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Landkreis Stade: Zahl der Einbrüche ist stark gestiegen

Waren Einbrecher in der Wohnung, sind die Folgen für die Opfer häufig gravierend (Foto: www.nicht-bei-mir.de)
bc. Stade. Große Sorgen bereitet den Polizisten im Landkreis Stade die gestiegene Anzahl der Einbrüche in Wohnungen und Häuser. Das zeigt die am Donnerstag veröffentlichte Kriminalstatistik der Polizeiinspektion (PI) Stade für das Jahr 2015. Laut Leiter Torsten Oestmann sei der Zuwachs „exorbitant“: 2014 waren es 366 Fälle, im vergangenen Jahr schon 566 Einbrüche. Zahlen, die beunruhigen. Der bisherige Rekord stammt aus dem Jahr 1993 mit 888 Einbrüchen.

Die Zunahme der Wohnungseinbrüche ist ein landesweiter Trend. Im Bereich des Landkreises Stade fällt auf, dass die Taten im Stader Bereich, also im nördlichen Kreisgebiet, zumeist von örtlichen Tätern verübt wurden. Allein ca. 100 Einbrüche gingen auf das Konto dreier Jugendlicher aus Stade. Ein 17-Jähriger aus dem Trio sitzt derzeit wegen eines anderen Deliktes in Untersuchungshaft. Die Einbrüche wurden noch nicht vor Gericht verhandelt. Eine Reihe weiterer Einbrüche wurden einem 45-Jährigen aus Stade nachgewiesen. Er wurde bereits zu einer Haftstrafe verurteilt.

Positiv bewertet Oestmann die Zahl der aufgeklärten Einbrüche. 29,86 Prozent konnte die PI Stade ermitteln - ein Spitzenwert im Vergleich mit den anderen Inspektionen der Polizeidirektion Lüneburg (23,74 Prozent). Bei mehr als einem Drittel der 566 Einbrüche blieb es bei einem Versuch. Oestmann betont, dass Anwohner, die verdächtige Personen auf dem Nachbargrundstück beobachten, sofort den kostenlosen Notruf 110 wählen sollten. Außerdem gibt das Präventionsteam der Polizei Tipps unter 04141-102109.

Die Kriminalstatistik liefert viele weitere interessante Details polizeilicher Arbeit. Musste die Polizei im Landkreis Stade in 2014 noch insgesamt 12.112 Fälle bearbeiten, waren es im vergangenen Jahr mit 11.825 etwas weniger. Das Positive vorweg: Die Aufklärungsquote liegt mit 61,59 Prozent auf einem hohen Niveau.


Ein Überblick über alle Deliktsbereiche:


• Erst seit dem 5. November hat die Polizei in Niedersachsen die Möglichkeit, Straftaten durch oder gegen Flüchtlinge zu erfassen. In dieser Statistik werden auch schon länger in Deutschland lebende Asylbewerber registriert. Bis Ende 2015 ermittelte die Polizeiinspektion Stade 45 Delikte, die durch Flüchtlinge begangen wurden: darunter acht Körperverletzungen, elf Diebstähle und elf Ladendiebstähle. Stades Polizeichef Torsten Oestmann: „Von den hier straffällig gewordenen Flüchtlingen wohnen jedoch nicht alle im Landkreis.“ Oestmann betont, dass durch den Zuzug von Flüchtlingen die Kriminalität bislang nicht besorgniserregend gestiegen sei.

• Rohheitsdelikte: Hier lag die Anzahl der Taten mit 1.691 leicht unter dem Vorjahresniveau. Auffällig ist jedoch der Zuwachs bei den Raubdelikten, die von 109 auf 132 Taten anwuchsen. Hierunter fallen diverse Taten wie z.B. 40 Raubdelikte in Stade und im Bereich Buxtehude. 27 dieser Taten konnte die Polizei aufklären. Vor allem im Bereich der Jugendkriminalität verzeichnete die Polizei mehr Raubstraftaten. Viele davon spielten sich in der Stader Innenstadt ab (wie berichtet). Einem 16-jährigen Intensivtäter aus Stade konnten 13 Taten nachgewiesen werden. Der Kopf einer Jugendbande wurde bereits zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Er sitzt aber weiter in Untersuchungshaft, da die Verhandlungen wegen weiterer Straftaten noch ausstehen. In Buxtehude zeichnete vor allem ein 14-jähriger Intensivtäter für viele Taten verantwortlich. Die Gesamt-Aufklärungsquote bei Raubdelikten beträgt 62,1 Prozent.

• Die Anzahl der Sexualdelikte stieg von 103 auf 117 an. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. In diese Statistik fallen auch exhibitionistische Handlungen. Allein 25 Taten gehen dabei auf das Konto eines 44-Jährigen, der sich seit 2010 vornehmlich in Buxtehude-Altkloster entblößte. Der Fall liegt noch bei der Staatsanwaltschaft.

• Die Anzahl der Diebstähle stieg auf 4.951 Taten an. Für den Bereich Stade bedeutet das ein Plus von 17 Fällen, für Buxtehude von 165. Insbesondere ist eine Zunahme bei den Taschendiebstählen festzustellen: 173 statt 134 in 2014. Polizeichef Oestmann: „Bei Taschendiebstählen werden deutsche Staatsbürger weniger auffällig.“

• Beeindruckend ist die Aufklärungsquote der Polizei bei Fahrraddiebstählen: Die liegt bei mehr als 32 Prozent. Detlef Meyer, Leiter des zentralen Kriminaldienstes: „Normalerweise liegt die Quote im einstelligen Bereich.“ Insgesamt wurden bei rückläufigen Zahlen aber immer noch 857 Fahrraddiebstähle registriert, davon alleine 497 im Bereich Buxtehude.

• Die Kriminalstatistik im Landkreis verzeichnet außerdem für 2015 sieben Straftaten gegen das Leben. Herausragend ist dabei ein Mord, der sich schon 2014 ereignete, der aber erst in die Statistik 2015 eingeflossen ist: der Fahrstuhlmord an einem 61-Jährigen in einem Hochhaus in Buxtehude. Der Täter (26) wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

• Im Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte fiel die Anzahl der Taten von 2.095 auf 1.852 in 2015 zurück.