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Ein Anwalt als Spürnase

Der Strafverteidiger Lars Zimmermann

tk. Stade. So etwas kennt man aus Krimiserien, aber nicht aus einem echten Gerichtssaal: Ein Anwalt als Spürnase mit detektivischem Geschick. Der Buxtehuder Strafverteidiger Lars Zimmermann hat vermutlich einen flüchtigen Tatverdächtigen im Ausland aufgespürt. Ihm ist offenbar gelungen, was das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden bislang nicht geschafft hat: Einen Mann in Weißrussland zu ermitteln, der im Dezember 2010 den Oldendorfer Unternehmer Gerd. H. und seine Frau überfallen haben soll. Gerd H. starb an den Folgen der brutalen Attacke.

Der Hintergrund: Zimmermann verteidigt den Deutschrussen L. (42). Gemeinsam mit seinem Komplizen V., beide wohnen auf der Stader Geest, soll er den Raubüberfall eingefädelt haben. Zwei Männer aus Weißrussland, die mutmaßlich daran beteiligt waren, sind abgetaucht. Die Tat war äußerst brutal: H. ist vermutlich an einem Knebel erstickt, seine Frau wurde schwer verletzt.
Mittlerweile ist der Prozess vor dem Landgericht Stade eine fast unendliche Geschichte geworden: Es gab bereits 105 Sitzungstage.
Problem für Zimmermanns Mandaten L.: Angeklagt ist er wegen Raubes mit Todesfolge. Aber der Vorsitzende Richter hat einen rechtlichen Hinweis gegeben, dass auch eine Verurteilung wegen Mordes möglich sei. Das würde Lebenslang bedeuten. Seit seiner Verhaftung im März 2011 sitzt L. in Untersuchungshaft.
"Die beiden Weißrussen sind die wichtigsten Zeugen", sagt Lars Zimmermann. Eine Staatsanwältin war bereits in Weißrussland und das BKA als Schnittstelle für alle Fahndungen über Interpol ist ebenfalls eingeschaltet. Vor einigen Monaten hat eine BKA-Beamtin vor dem Landgericht ausgesagt, dass es nichts Neues in Sachen der beiden flüchtigen Verdächtigen gebe, so Zimmermann.
"Ich habe ein bisschen recherchiert", sagt der Anwalt. Und einen der Männer aufgespürt. Der soll in Weißrussland wegen einer anderen Sache derzeit in Knast sitzen. "Dann haben wir immerhin eine Anschrift", so der Strafverteidiger. Warum der Anwalt den Mann fand, das BKA aber nicht, bleibt ungeklärt. Zu laufenden Ermittlungen nehme das BKA keine Stellung, so eine Sprecherin. Grundsätzlich laufe es so, dass das BKA als nationale Stelle die internationale Fahndung über Interpol koordiniere. Etwa das Weiterleiten von Daten, sodass flüchtige Straftäter beim Grenzübertritt dingfest gemacht werden.
Wie es jetzt vor dem Landgericht Stade weitergeht, ist derzeit noch offen. Die Information, dass der Gesuchte in Weißrussland in Haft sitzt, stamme ausschließlich vom Anwalt, sagt Kai Thomas Breas, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade. "Das ist noch nicht verifiziert." Dass der in Weißrussland inhaftierte mutmaßliche Komplize vor dem Landgericht Stade aussagt, erscheint ausgeschlossen. Sofort würden die Handschellen klicken. Für eine Auslieferung sieht Breas keine Erfolgsaussichten. Es gebe kein entsprechendes Abkommen mit Weißrussland. Eine Vernehmung könne aber vor Ort oder per Videokonferenz erfolgen.
Der Endlosprozess wird weitergehen. Das Gericht wollte eigentlich im Januar ein Urteil verkünden. Jetzt wurden weitre Verhandlungstermine bis Juni anberaumt.