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Betrug am Bankkunden

bc. Stade. Die Gerüchteküche brodelte schon lange. Ein Angestellter der Kreissparkasse Stade aus Himmelpforten soll Kunden betrogen haben. Auf Anfrage hat die Staatsanwaltschaft Stade jetzt dem WOCHENBLATT bestätigt, dass eine Selbstanzeige eingegangen ist. Oberstaatsanwalt Dr. Burkhard Vonnahme weist daraufhin, dass sich die Ermittlungen in einem sehr frühen Stadium befinden: „Geld ist verschwunden. Wir erforschen jetzt den Sachverhalt, wie es verschwunden ist“, so Vonnahme. Die Ermittlungen laufen demnach in verschiedene Richtungen: Unterschlagung, Diebstahl, Untreue und Betrug stünden im Raum.
Sparkassenvorstand Ralf Achim Rotsch bittet um Verständnis, dass er über Details keine Auskunft geben kann. Soviel sagt er dann aber doch: „Der Mitarbeiter arbeitet nicht mehr bei uns.“ Ende Februar seien nach einer routinemäßigen Innenrevision Unregelmäßigkeiten in der Filiale in Hammah festgestellt worden. Dazu, wie oft solche Kontrollen stattfinden, äußert sich Rotsch nicht.
Fest steht aber: Nach Angaben von Rotsch sind 14 Kunden betroffen gewesen, die zeitnah darüber informiert und bereits im März entschädigt wurden. „Wir haben die unrichtigen Salden korrigiert“, so Rotsch. Insgesamt soll die Schadenssumme nach unbestätigten Angaben im sechsstelligen Bereich liegen. Rotsch stellt klar, dass die Schließung der Filiale in Hammah Ende Februar in keiner Weise mit den Unregelmäßigkeiten zusammenhängt.
Der ehemalige Sparkassen-Mitarbeiter, der sich selbst anzeigte, soll dem Vernehmen nach nicht zuletzt aufgrund seiner öffentlichen Ämter großes Vertrauen bei seinen Kunden genossen haben. Er war Schützenpräsident in Himmelpforten und ein führender CDU-Ratspolitiker. Schon vor Wochen trat er unter Angabe persönlicher Gründe von seinen Ämtern zurück.
Das WOCHENBLATT erreichte ihn am Telefon. Zum laufenden Verfahren will er sich nicht äußern, verweist auf seinen Rechtsbeistand Lars Zimmermann aus der Buxtehuder Kanzlei „Hünnemeyer und Zimmermann“. Der sagt: „Die Selbstanzeige zeigt es: Mein Mandant ist sehr interessiert daran, an der Aufklärung mitzuwirken.“ Auch den entstandenen Schaden wolle er begleichen. Zimmermann wünscht sich, schnell Akteneinsicht zu erhalten, um an der Beantwortung aller offenen Fragen mitzuarbeiten.
Bernd Reimers, parteiloser Bürgermeister in Himmelpforten und langjähriger politischer Weggefährte des mutmaßlichen Betrügers, fiel nach Bekanntwerden der Vorwürfe aus allen Wolken: „Ich habe ihn immer sehr geschätzt. Eine solche Entwicklung hätte ich nie für möglich gehalten.“
Der Fall erinnert an den spielsüchtigen Jens L.* aus Stade, der u.a. wegen Veruntreuung von mehreren Millionen Euro Kundengeld seines früheren Arbeitgebers, der Deutschen Bank in Buxtehude, zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde.