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Wir schaffen die Besonnenheit ab!

(Foto: Speetzen)

AUF EIN WORT

Die ersten Stunden nach dem Anschlag am Montagabend auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin haben mir deutlich vor Augen geführt: Wir sind dabei, das Abwarten, das analytische Denken und Handeln zu verlernen. Lieber schnell, schnell als besonnen.
Anstatt erst ausreichend Informationen über die Hintergründe des Anschlags zu sammeln, diese zu bewerten und daraus eine klare Handlung abzuleiten, schossen die Spekulationen ins Kraut, gab es ellenlange Live-Schaltungen im Fernsehen - ab einem gewissen Zeitpunkt ohne erkennbaren Mehrwert. Fazit: „Wir können zum derzeitigen Zeitpunkt nichts Genaues sagen.“ Spätestens hier hätte man aussteigen müssen - und erst wieder auf Sendung gehen, wenn es berichtenswerte Neuigkeiten gibt.
Parallel zur TV-Berichterstattung wurde im Internet gepostet und getwittert, was das Zeug hält. Offenbar gehört es in der Internetgesellschaft zum guten Ton, seinen Senf dazuzugeben, Ereignisse und Vorgänge aus der Entfernung zu kommentieren und sofortige, natürlich drastische Konsequenzen zu fordern. Offenbar auch durch diesen öffentlichen Druck fühlten sich Politiker jeglicher Couleur am Montag veranlasst, bereits kurz nach dem Anschlag ihr Statement abzugeben.
Fazit fast überall: „Wir können zum derzeitigen Zeitpunkt nichts Genaues sagen, ich bin aber tief getroffen.“ Reagieren statt zu agieren, das braucht niemand.
Ich wünsche mir, dass in Zukunft mehr Nachdenken, Sachlichkeit und Unaufgeregtheit in Berichterstattungen und öffentliche Diskussionen kommen. Ich weiß, dass das nicht eintreten wird. Oliver Sander