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Terror kann nicht überraschen

Am Donnerstag wehten in Gedenken an die Opfer der Terroranschläge in Brüssel die Flaggen in ganz Deutschland auf halbmast - hier vor dem Buchholzer Rathaus

MOMENT MAL

Die Bombenanschläge in Brüssel am Dienstagmorgen mit mehr als 30 Toten am Flughafen und in einer U-Bahn-Station sind schrecklich. Die Betroffenheit ist bei Bevölkerung und Politikern gleichermaßen groß. Bevor wir aber voreilig einstimmen in die Forderung nach schnellen Konsequenzen, die schon nach den Anschlägen in Paris im vergangenen Jahr Konjunktur hatte, steht es uns gut an, die Ursachen für den Terror zu beleuchten. Dass dieser nach Europa zurückschwappt, kann niemanden ernsthaft überraschen.
Jahrelang schauten Deutschland und andere europäische Mächte tatenlos zu, wie sich Krieg über den Nahen Osten ausbreitete und eine ganze Region destabilisiert wurde. Kein Wunder, lebt die deutsche Industrie als weltweit drittgrößter Waffenexporteur nach den USA und Russland doch hervorragend vom Krieg.
Der Krieg im Nahen Osten ist für viele weit weg. Ich habe selten Solidaritätsbekundungen mit Menschen in Syrien, Irak oder in der Türkei mit derselben Intensität vernommen wie nach den Anschlägen in Paris oder jetzt in Brüssel. Wir werden uns in Europa einstellen müssen auf eine ständige latente Gefahr. Das erleben Menschen in Syrien, dem Irak, aber auch in Israel, schon seit Jahren, teilweise seit Jahrzehnten.
Die Forderung von Innenminister Thomas de Maizière nach einer Verbesserung des Informationsaustausches von Geheimdiensten ist richtig. Aber de Maizière muss sich fragen lassen, warum gerade Deutschland beim Austausch so hinterherhinkt und nicht mit gutem Beispiel vorangeht - und das seit Jahren. Fraglich, ob die belgischen Behörden von den Nachbarländern alle nötigen Informationen erhalten haben.
Ich bin nicht so blauäugig zu glauben, dass sich das Problem des internationalen Terrorismus von IS und al Kaida schnell lösen ließe. Ich glaube aber, dass bislang viel zu wenig getan wurde, um eventuelle Ursachen zu bekämpfen. Deutschland muss sein internationales Gewicht vielmehr in einen echten Friedensprozess im Nahen Osten einbringen als bisher. Terrorismus kann man nicht mit noch mehr Bomben austrocknen, sondern auf Dauer nur mit Frieden. Dazu gehören Präventionsprogramme für gefährdete junge Menschen. Wer eine gute Perspektive in seinem Land hat, braucht sich nicht in Terror-Camps zum Selbstmord-Attentäter ausbilden zu lassen! Oliver Sander