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Das Tabu-Thema „Demenz“ / Info-Veranstaltung in der Buchholzer Empore

Wann? 27.09.2014 11:00 Uhr

Wo? Empore, Breite Straße 10, 21244 Buchholz in der Nordheide DE
Im Rathauspark werden erneut 1.000 Lichter entzündet (Foto: Foto Kettwig Buchholz)
 
Initiator des Demenz-Aktionstages in Buchholz: Frank Kettwig (Foto: Foto Kettwig Buchholz)
Buchholz in der Nordheide: Empore | Die Alterspyramide wandelt sich beständig: Immer mehr Menschen werden älter. Trotz guter medizinischer Vorsorge und einer gesunden Lebensweise der Senioren gibt es Krankheiten, die nicht zu verhindern sind, deren Fortschreiten nur verlangsamt werden kann. Dazu gehört auch Demenz. Der Schwund des Gedächtnisses und damit der Verlust der selbständigen Lebensführung ist heute immer noch ein Tabuthema. Es ist schwer, Angehörige von an Demenz Erkrankten dazu zu bewegen, offen über ihre Erfahrungen zu berichten.

Der Buchholzer Frank Kettwig hat sich das Ziel gesetzt, das Tabuthema Demenz transparenter zu machen und Menschen zu bewegen, ihre Erfahrungen einzubringen. In diesem Jahr findet der zweite Demenz-Aktionstag statt. Am Samstag, 27. September, können sich Interessierte von 11 bis 16 Uhr in dem Buchholzer Veranstaltungszentrum Empore (Breite Straße) über die Krankheit Demenz informieren. 20 Aussteller - wie zum Beispiel Pflegedienste - informieren und beraten rund um das Thema Demenz und Pflege im Alter.

In Kurzvorträgen geben Fachleute aus verschiedenen Branchen wichtige Tipps, die bei Eintritt einer Erkrankung beachtet werden sollten. „Seit der ersten Veranstaltung zum Thema Demenz im vergangenen Jahr wurde viel erreicht“, sagt Initiator Frank Kettwig. „Es ist aber wichtig, dass
immer mehr Menschen sich angesprochen fühlen. Wir haben eine Arbeitsgruppe Demenz. die sich regelmäßig trifft, um das Thema regelmäßig in die Öffentlichkeit zu tragen“, so Frank Kettwig.

Interessante Vorträge
Für die Besucher wurde ein informatives Rahmenprogramm zu denen auch Vorträge gehören erstellt. Die Kurzvorträge sind in Blöcke unterteilt. Der Eintritt zu sämtlichen Veranstaltungen ist kostenlos.
1. Block
11.30 Uhr: Thies Köhnke: Wohnen in einer Demenzwohngruppe
11.50 Uhr: Christoph Diedering: Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung
12.10 Uhr: Gerhard Freker: Wohnen in einer Demenzwohngruppe
12.30 Uhr: Arndt Bömelburg: Wohnungseigentum im Alter
2. Block
13.30 Uhr: Thies Köhnke: Wohnen in einer Demenzwohngruppe
13.50 Uhr: Christoph Diedering: Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung
14.10 Uhr: Gerhard Freker: Wohnen in einer Demenzwohngruppe
14.30 Uhr: Arndt Bömelburg: Wohnungseigentum im Alter

Was ist Demenz? Welche Formen der Erkrankung gibt es?

(Demenz ist ein Oberbegriff für mehr als 50 Krankheitsformen. Sie verlaufen unterschiedlich, führen alle jedoch langfristig zum Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit. Die Ursachen für Demenzerkrankungen sind vielfältig. Zu unterscheiden ist grundsätzlich zwischen primären und sekundären Demenzen. Eine sekundäre Demenz ist Folge einer anderen, bereits vorhandenen Grunderkrankung.

Alzheimer und Demenz werden häufig als Synonym verwendet. Dabei ist Alzheimer nur eine von vielen Demenzerkrankungen. Allerdings tritt sie am häufigsten auf: circa 60 bis 70 Prozent aller Demenzerkrankten haben Alzheimer. Weil vor allem ältere Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen sind, ist im Volksmund häufig auch von Altersdemenz die Rede.

Primäre Demenz
Primäre Demenzen haben ihren Ursprung im Gehirn. Dort sterben Nervenzellen nach und nach ab, die Verbindungen zwischen den Zellen gehen dauerhaft verloren. Ärzte sprechen deshalb von neurodegenerativen Veränderungen. Diese wirken sich auf das Gedächtnis, das Denken, die Sprache, Orientierung und das soziale Verhalten aus – je nachdem, welche Hirnregion betroffen ist.
Die Symptome der unterschiedlichen Demenzerkrankungen ähneln sich, doch es gibt auch große Unterschiede.
Vor allem die Ursachen einer Demenzerkrankung sind vielfältig. Bei der Alzheimerkrankheit sind es bestimmte Eiweißablagerungen im Gehirn, die den Stoffwechsel der Nervenzellen stören. Durchblutungsstörungen verursachen die zweithäufigste Demenzform, die vaskuläre Demenz. Weitere primäre Demenzerkrankungen sind die Lewy-
Körperchen-Demenz und die seltene frontotemporale Demenz. Heilbar sind diese Demenzerkrankungen nicht, aber durch die richtige Therapie lässt sich ihr Verlauf verzögern.
Sekundäre Demenz
Einige seltenere Demenzerkrankungen zählt man zu den sekundären Demenzen. Sie werden durch Depressionen, Medikamente, Alkoholsucht, Schilddrüsenerkrankungen oder eine Vitamin-Unterversorgung ausgelöst. Im Gegensatz zu Alzheimer und vielen anderen primären Demenzerkrankungen können sekundäre Demenzen mitunter geheilt werden, wenn die zugrunde liegende Erkrankung früh genug behandelt wird.
• Weitere Informationen über das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Es betrifft jeden Menschen!
Interview mit Frank Kettwig, Initiator des Demenz-Aktionstages in der Buchholzer Empore

