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Teures Gutachten statt günstiger Bordmittel

Was wird aus dem Grundstück zwischen BW-Sportzentrum (re.) und Nordheidehalle (hinter dem Zirkus)? Das soll jetzt durch ein neues Konzept geregelt werden

Buchholz gibt 35.000 Euro für die Erstellung eines Sportentwicklungskonzepts aus

AUF EIN WORT

Seit Stadtbaurätin Doris Grondke am 1. August 2012 ihren Dienst bei der Stadt Buchholz antrat, hat sie in der Verwaltung einiges erreicht. Sie sorgte u.a. dafür, dass Buchholz an Fördertöpfe kommt, die vorher nicht einmal bekannt waren, zuletzt beim geplanten Umbau des gesamten Bahnhofs­umfeldes. Hierfür bewilligte das Sozialministerium in Hannover am Montag satte 800.000 Euro.
Durch ihre Vorliebe für Konzepte und Gutachten (z.B. Integriertes Stadtentwicklungskonzepts, ISEK) sorgt Grondke aber auch für Verzögerungen bei konkreten Bauabsichten - und belastet zusätzlich den Etat. Jüngstes Beispiel: das „Entwicklungskonzept Sportpark Holzweg“. Dabei geht es um die Frage, wie das städtische Grundstück vor der Nordheidehalle zwischen Holzweg und Bendestorfer Straße künftig genutzt werden soll.
Auslöser der erneuten Konzeptionitis war im vergangenen Jahr eine Anfrage des FDP-Ratsherrn und Vorsitzenden von Blau-Weiss (BW) Buchholz, Arno Reglitzky, der mit BW einen Teil des Areals an der Bendestorfer Straße erwerben wollte, um dort eine Sporthalle zu errichten. Reglitzky wollte damit die akute Not an Hallenzeiten lindern und auch anderen Klubs Trainingszeiten zur Verfügung stellen.
Statt sich gesondert mit diesem Bauprojekt zu beschäftigen, lässt Grondke jetzt unter Führung des Hamburger Sportwissenschaftlers Prof. Robin Kähler ein Entwicklungskonzept für das Sportzentrum am Holzweg erstellen. Kosten: 35.000 (!) Euro. Für den 19. April ist eine Auftaktveranstaltung geplant mit Vertretern der Sportvereine BW Buchholz, TSV Buchholz 08 und Buchholzer FC (BFC) sowie der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Buchholzer Sportvereine. Zugegen ist zudem eine Landschaftsarchitektin. Die Gesprächsrunde soll auch über einen möglichen Standort für einen weiteren, großen Kunstrasenplatz diskutieren.
Ich verstehe nicht, warum Grondke nicht auf das Wissen der Verantwortlichen in den Buchholzer Sportvereinen zurückgreift. Die Vereinsvorsitzenden Arno Reglitzky (BW), Lothar Hillmann (Buchholz 08), Klaas Jensen (BFC) und Norbert Vietheer (ARGE) sind seit vielen Jahren, teilweise Jahrzehnten, im Amt und wissen besser als alle anderen, vor allem Auswärtige, wo den Vereinen der Schuh drückt. Nähme man bei der Suche nach einem geeigneten Standort für den Kunstrasenplatz noch Karin Iske (Vorsitzende SV Holm-Seppensen) und Ronald Bohn (Vorsitzender des TSV Sprötze) dazu, hätte man auf einen Schlag genügend Fachwissen für ein Konzept, das mit Bordmitteln zügig erstellt werden kann.
Stattdessen lässt sich Buchholz auf Betreiben von Grondke das Konzept durch Prof. Kähler 35.000 Euro kosten. Wobei Kähler schon einmal durch die Stadt bedacht wurde, als er im Rahmen des ISEK, Grondkes Lieblingsprojekt, bereits eine Bestandaufnahme der Sportstätten in Buchholz machte. Ich bin gespannt, welche unbekannten Erkenntnisse es bei dem neuen Konzept geben soll. Kähler denkt auf jeden Fall in großen Kategorien: Gerade soll er der Stadt Lübeck zu einem 40-Millionen-Euro-Sportkonzept verholfen haben.
Erstaunlich finde ich, dass Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse seine Baudezernentin gewähren lässt. Sonst betont Röhse an jeder Stelle, wie wenig Spielraum der städtische Haushalt bietet. 35.000 Euro für ein überflüssiges Sportentwicklungskonzept fechten ihn aber nicht an... Oliver Sander