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Schock für die Turntalente

Ob Turntalente künftig in der Nordheidehalle gesondertes Training erhalten, ist unklar (Foto: archiv / Helms)
 
In der Kunstturnhalle in Buchholz bereitete sich Spitzenturner Andreas Toba auf die Olympischen Spiele 2012 vor (Foto: archiv / os)

Buchholz vorerst kein Landesstützpunkt mehr / Suche nach einer Lösung wird schwierig

(cc/os). Die Kunstturnhalle an der Buchholzer Nordheidehalle ist bei Turnern weit über die Stadtgrenzen hinaus beliebt. Hier finden Talente und Top-Turner perfekte Trainingsbedingungen vor, inklusive Schnitzelgrube für besonders schwierige Sprünge. U.a. bereitete sich Andreas Toba in Buchholz auf die Olympischen Spiele 2012 vor. Toba wurde in diesem Jahr berühmt, als er bei den Olympischen Spielen in Rio trotz Kreuzbandrisses weiterturnte und dem deutschen Team den Einzug ins Mannschaftsfinale ermöglichte.
Es ist gut möglich, dass die Turntalente aus dem gesamten norddeutschen Raum künftig nicht mehr so häufig nach Buchholz kommen werden: Der Niedersächsische Turner-Bund (NTB) hat entschieden, dass Buchholz 2017 kein Landesstützpunkt mehr sein wird - weder für Jungen noch für Mädchen.
Hintergrund der Entscheidung: Beide Buchholzer Sportvereine, der TSV Buchholz 08 und Blau-Weiss Buchholz (BW) hatten zum Jahresende beim NTB beantragt, einen Landesstützpunkt zur Ausbildung von jungen Talenten in der Sportart Gerätturnen weiblich anbieten zu dürfen. Bislang war 08 für die männlichen Turner zuständig, BW für die Turnerinnen. Allein bei den Mädchen nutzten 19 Talente, darunter viele aus dem Landkreis Harburg, das zusätzliche Training. 13 von ihnen waren Mitglied bei Blau-Weiss, sechs kamen aus anderen Vereinen, u.a. aus Bremen. Insgesamt sind bei den beiden Klubs rund 220 Turnerinnen und Turner im Breiten- und Spitzensport aktiv.
Offenbar eskaliert jetzt ein Streit, der seit Langem zwischen den zuständigen Trainern Susanne Tidecks (BW) und Bernward Bade (08) schwelt. „Ich bin darüber sehr enttäuscht, dass Bernward Bade plötzlich den Antrag gestellt hat,“ sagt Trainerin Susanne Tidecks, die seit 2011 den Landesstützpunkt für Turnerinnen in Buchholz geleitet hat - zuerst für Buchholz 08, seit Mai 2015 für BW. „Es war unser gutes Recht, einen solchen Antrag zu stellen, denn die besten Turnerinnen sind zu Buchholz 08 zurückgekehrt“, entgegnet Bernward Bade.
„Ich bin erschüttert, was da abgelaufen ist. Das ist eine Katastrophe“, erklärt BW-Vorsitzender Arno Reglitzky. „Wir sind emsig bemüht, mit Hilfe von Sponsoren die Qualität des Trainings in Buchholz zu erhalten“, so Reglitzky. Bislang wurde der Landesstützpunkt mit rund 10.000 Euro pro Jahr durch den NTB gefördert.
Der NTB hat den Buchholzer Vereinen eine Hintertür offen gelassen: Wenn sie den Zwist beenden, dürfen sie Ende 2017 für das darauffolgende Jahr Anträge zur Wiedereinrichtung des Landesstützpunkts stellen. Normalerweise wird dieser für zwei Jahre vergeben. „Wir müssen zueinander kommen, natürlich wird es Gespräche zwischen den Vereinen geben“, erklärt 08-Vorsitzender Lothar Hillmann. Man müsse sich im Sinne der Turnerinnen und Turner einigen, auch weil die Landesstützpunkte Strahlkraft weit über Buchholz hinaus besitzen. Hillmann räumt aber ein, dass eine Einigung schwierig sei, solange Susanne Tidecks und Bernward Bade gemeinsam als Trainer wirken.
Einen Hoffnungsschimmer für die Turntalente im Kreis gibt es. Laut Lothar Hillmann habe der NTB angeboten, mit eigenen Trainern Lehrgänge und Seminare in Buchholz durchzuführen. Das ersetzt zwar das regelmäßige Training nicht, ist aber besser als nichts.