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"Positive Aspekte von Martin Luther überwiegen"

Der "Martin-Luther-Weg" ist die Erschließungsstraße für das Neubaugebiet auf der sogenannten "Kyrill-Fläche" in Buchholz Fotos: os / archiv
 
Umstritten: Martin Luther, hier ein Bild einer Ausstellung aus dem Jahr 2017 (Foto: archiv / Auswärtiges Amt)

Buchholz: Diskussion um Straßenbenennung nach Reformator / Ortsrat will bei Entscheidung bleiben

os. Buchholz. Im Jahr 1543, drei Jahre vor seinem Tod, schrieb Martin Luther in seiner berüchtigten "Lügen"-Schrift, man solle alle Synagogen sowie jüdische Häuser und Schulen "mit Feuer anstecken und und was nicht verbrennen will, mit Erden beschütten, dass kein Mensch ein Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich." Derlei Antisemitismus ist für Prof. Dr. Götz von Rohr, Ex-Bürgermeister der Stadt Buchholz, der Grund dafür, gegen die Benennung einer Straße in der Nordheidestadt nach dem Reformator vorzugehen. "Meines Erachtens ist es nicht gut, wenn Buchholz eine Straße nach Martin Luther benennt", erklärt von Rohr in einem Brief an den jetzigen Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse.
Auf Betreiben des Ortsrates Steinbeck waren die beiden zwei Erschließungsstraßen im Neubaugebiet auf der sogenannten "Kyrill-Fläche" an der Bremer Straße nach Martin Luther und seiner Ehefrau Katharina von Bora benannt worden. Die Stadtverwaltung hatte "Kiefernbogen" und "Goldlärchenweg" vorgeschlagen.
Aufgrund der Diskussionen über die Einführung eines neuen Feiertags am Reformationstag sei viel über die Schattenseiten von Martin Luther berichtet worden. Er habe recherchiert und sei über die "kaum zu übertreffende Judenfeindlichkeit" Luthers erschüttert, schreibt Götz von Rohr. Noch könne die Benennung der Straßen problemlos korrigiert werden. Der Ex-Bürgermeister, der in der Nähe des Neubaugebietes wohnt, schlägt als Alternative "Dreihausen" und "Alte Heide" vor. In unmittelbarer Nachbarschaft der "Kyrill-Fläche" liegen drei Häuser, in einem war ein Tante-Emma-Laden untergebracht, die schon in den 1930er Jahren gebaut wurden und im Volksmund "Dreihausen" genannt wurden. Zudem sei das gesamte Gebiet noch in den 1960er Jahren im Wesentlichen mit Heide bewachsen, sodass sich der Straßenname "Alte Heide" anbiete.
Der Ortsrat Steinbeck will von Rohrs Einwendung nicht folgen und hält an der Straßenbenennung fest. Alle Fraktionen hätten sich einhellig für die Beibehaltung des "Martin-Luthers-Wegs" und des "Katharina-von-Bora-Wegs" ausgesprochen, berichtet Steinbecks Ortsbürgermeister Wilhelm Pape (FDP). Der Hinweis von Götz von Rohr habe den Ortsrat nicht überzeugt. Menschen, die z.B. in einer Konrad-Adenauer-Straße oder eine Willy-Brandt-Straße wohnten, würden und sollten sich auch nicht mit Blick auf ihre politische Einstellung oder ihr Wahlverhalten eine Änderung des Straßennamens verlangen.
Dass der Name und die Person Luthers für die christliche Gesellschaft in Norddeutschland herausragende Bedeutung hat, bedürfe keiner weiteren Begründung, betont Pape. Luther stehe für die Reformation und habe u.a. die hochdeutsche Sprache wesentlich weiterentwickelt. Natürlich distanziere sich der Ortsrat von Luthers antisemitischen Äußerungen. "Wir meinen aber, dass dieser problematische Aspekt in der Person Luthers die Argumente für die Straßenbenennung nicht überwiegt. Deshalb bleiben wir bei unserem Beschluss."
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