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So kommt der Tee in den Beutel

Eine speziell dafür konstruierte Maschine verknotet den Teebeutel an zwei Stellen und schafft 700 Knoten pro Minute, zeigt der künftige Werksleiter Michael Leuer
 
Er sorgt für die richtige Mischung: Edwin Rydzinski beim Zusammenschütten des Inhalts der 40 bis 70 kg schweren Säcke (Foto: bim)
Bei Milford Tea in der Nordheide werden täglich 19 Millionen Teebeutel der bekannten Sorten Milford und Meßmer produziert / Neue Sorten bis April geheim

bim. Buchholz. Wenn im Fernsehen ein Werbespot von Meßmer Tee läuft, kann es sein, dass der gezeigte Teebeutel in der Nordheide hergestellt wurde. Bei Milford Tea in Buchholz, einem Produktionsbetrieb der Laurens Spethmann Holding (LSH) und einem der modernsten Tee-Abpack-Werke Europas, werden täglich 19 Millionen Teebeutel produziert, insbesondere der Marken Meßmer und Milford - allein im vergangenen Jahr 3,4 Milliarden Teebeutel. Das WOCHENBLATT schaute hinter die Kulissen der Produktion und verfolgte den Weg, wie der Tee in den Beutel kommt.
Ein paar Zahlen vorweg: In dem Werk sind 135 Mitarbeiter beschäftigt. 44 Abpack-Maschinen produzieren bis zu 350 Beutel pro Minute. Doch diese Geschwindigkeit überträgt sich nicht auf die Mitarbeiter. Es herrscht keine übertriebene Hektik, sondern angemessene Betriebsamkeit. „Bei den Arbeitsschritten handelt es sich um eine weitgehend automatisierte Verpackung. Das hat aber nichts mit monotoner Fließbandarbeit zu tun“, betont Werksleiter Andreas Rippstein.
In den Hallen erfüllt das Aroma von Tee die Luft. Fließbänder gibt es natürlich, aber auf denen bewegen sich Tee-Packungen wie Matchbox-Autos zu den nächsten Verpackungsstationen.
In der Tee-Mischerei in der oberen Etage kommt die vom Hamburger Hafen angelieferte Tee-Rohware an. Die Rezepturen werden allerdings nicht vor Ort, sondern in der Tee-Erlebnis-Welt „Momentum“ in Hamburg kreiert - und sind natürlich geheim. Nach Vorgaben der „Momentum“-Tee-Verkoster sorgen Mitarbeiter in Buchholz für die richtige Mischung, indem sie den Inhalt der 40 bis 70 kg schweren Säcke zusammenschütten. Damit niemand schwer heben muss, werden die Säcke mit Luft angesaugt. Die durch einen Mischer geleiteten und gesiebten Tee-Sorten kommen dann in sogenannte Big Bags mit je 600 Kilogramm. Damit sich die Aromen nicht vermischen, müssen Schwarz-, Früchte- und Kräutertee-Big Bags in getrennten Hallen gelagert werden.
Der Inhalt der Big Bags wird anschließend über Leitungen in die untere Etage zum Verpacken in Teebeutel befördert. Dort fügen Maschinen, die von den Mitarbeitern überwacht werden, Etikett, Baumwollfaden und den zum Beutel gefalteten Teepapier-Schlauch, gefertigt aus Abacáfasern von Bananen-Stauden, blitzschnell zusammen.
Den Teebeutel mit einem Baumwollfaden statt einer Aluminium-Klemme zu versehen, war aus Teebeutelherstellersicht revolutionär. Zehn Jahre dauerte der Entwicklungsprozess, der insgesamt 80 Millionen Euro gekostet hat. Die speziell dafür konstruierte Maschine verknotet den Teebeutel an zwei Stellen und schafft 700 Knoten pro Minute. „Alle hier eingesetzten Maschinen wurden gemeinsam mit den Maschinenherstellern und eigenen Mechanikern entwickelt“, berichtet der künftige Werksleiter Michael Leuer.
Danach werden die Teebeutel in Kartons - entweder von Maschinen oder wie Aktionsware und besondere Tee-Sorten von Mitarbeitern per Hand - verpackt.
Über das Fließband werden die Kartons anschließend in die obere Etage befördert. Dort übernehmen Roboter den letzten Verpackungsschritt und stapeln die Kartons auf Euro-Paletten.
Die Tee-Saison beginnt Mitte September. Im Frühjahr und Sommer herrscht Flaute im Teegeschäft, die Produktion wird halbiert. Um das Sommergeschäft anzukurbeln, hatte sich Milford Tea im vergangenen Jahr etwas ganz Besonderes einfallen lassen: die Teebeutel „Kühl und lecker“ für die Zubereitung mit kaltem Wasser - ein echter Erfolg.
Insgesamt 640 verschiedene Tee-Sorten werden bei Milford Tea produziert. Im vergangenen Herbst lief die Sorte „Karibischer Tropicana“ mit Ananas und Kokos „wie geschnitten Brot“, erzählt Andreas Rippstein begeistert. Derzeit besonders gefragt sind Tee-Sorten mit Ingwer. Bei den Schwarztees liegt ‚Meßmer Klassik‘ ganz vorn. „Das ist der meistverkaufte Schwarztee in Deutschland“, so Rippstein.
Bleibt abzuwarten, was sich die Tee-Kreateure für dieses Jahr Neues ausdenken. Die neuen Tee-Sorten bleiben noch bis April geheim.