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Sparkassen-Fusion gescheitert!

"Sie sehen uns alles andere als geknickt": Andreas Sommer (li.) und Heinz Lüers, Vorstandsmitglieder der Sparkasse Harburg-Buxtehude
 
Silvia Nieber, Verwaltungsratschefin der Sparkasse Stade-Altes Land (Foto: archiv)
 
Wolfgang Schult, Vorstand Sparkasse Stade-Altes Land (Foto: archiv)

Verwaltungsrat der Sparkasse Stade-Altes Land stoppt Fusionsgespräche mit Sparkasse Harburg-Buxtehude


(os/bc). Was der Verwaltungsrat der Sparkasse Stade-Altes Land Ende des vergangenen Jahres anschob, hat er jetzt selbst wieder beendet. Alle 15 Mitglieder inklusive der Vorsitzenden, Stades Bürgermeisterin Silvia Nieber (SPD), stimmten am vergangenen Dienstag gegen eine Fortführung der Sondierungsgespräche für eine mögliche Fusion mit der Sparkasse Harburg-Buxtehude.
Damit sei der Flirt beendet, wie es Wolfgang Schult, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Stade-Altes Land, gegenüber dem WOCHENBLATT ausdrückte. „Wir schauen uns auch nicht nach einer neuen Braut um. Der Verwaltungsrat hat den Vorstand beauftragt, den Weg der Eigenständigkeit der Sparkasse durch Eigenoptimierung fortzusetzen“, so Schult.
Konstruktiven und harmonischen Gesprächen zwischen den Vorständen beider Sparkassen sowie betriebswirtschaftlichen Vorteilen, die eine Fusion mit sich gebracht hätten, standen vor allem Unsicherheiten bei der Gewerbesteuer-Verteilung entgegen, die neben der Befürchtung des Verlustes von regionaler Nähe letztlich zu der Entscheidung führten, die Gespräche abzubrechen.
Zur Erklärung: Die Gewerbesteuer-Verteilung orientiert sich an der Lohn- und Gehaltssumme vor Ort. Da es nach einer Fusion u.a. zu Personalabbau kommen würde, „hat es die Sorge gegeben, dass einzelne Kommunen weniger Gewerbesteuer erhalten könnten“, erklärte Silvia Nieber. Zwar sollte das Filialnetz unangetastet bleiben, dafür hätten aber sogenannte Verwaltungsstandorte zusammengefasst werden können.
Die Möglichkeit, die Gewerbesteuer-Verteilung vor einer Fusion vertraglich auf dem Status quo einzufrieren, scheiterte aufgrund der Sorge, ob alle Stadt- bzw. Gemeinderäte des Zweckverbandes (siehe Infokasten) an einem Strang ziehen würden. Nieber: „Da braucht nur eine Gemeinde auszuscheren.“ Die Bürgermeisterin sprach in dem Zusammenhang von einem möglichen „Solidarisierungseffekt im Alten Land“, der nicht zu unterschätzen sei.
Rainer Rempe (CDU), Landrat des Landkreises Harburg, war „überrascht und auch enttäuscht“ über die Entscheidung des Verwaltungsrats der Sparkasse Stade-Altes Land. Er sei verwundert, dass die Gespräche just zu dem Zeitpunkt beendet werden, ab dem es konkret um inhaltliche Fragen gehen sollte. „Wenn die Sparkasse Stade-Altes Land schon an uns herantritt, um über eine Fusion zu sprechen, muss ich eine gewisse Ernsthaftigkeit und Professionalität erwarten“, betonte Rempe. Jetzt wirke es so, als wenn der Verwaltungsrat in Stade „vorher nicht genug nachgedacht hat“. Angesichts der aktuellen Herausforderungen auf den Finanzmärkten, etwa durch Digitalisierung und Niedrigzinsphase, wäre die Fusion eine sinnvolle Option gewesen.
Heinz Lüers, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Harburg-Buxtehude, und Vorstandskollege Andreas Sommer sind enttäuscht, dass mit der Fusion „eine strategische Option gescheitert ist, sich im Markt noch besser aufzustellen“. Es sei aber richtig gewesen, die Gespräche zu führen. Sommer: „Die Sparkasse Harburg-Buxtehude hat ein stabiles Konzept für die kommenden Jahre und wird auch weiterhin gut im Markt bestehen.“ Fazit von Heinz Lüers: „Sie sehen uns zwar enttäuscht, aber alles andere als geknickt!“

