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"Nerven und Gesundheit riskiert"

Die Anwohner am Radeland ärgern sich, wenn Autofahrer die Fahrradstraße als Abkürzung nutzen
 
Gotthard Greune zeigt Autoteile, die beim Rasen durch das Radeland abgefallen sind

Anwohner am Radeland kritisieren, dass die Fahrradstraße von Autofahrern als Abkürzung genutzt wird

os. Buchholz. "Die Fahrradstraße am Radeland hat sich bewährt. Seitens der Anwohner liegen ausschließlich positive Rückmeldungen vor." So beschrieb Michael Mühlbauer, Radbeauftragter der Stadt Buchholz, Ende April in einem Sachstandsbericht die Situation in Buchholz' erster Fahrradstraße. Die Realität sieht anders aus: Die Anwohner sind genervt, da die Verbindung zwischen der Kirchenstraße und der Bendestorfer Straße von vielen Autofahrern verbotenerweise als Abkürzung genutzt wird - sowie in der Schulzeit von Eltern, die ihre Kinder zum Schulzentrum am Buenser Weg bugsieren.
Die Einrichtung der Fahrradstraße am Radeland sollte eigentlich den Radverkehr in Buchholz stärken und die Akzeptanz der Radler erhöhen. In der Fahrradstraße haben die Verkehrsteilnehmer auf ihren Drahteseln besondere Rechte, u.a. dürfen sie ausdrücklich nebeneinander fahren. Viele Anwohner haben beobachtet, dass das Ziel verfehlt wurde. "Als Radler riskiert man Nerven und Gesundheit, wenn man sich regelkonform auf der Fahrradstraße bewegt", erklärt Rainer Meyer, der in einer Seitenstraße des Radelands wohnt. "Aggressive Autofahrer sind hier Normailität", so Meyer. Als Radfahrer werde man vor allem als Hindernis wahrgenommen. "Wenn man angehupt wird, ist das noch harmlos. Mir wurden von einem Autofahrer schon Schläge angedroht."
Offenbar sind zudem viele Autofahrer, die durch das Radeland fahren, schneller als die erlaubten 30 km/h unterwegs. Davon zeugen viele Teile u.a. von Stoßdämpfern, die Anwohner Gotthard Greune eingesammelt hat. "Gerade morgens kann es Vätern und Müttern in den Eltern-Taxis auf dem Weg zur Schule nicht schnell genug gehen", berichtet Greune.
Was sagt die Stadt zu den Beobachtungen der Anwohner? "Der Durchgangsverkehr hat sich seit Einführung der Fahrradstraße um 20 bis 25 Prozent verringert", erklärt Stadtsprecher Heinrich Helms. Die Überprüfung, ob das Radeland als Abkürzung genutzt wird, obliege der Polizei. "Im fließenden Verkehr hat die Stadt nichts zu suchen", sagt Helms.
Eine regelmäßige Kontrolle sprenge die personellen Kapazitäten der Polizei, sagt deren Sprecher Jan Krüger. Am Radeland ergebe sich zudem ein grundsätzliches Problem, da die Fahrradstraße für Anlieger freigegeben ist. "Es ist für die Polizei in solchen Fällen immer schwierig, Verkehrsteilnehmern nachzuweisen, dass sie keine Anlieger sind", erklärt Krüger. Ein Anliegen sei bereits, einen Anwohner am Radeland zu besuchen. "Wenn ein Autofahrer dann sagt, er habe schon im Vorbeifahren gesehen, dass der Bekannte nicht zu Hause ist, können wir ihm schwer das Gegenteil beweisen."
Die Anwohner kritisieren, dass in der Politik und in der Verwaltung der echte Wille fehle, zum Erfolg der Fahrradstraße beizutragen. Dabei wäre für sie die Lösung denkbar einfach. Rainer Meyer: "Eine echte Fahrradstraße würde schlagartig entstehen, wenn ein einziger Poller im Bereich einer der vorhandenen Straßenverengungen aufgestellt würde." Der Durchgangsverkehr wäre sofort gestoppt, Anwohner und deren Besucher könnten ihre Häuser aber weiter erreichen.