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Willkommen im 300er-Klub

Mit der Medaille des Oberhafen-Marathons: Wolfgang Kieselbach
 
Mit Helm und Stirnlampe: Im ehemaligen Salzbergwerk bei Sonderhausen lief Wolfgang Kieselbach 750 Meter unter Tage (Foto: Kieselbach)

Marathon-Enthusiast Wolfgang Kieselbach (63) steht vor der Aufnahme in die "Japanische Liste"

os. Buchholz. Er ist 750 Meter unter Tage gelaufen, quer durchs Watt von Cuxhaven nach Neuwerk, über die Nordschleife des Nürburgrings, auf dem sonst PS-starke Rennwagen ihre Runden drehen - und das alles über jeweils exakt 42,195 Kilometer: Wolfgang Kieselbach (63) darf man mit Fug und Recht als Marathon-Enthusiasten bezeichnen. Am vergangenen Wochenende bestritt der ehemalige Banker aus Buchholz seinen 300. (!) Dauerlauf - bei der ersten Auflage des Oberhafen-Marathons in Hamburg mit gerade einmal 15 Startern. Kieselbach, der für Blau-Weiss (BW) Buchholz startet, hat damit die magische Grenze überschritten und wird in die sogenannte "Japanische Liste" aufgenommen - ein Fernziel für jeden Marathon-Freund. Mit ihm knackte in Hamburg auch der Buxtehuder Ralf Vollmer die 300er-Marke. Beide kennen und schätzen sich aus dem "100 Marathon Club".
Im Jahr 1985 wagte sich Kieselbach zum ersten Mal an die 42,195 Kilometer. Es war Lauf-Liebe auf den ersten Blick, auch wenn er - wie die meisten Neulinge - viel zu schnell anging und sich am Ende durchbeißen musste. 30 Mal ist Kieselbach seitdem allein beim Hamburg-Marathon gelaufen - im vergangenen Mal erreichte er aufgrund eines Muskelfaserrisses erstmals nicht das Ziel. München, London, Stockholm und Monaco waren weitere Stationen in der Marathon-Vita. Speziell war vor allem der Rotwein-Marathon in Medoc/Frankreich, bei dem tatsächlich alle drei Kilometer Rotwein ausgeschenkt wird. Wolfgang Kieselbach beließ es bei gelegentlichem Nippen, ansonsten hätte er das Ziel wohl nicht erreicht.
Früher schaute Kieselbach bei seinen Starts auch auf die Zeit. "Es ging für mich darum, meine eigene Stärke zu erkennen, die typischen Schwächephasen bei einem Marathon zu überwinden und in möglichst guter Zeit das Ziel zu erreichen", blickt der zweifache Vater zurück. Bei 2:56 Stunden liegt seine Bestzeit. Er sei durch den Marathon härter, ausdauernder und zielorientierter geworden und habe früher beim Laufen gut den Berufsstress abbauen können.
Mittlerweile pensioniert, läuft Kieselbach primär, um zu genießen. "Ich freue mich, neue Landschaften kennen zu lernen und nette Leute zu treffen", sagt der sympathische Läufer. Der Sport ist derzeit auch Therapie für ihn: Im vergangenen Dezember starb seine Ehefrau Sabine nach langer Krebserkrankung, beim Marathon vergisst Kieselbach den Schmerz. Kraft gebe ihm auch das Training in der BW-Laufgruppe: "Ich danke allen, die mir in den vergangenen Wochen in der schweren Zeit beigestanden haben!"
Für diverse weitere Marathons in diesem Jahr, u.a. in Füssen, Österreich und Südtirol, hat sich Wolfgang Kieselbach bereits angemeldet. Um unabhängig zu sein, hat er sich einen Campingbus gekauft: "Ich freue mich schon darauf, damit unterwegs zu sein." Auch wenn zuletzt sein Knie schmerzte und ihn ein Fersensporn behinderte: Zu Wolfgang Kieselbachs beeindruckenden 300 Marathons werden mit Sicherheit einige hinzukommen.