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Sie gibt Plastikmüll (fast) keine Chance

Kaffee, Tee und Nüsse lose, Obst und Gemüse in Korb oder Stoffsäckchen: Jeder kann helfen, Plastikmüll zu vermeiden, ist Alexandra Miemczyk überzeugt
 
Den "Coffee-to-Becher" hat Alexandra Miemczyk längst gegen einen Mehrweg-Tauschbecher getauscht

Alexandra Miemczyk hat ihren Verpackungsmüll drastisch reduziert / Vortrag und Ausstellung in der Buchholzer Stadtbücherei


os. Buchholz. Die Idee, in ihrem Haushalt deutlich weniger Plastikmüll zu produzieren, hatte Alexandra „Alex“ Miemczyk (39) bei einem Abendessen vor rund eineinhalb Jahren: Ihr Mann und die beiden Kinder (heute 4 und 8) und sie aßen sechs Scheiben Käse. Zurück blieb die Plastikverpackung. „Das muss doch auch anders gehen“, sagte sich Alex Miemczyk - und änderte mit ihrer Familie ihre Gewohnheiten. Mit Erfolg: Stellten die Miemczyks früher sechs gelbe Säcke mit Verpackungsmüll an die Straße, ist es heute nur noch ein Sack. „Jeder kann etwas für die Umwelt tun, jeder noch so kleine Schritt ist wichtig und wertvoll“, betont die Projektmanagerin aus Buchholz.
In Kooperation mit Greenpeace Buchholz gibt Alex Miemczyk am Montag, 6. November, ab 19.30 Uhr im Vortrag „Plastikmüll? Ohne uns!“ in der Stadtbücherei Buchholz (Kirchenstr. 6) alltagstaugliche Anregungen für ein Leben mit weniger Plastikmüll. Über das Plastikproblem in den Weltmeeren und Mikroplastik klärt Nadine Jedamski von Greenpeace Buchholz auf. Die Greenpeace-Gruppe hat zudem eine Ausstellung zusammengestellt, die anschließend bis zum 24. November in der Stadtbücherei zu sehen ist. Der Eintritt ist frei.
Deutschland ist in Sachen Verpackungsmüll Europameister. Allein in den vergangenen 25 Jahren hat sich der Kunststoffverbrauch hierzulande verdreifacht. „Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, welche Probleme wir mit den zahlreichen unnötigen Verpackungen und Mikroplastik in Kosmetik schaffen“, so Alex Miemczyk. „Das vor 27 Jahren eingeführte Duale System suggeriert uns nur, wir hätten in Deutschland den Verpackungsmüll im Griff“, sagt die Umweltschützerin, die mittlerweile selbst Mitglied bei Greenpeace geworden ist. Über 50 Prozent der Kunststoffe aus dem Gelben Sack werden nämlich nach wie vor verbrannt und nicht recycelt. Weltweit lande jede Minute eine Lkw-Ladung Plastikmüll in den Meeren, mit erheblichen Folgen für die Umwelt, Tiere und Menschen. Das Problem: Plastik verrottet nicht. Es verbleibt stattdessen 450 Jahre (PET-Flasche) im Meer und wird lediglich nach und nach zerrieben, von Fischen aufgenommen und gelangt dann über die Nahrungskette in unsere Körper.
Alex Miemczyk forschte nach Alternativen zu Plastikverpackungen und wurde schnell fündig. „Der Einstieg kann der Umstieg vom Coffee-to-go- auf einen Mehrwegbecher sein“, sagt sie. Der „Coffee-to-go-Becher“ stehe wie kaum ein anderes Produkt für die Wegwerfgesellschaft in Deutschland. Pro Jahr würden in Deutschland mehr als 2,8 Milliarden Wegwerfbecher verbraucht. Weitere einfach umzusetzende Tipps von Alex Miemczyk: Obst/Gemüse unverpackt kaufen (etwa auf dem Wochenmarkt, über Gemüsekisten oder über die Solidarische Landwirtschaft Buchholz), wiederverwendbare Taschen/Körbe/Stoffbeutel nutzen, zur Seife statt zum Duschgel greifen oder versteckte Mikroplastiken in Kosmetik vermeiden. Um Letzteres zu erreichen, empfiehlt die Buchholzerin die App „Codecheck“ - einfach ein Produkt im Supermarkt scannen und Informationen über die Inhaltsstoffe erhalten. Mikroplastik ist u.a. in Shampoo, Zahnpasta, Bodylotion, Handcreme oder Sonnenmilch vorhanden. Alex Miemczyk nutzt zum Beispiel Shampoo in fester Form – ohne Mikroplastik und Plastikverpackung.
Auch im Supermarkt kann man Verpackungsmüll vermeiden. „Man muss nur kreativ sein und vor allem das Gespräch mit den Einzelhändlern suchen“, rät Alex Miemczyk. Sie nennt das Beispiel eines Einzelhändlers in Süddeutschland: Bei ihm können die Kunden an der Fischtheke ihre mitgebrachten Behältnisse auf ein Tablett stellen. Das Tablett wird von den Verkäuferinnen hinter den Tresen gehoben, die Behältnisse befüllt und wieder zurückgestellt. Dadurch umgeht der Einzelhändler die knallharten Hygienevorschriften, denn direkt anfassen dürfen die Verkäuferinnen die Behältnisse nicht.
Alex Miemczyk ermuntert ihre Mitbürger, sich ihrem Engagement für die Umwelt anzuschließen. „Es ist einfacher als man denkt, und im Endeffekt auch nicht teurer“, sagt sie. Wichtig sei, dass jeder selbst bestimme, welchen Beitrag er leisten kann und will. „Man muss realistisch und authentisch bleiben“, sagt die Buchholzerin. Das lebt sie vor: „Ich habe nicht den Anspruch, überhaupt keinen Verpackungsmüll mehr zu produzieren. Das ist illusorisch. Wenn meine Kinder eine eingepackte Süßigkeit haben wollen, dann bekommen sie die auch!“ Manches Experiment habe sie auch verworfen: „Ich habe mal selbstgemachtes Spülmittel ausprobiert, das ging gar nicht“, sagt Alex Miemczyk und gibt einen allerletzten Tipp: „Wer sagt eigentlich, dass man Kekse nur zur Weihnachtszeit selbst backen darf?!“

Verbrauch von Plastikmüll ist stark gestiegen

(os). Seit 1991 hat sich der Verbrauch von Kunststoffen erheblich gesteigert. Das geht aus Zahlen des Umweltbundesamts hervor. Wurden im Jahr 1991 noch 1.627,9 Tonnen Kunststoffe (inkl. Verbunde) verbraucht, waren es im Jahr 2015 bereits 3.052,2 Tonnen.
Bei Leichtverpackungen (Gelber Sack) kamen Bewohner in Niedersachsen im Jahr 2015 auf 34 Kilogramm pro Einwohner. Im Landkreis Stade waren es 32 kg/Einwohner, der Landkreis Harburg lag mit 37,81 kg/Einwohner deutlich über dem Landesschnitt. Das deckt sich mit der Beobachtung von Jens Göhner von der Firma Damm GmbH, die im Landkreis Harburg die Gelben Säcke abfährt. Im Landkreis Harburg würden deutlich mehr Gelbe Säcke als woanders verbraucht, erklärte Göhner dem WOCHENBLATT. Zuletzt hatte es sogar Lieferengpässe gegeben.