Verwaltungsrat der Sparkasse Stade-Altes Land


Träger der Sparkasse Stade-Altes Land ist der Sparkassenzweckverband Stade-Altes Land. Dem Zweckverband gehören die Stadt Stade sowie die Gemeinden Jork, Grünendeich, Guderhandviertel, Hollern-Twielenfleth, Mittelnkirchen, Neuenkirchen, Steinkirchen und Neu Wulmstorf als Mitglieder an. Im Verwaltungsrat sitzen zehn Vertreter aus den Trägergemeinden sowie fünf Arbeitnehmer-Vertreter der Sparkasse.

KOMMENTAR

Auf halber Strecke stehengeblieben

Wer A sagt, muss auch B sagen, heißt es im Volksmund. Der Verwaltungsrat der Sparkasse Stade-Altes Land muss sich vorwerfen lassen, A gesagt zu haben, dem B aber keine Chance gegeben zu haben. Er ist auf halber Strecke stehengeblieben. Noch der alte Verwaltungsrat hatte die Fusion auf die Schiene gesetzt, der nach der Kommunalwahl eingesetzte neue Verwaltungsrat hatte offenbar bereits Zweifel an dem Vorhaben. Die Gespräche zwischen den Vorständen hat er aber nicht abgesagt. Hü und hott, anstatt eine klare Linie zu verfolgen.
Die Vorstände der Sparkassen hatten vor den Fusionsgesprächen betont, „ergebnisoffen“ verhandeln zu wollen. Zu recht, denn ein Zusammenschluss von zwei Sparkassen mit einer gemeinsamen Bilanzsumme von fast 5,4 Milliarden Euro ist nicht im Vorbeigehen zu machen und birgt Risiken. In der Sondierungsphase wurden diese Risiken benannt, aber auch die Vorteile herausgearbeitet. Wenn der Stader Verwaltungsrat dem Vorstand der Sparkasse keine Chance gibt, die Risiken in Verhandlungen zu erörtern und die Probleme zu lösen, zeugt das von mangelndem Vertrauen. Gleichzeitig legt es den Verdacht nahe, dass man sich im Vorfeld nicht genügend mit den Chancen und Risiken auseinandergesetzt hat. Das führt zwangsläufig zur Diskussion, wie man Verwaltungsräte in Zukunft besetzt. Sparkassen mit Milliarden-Bilanzsummen müssen von absoluten Experten beaufsichtigt werden.
Verwaltungsratschefin Nieber muss sich die Frage stellen, ob ihre Kommunikation zum Vorstand der Sparkasse Stade-Altes Land in Ordnung ist. Noch auf der Bilanzpressekonferenz am vergangenen Freitag hatte Vorstandschef Wolfgang Schult das drohende Aus der Fusion mit keinem Wort erwähnt, obwohl es bereits dort festgestanden haben muss. So steht nicht nur Nieber schlecht da, sie ließ auch Schult böse auflaufen.
Die Vorstände der beiden Sparkassen müssen sich jetzt schütteln und nach vorn schauen. Sie haben genügend Aufgaben vor der Brust: Zum einen müssen sie ihre Unternehmen so ausrichten, dass sie auch in der andauernden Niedrigzinsphase Ertrag erwirtschaften. Zum anderen müssen sie sich um die Pflege ihrer Filialnetze kümmern - genau das erwarten die Kunden von ihnen. Die gescheiterte Fusion mag manchen Kunden egal sein, die Schließung von Filialen ist es nie. Oliver Sander