Frank Kettwig setzt sich für die Information über die Krankheit Demenz ein. WOCHENBLATT-PR-Redaktionsleiter Axel-Holger Haase sprach mit dem Initiator des Buchholzer Demenz-Aktionstages.
WOCHENBLATT: Wie lange befassen sie sich bereits mit dem Thema Demenz?
Frank Kettwig: Ich wurde durch eine ähnliche Veranstaltung der Stadt Bottrop auf die Krankheit Demenz aufmerksam. Danach kam ich durch meinen Bruf als Fotograf immer wieder mit Menschen, die an Demenz leiden, in Kontakt. So entstand die Idee, eine Info-Veranstaltung in Buchholz zu gestalteten,
WOCHENBLATT: Eine wichtige Aussage von Ihnen ist, das Demenz ein Tabuthema ist. Kaum jemand spricht darüber.
Frank Kettwig. Das ist richtig. Dabei kann es jeden treffen. Daher ist es wichtig, offen über die Krankheit zu sprechen, Berührungsängste abzubauen. Im vergangenen Jahr hatte wir in der Buchholz Galerie einen Wunschbaum aufgestellt, an dem die Besucher ihre Wünsche auf kleinen Zetteln hängen konnten. Der Anfang des zu ergänzenden Satzes lautete: Wenn ich einmal dement bin, wünsche ich mir...
WOCHENBLATT: Welches war der am meisten geäußerte Wunsch?
Frank Kettwig: Der am häufigsten genannte Wunsch war für die Teilnehmer Liebe, Gemeinschaft, Familie, Freunde und nicht allein gelassen zu werden. Und genau diese Ziele versuche ich mit der Veranstaltung den Besuchern zu vermitteln.
WOCHENBLATT: Welche Unterstützung haben Sie für Ihre Aktion gefunden?
Frank Kettwig: Wir haben seit des vergangenen Aktionstages eine Arbeitsgruppe, die sich in unregelmäßigen Abständen trifft und in der ein vielfältiger Erfahrungsaustausch stattfindet. Aus diesen Erkenntnissen entwickelte ich weitere Ziele für die Buchholzer Veranstaltung.
WOCHENBLATT: Die Berührungsängste zu nehmen, ist dabei ein wichtiges Ziel?
Frank Kettwig: Genau. Grundsätzlich besteht bei Mensch eine Berührungsangst, wenn sie mit andersartigen Menschen zusammenkommen. Dabei ist das Aufeinanderzugehen, egal in welchem Alter, ein wichtiger Aspekt bei der Integration von Demenzkranken. Sie haben auch ein Recht, am Leben teilzunehmen. Ich möchte dahei besonders Kinder und Jugendliche für die Thematik interessieren und sie für Patenschaften gewinnen. Bei allen Veranstaltungen merkte ich, wie groß die Freude war, mit anderen zusammen etwas unternehmen.
WOCHENBLATT: Herr Kettwig, wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihre Veranstaltung.

Das Programm des Aktionstages
Der Demenz-Aktiontag in dem Buchholzer Veranstaltungszentrum Empore wird am Samstag, 27. September, von Bürgermeister Wilfried Geiger und Organisator Frank Kettwig um 11 Uhr eröffnet. Dem Besucher werden vielfältige Informationen zum Thema Alter, Pflege und Demenz geboten. Ab 15 Uhr gibt der Hamburg Chor „cHHor“ der Neuapostolischen Kirche mit rund 45 Stimmen ein Benefizkonzert zu Gunsten der Alzheimergesellschaft des Landkreises Harburg/Buchholz. Es wird geistliche Chormusik aus vier Jahrhunderten gesungen.
Um 19 Uhr werden im Buchholzer Rathauspark wie im vergangenen Jahr erneut 1.000 Kerzen entzündet und verwandeln die Fläche in ein Lichtermeer. Während der Aktion wird klassische Musik gespielt. Der Besucher soll eine Zeit der Ruhe und des Insichgehens finden. Mit dem Demenz-Aktionstag endet die Arbeit nicht. Der Arbeitskreis Demenz versucht weiter, das Thema Alter, Pflege und Demenz in und um Buchholz zu kommunizieren. Für „helfende Hände“ ist das Team stets dankbar. Wer sich angesprochen fühlt, kann sich unter Telefon 04181-9231-13 informieren.