ein sehr wichtiger Schritt für uns“, erklärt Steinhage. Mit der Genehmigung habe das EBA bescheinigt, dass alle drei für den Mühlentunnelbau notwendigen Einzelprojekte wie von der Stadt eingereicht technisch umsetzbar sind. Neben dem Tunnelbau an sich sind das die Verlegung des Steinbachs sowie die Verlegung des Schmutzwasserkanals.
Letztere Maßnahme ist die erste, die in diesem Jahr umgesetzt werden soll. „Allein für dieses Projekt haben wir einen unglaublichen Aufwand betreiben müssen, der uns annähernd zwei Jahre beschäftigt hat“, berichtet Steinhage. U.a. musste die Stadt Bodengutachten für die Baugruben beibringen, die auf beiden Seiten des Bahndamms eingerichtet werden müssen, damit der Schmutzwasserkanal per Pressbauverfahren geschaffen werden kann. Die Baustelle muss so vorbereitet werden, dass sie die Vorarbeiten für den Tunnelbau und die Verlegung des Steinbachs nicht beeinträchtigen.
Um den Tunnelausbau vorantreiben zu können, fehlt noch die Durchleitungsgenehmigung der Deutschen Bahn. Der Antrag dafür liegt seit eineinhalb Jahren vor. „Wir hoffen, dass die Zustimmung noch im Januar kommt“, erklärt Jürgen Steinhage. Dann kann die Ausschreibung erfolgen, die bereits fertig in den Rathaus-Schubladen liegt. Die Ausschreibung soll in diesem Jahr erfolgen, damit der Auftrag im kommenden Jahr vergeben werden kann. Die Stadt plant ein zweistufiges Ausschreibungsverfahren. „Im ersten Schritt geht es zunächst nur um die qualitative Abfrage ohne genaue Kostenermittlung“, erklärt Steinhage. Nur Firmen, die in der Lage sind, das hochkomplizierte Bauwerk zu errichten, sollen im zweiten Schritt ihr Angebot abgeben.
Zum Anforderungspaket an Baufirmen gehören verschiedene Baumaßnahmen, „an die wir zu Beginn der Mühlentunnel-Planungen noch nicht einmal ansatzweise gedacht haben“ (Jürgen Steinhage). Dazu gehört der Bau eines Amphibientunnels auf der Südseite des Tunnels. Durch das rund 22,5 Meter lange Bauwerk aus Stahlbeton sollen Amphibien unter dem Steinbecker Mühlenweg sicher zum Stadtteich kommen. Zu den Maßnahmen gehört auch der Neubau für die Einleitung des Oberflächenwassers aus dem Wohngebiet rund um Reiherstieg und Amselweg. „Allein das kostet uns 500.000 Euro“, so Steinhage. Weitere 500.000 Euro schlagen für ein Gleismonitoring zu Buche: Mit Sonden im Gleisdamm soll gemessen werden, ob sich die Gleise auf dem Bahndamm um mehr als 17 Millimeter absenken. „Im Notfall müssen wir einen Stopfungstrupp an die Gleise schicken“, sagt Steinhage. Apropos Kosten: Noch immer ist nicht endgültig geklärt, mit welcher Summe sich die Deutsche Bahn an den Baukosten beteiligt. Die entsprechende Eisenbahnkreuzungsvereinbarung liegt noch nicht vor. Einen Anspruch auf Vorteilsausgleich hat die Stadt Buchholz in jedem Fall. Es geht jetzt abschließend darum, ob der Neubau allein auf Wunsch der Stadt Buchholz gebaut wird (einseitiges Verlangen) oder auf Wunsch von Stadt und Deutscher Bahn zugleich (beidseitiges Verlangen). „Wir haben in unserer Finanzplanung die Beteiligung der Deutschen Bahn erst einmal außen vor gelassen“, verdeutlicht Steinhage. Wenn alles so laufe, wie von der Stadt prognostiziert, wird sich der städtische Anteil an den Neubaukosten auf rund fünf Millionen Euro summieren. Der Rest soll über die Beteiligung der Deutschen Bahn sowie durch Zuschüsse der Landesregierung aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) finanziert werden. Im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung steht, dass dieses 2019 auslaufende Programm zur Stärkung der Infrastruktur verlängert wird.
Vom Eintritt in die Umsetzungsphase bis zu dem Zeitpunkt, an dem das erste Auto durch den neuen, zweispurigen Tunnel fährt, wird noch einige Zeit vergehen: Jürgen Steinhage rechnet mit der Fertigstellung des Mühlentunnels im September 2023.

Auf ein Wort

Künstlich verkompliziert

Angesichts von allein zwei Jahren Planungszeit für die Verlegung eines Schmutzwasserkanals frage ich mich: Wie um alles in der Welt wurde eigentlich früher gebaut? Warum hält der alte Mühlentunnel aus den 1870er Jahren immer noch, auch wenn damals noch keine akribischen Nachweise zur Auswirkung einer Grundwasserabsenkung geführt werden mussten?
Die Antwort ist einfach: Bürokratie schafft Bürokratie. Das zeigt sich am Mühlentunnel-Neubau so deutlich wie an keiner anderen Stelle. Das Bauwerk wird durch allerlei Bestimmungen und Nachweise so kompliziert, dass es von einer normalen Stadtverwaltung gar nicht mehr gestemmt werden kann. Dann schlägt die Stunde von Gutachtern und Bauexperten, die sich ihre Arbeit gut entlohnen lassen. Irgendwoher müssen 21 Millionen Euro Kosten für eine nicht einmal 100 Meter langes Bauwerk ja kommen. Das lässt für den 17,6 km langen Fehmarn-Belt-Tunnel zwischen Deutschland und Dänemark oder den 6,5 km langen A20-Elbtunnel bei Glückstadt nichts Gutes erahnen...
Oliver Sander