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Tempolimit - na sicher!

Staus und Drängeleien sind auf deutschen Autobahnen - ein fehlendes Tempolimit macht alles noch schlimmer (Foto: archiv)

Wer immer noch gegen Tempo 130 auf Autobahnen ist, muss Bahnfahrer oder ignorant sein

Kennen Sie das? Sonntagnachmittag: Rückreisewelle aus Harz und Heide auf der A7, Richtung Hamburg. Bei Tempo 130 oder weniger fließt der Verkehr fast reibungslos; rechte Spur 100 - 110 km/h, in der Mitte 120 - 130 km/h und linke Spur bis 150 km/h. Dann freie Fahrt! Links schießen die Boliden heran, was das Gaspedal hergibt. Daneben blockieren einige 120-Tempomat-Fahrer den Fahrstreifen. Und auf der rechten Spur, die bis dahin noch ziemlich frequentiert war, fährt fast niemand mehr. Ein paar Kilometer weiter fahren die meisten auf der linken Spur. Die Raser traktieren abwechselnd Gas, Bremse und Lichthupe, die Drängler mit Fast-Stoßstangenkontakt werden mehr - und der Spritverbrauch schnellt in gewaltige Höhen. Millionen Liter Treibstoff werden so auf deutschen Autobahnen unnütz in die Luft gepustet. Werktags, wenn die Fernstraßen zu LKW-Rollbahnen mutieren, sind die Zustände noch schlimmer.
Verbände, Gruppen und Politiker, die vor diesem Hintergrund an "freier Fahrt für freie Bürger" festhalten, benehmen sich etwa so wie die Waffenfetischisten der National Rifle Association (NRA) in den USA. Beide Lobbygruppen begreifen offenbar nicht, dass sie für eine vermeintliche Freiheit kämpfen, auf die die Mehrheit im Land inzwischen ganz gut verzichten kann. Übrigens: Ich hätte nichts dagegen, wenn dort, wo es Sinn macht, nachts das Tempo freigegeben würde. Das wäre vielleicht der Kompromiss, mit der auch die Autoindustrie leben könnte.
Fazit: Ein Tempolimit auf Autobahnen von 120 - 150 ist überfällig. Schade nur, dass Siegmar Gabriel das Thema jetzt im Wahlkampf verbrannt hat, nur um seinen Erz-Parteifreund, Kanzler Kandidat Per Steinbrück eins auszuwischen.
Reinhard Schrader