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Turnhalle in Holm-Seppensen wird später fertig / Bürgermeister Geiger: "Keine Hektik reinbringen"

Hier soll die neue Turnhalle entstehen. Mit der Fertigstellung ist nicht vor Ende 2014 zu rechnen
os. Holm-Seppensen. "Jetzt reicht es!", sagen die Eltern der Mühlenschüler in Holm-Seppensen. Am heutigen Mittwoch, 12. Juni, wollen sie sich in der Grundschule treffen. Einziges Thema: der Neubau der Turnhalle. Diese soll nun erst im Dezember 2014 fertiggestellt werden, mehr als zweieinhalb Jahre (!) nach dem verheerenden Brand der alten Turnhalle im Mai 2012. "Mehr als die Hälfte der Grundschulzeit hat mein Kind nur 50 Prozent des Sportunterrichts", ärgert sich ein Vater. "Von der Stadt werden wir immer nur vertröstet!"
Unterstützung erhalten die Eltern von Schulleiterin Beate Trützschler. Der Sportunterricht sei nur mit enormem Aufwand aufrechtzuerhalten. Die Stadt karrt die Grundschüler in die Nordheidehalle nach Buchholz. Die Hälfte der Doppelstunde geht für den Transport drauf. Auch der Sportverein Holm-Seppensen leidet. Nur noch bis September hat er eine provisorische Unterkunft, dann droht der Klub heimatlos zu werden.
Ob ein Zelt eine Verbesserung bringt, das die Stadt für den Sport anmieten wird, steht dahin. Die Kosten betragen mindestens 45.000 Euro. Kritiker bemängeln, dass hohe Heizkosten für die Wintermonate noch gar nicht einkalkuliert wurden.
Der Ortsrat beschäftigte sich am gestrigen Dienstag mit dem Thema. Er fühlt sich bei wichtigen Entscheidungen übergangen. So seien die Detailplanungen bis heute nicht den Lokalpolitikern vorgestellt worden. In einer interfraktionellen Anfrage hat der Ortsrat genaue Informationen zu Planung und Kosten eingefordert.
Bürgermeister Wilfried Geiger schiebt die Schuld auf den Architekten. Der Architekt habe sich "nicht getraut, einen schlanken Terminplan" vorzulegen. Wie berichtet, hatte die Firma Dohse im März den Zuschlag für den Neubau erhalten. Derzeit laufe die Ausschreibung, an der "eine Reihe von Gewerken" beteiligt werden müssten. Es sei wichtig, jetzt keine Hektik in die Angelegenheit zu bringen, stattdessen ordentlich und solide zu arbeiten. Man werde sich aber bemühen, den Zeitplan für die neue Halle zu straffen. Ob das die Kritiker beruhigt?


KOMMENTAR
Die Ankündigung von Bürgermeister Wilfried Geiger, auf einen früheren Fertigstellungstermin für den Turnhallen-Neubau zu drängen, wirkt wie ein Lippenbekenntnis. Bisher ist die Stadt nicht dadurch aufgefallen, Tempo in der Sache gemacht zu haben. Im Gegenteil.
Zunächst versteckte sich Sportdezernent Jan-Hendrik Röhse hinter der Feuerversicherung. Diese gebe vor, welche Teile der abgebrannten Halle weiterverwendet werden können. Wertvolle Zeit verstrich. Als dann die fertigen Pläne für einen schnellen Wiederaufbau einer funktionalen Halle vorlagen, bestand die neue Baudezernentin Doris Grondke - noch kein Jahr im Amt - auf einem Architektenverfahren, das von externen Sachverständigen moderiert und erstmals in Buchholz eingesetzt wurde. Übrigens: Grondke hatte bisher ihre Brötchen in einem großen Hamburger Architektenbüro verdient.
Vor drei Monaten erhielt das Architekturbüro Dohse, auch aus Hamburg, den Zuschlag für den Turnhallen-Neubau. Dann erfolgte die Ausschreibung. Alles streng nach Vorschrift. Die neue Baudezernentin wird wohl zufrieden sein. Eltern, Kinder und Schüler sind es mit Sicherheit nicht.
Sie sind die Bauernopfer einer ehrgeizigen Karrieristin? Es scheint fast so. Leidtragende sind auf jeden Fall die Grundschüler, die dauerhaft reduzierten Sportunterricht haben, und der Sportverein, der unter leidlichen Bedingungen sein Angebot aufrecht erhalten muss. Die Beamten in der Verwaltung mögen alle Zeit der Welt haben. Die Menschen vor Ort haben sie nicht! Oliver Sander