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Freispruch nach Fummelattacke

bc. Buxtehude/Dollern. Ein 25-jähriger Mann aus Dollern ist vor dem Amtsgericht Buxtehude vom Vorwurf der schweren sexuellen Nötigung freigesprochen worden - obwohl die Richterin der Version des Opfers Glauben schenkte. Der Angeklagte soll nach einvernehmlichen Küssen auf einer Party im vergangenen Sommer eine 17-Jährige zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. "Es war demütigend für das Mädchen. Aber eine Gewaltausübung hat nicht stattgefunden. Der Angeklagte hat gerade noch rechtzeitig aufgehört", so die Richterin. Bei einer Verurteilung hätte dem Dollerner, der nicht vorbestraft ist, ein Mindeststrafmaß von zwei Jahren Haft gedroht.

Der als Zeuge angehörte Partyveranstalter entlastete mit seinen Aussagen den Angeklagten. Nach der vermeintlichen Sex-Attacke, die sich am Ende der Feier hinter einer Halle abgespielt haben soll, habe sich das Mädchen in keiner Weise "komisch verhalten". Stattdessen habe es noch ihren angeblichen Peiniger gemeinsam mit dem Zeugen ein Stück nach Hause begleitet. Danach, so berichtete ein Freund des Opfers vor Gericht, sei sie vor seiner Haustür zusammengebrochen.
Laut Anklageschrift soll der 25-Jährige, bei dem ein Gutachter zur Tatzeit einen Alkoholwert von etwa zwei Promille errechnete, die 17-Jährige trotz verbalen Widerstands im Genitalbereich befummelt haben. Dabei soll er sie mit seinem Brustkorb an einen Baum gedrückt und die Hose heruntergezogen haben. Erst als sie geschrien habe, ließ der Angeklagte von ihr ab. Das Gericht stand nun vor der Frage: Wann fängt Gewalteinwirkung an?

Die Staatsanwältin hatte erhebliche Skepsis, dass es zur Gewaltanwendung gekommen sei: "Ihr Verhalten war herabsetzend und grob, aber mit dem Oberkörper Druck ausüben, ist noch keine Gewalt." Sie plädierte für einen Freispruch.
Der Rechtsanwalt des mutmaßlichen Opfers, das als Nebenkläger vor Gericht auftrat, bewertete die Situation anders: "Meine Mandantin ist ziemlich schwächlich. Wenn er sie mit seinem Körper an einem Baum fixiert, ist das Gewalt. Dann ist eine Grenze überschritten."

Sabine Hippert-Otromke, Verteidigerin des Angeklagten, zog dagegen die Aussagen der Teenagerin in Zweifel. "Mein Mandant weiß, was er gemacht hat. Nämlich gar nichts." Das Mädchen habe sich zudem in Widersprüche verstrickt. Ihre Angaben seien unglaubwürdig. Darüber hinaus wies sie auf die Untersuchung der Ärzte im Krankenhaus hin, die keinerlei Verletzungen feststellen konnten.
Das Gericht stellte klar: "Das Verhalten des Angeklagten ist hart an der Grenze."