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Massenrausch in der Heide: Psychotherapeut kommt mit Bewährungsstrafe davon

Am Tag des Urteils: Stefan S. aus Aachen
bc. Handeloh/Stade. Stefan S., der Psychotherapeut, der im September 2015 für den Massenrausch von Handeloh (Landkreis Harburg) verantwortlich gewesen sein soll (das WOCHENBLATT berichtete), ist am Mittwoch vor dem Landgericht Stade zu einer 15-monatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer 22 Monate auf Bewährung gefordert sowie ein zweijähriges Berufsverbot.

Die Kammer hielt den Mann aus Aachen für schuldig wegen des Besitzes und Überlassens von Betäubungsmitteln an die Teilnehmer eines Seminars, das der Angeklagte gemeinsam mit seiner Frau organisiert hatte. Das Seminar mit dem Namen "Die sieben Quellen - eine Reise durch unser Energiesystem" im Tagungszentrum "Tanzheimat Inzmühlen" endete im Chaos. Letztlich mussten alle 27 Teilnehmer und der Angeklagte ins Krankenhaus.

Das Gericht blieb bei seiner Strafe nur knapp über der gesetzlichen Mindeststrafe für den Drogen-Besitz nicht geringer Mengen. Das Betäubungsmittelgesetz sieht in dem Fall Freiheitsstrafen nicht unter einem Jahr bis zu 15 Jahren vor.

Im Kern ging es um eine Flasche LSD, das Stefan S. zum Seminar mitbrachte und das den Grenzwert von sechs Milligramm leicht überschritt. LSD kam bei dem Seminar aber nicht zum Einsatz, sondern das Amphetamin 2C-E, das die Seminarteilnehmer freiwillig eingenommen haben sollen. Wie sich erst später herausstellte, waren die Pillen mit der Chemikalie „Bromo-DragonFLY“ versetzt, die eine halluzinogene und psychedelische Wirkung hat.

Das habe Stefan S. aber nicht gewusst. Er zeigte sich vor Gericht reuig: "Der Unfall war für mich eine heilsame Lehre." Nach Abschluss des Verfahrens will er wieder eine Praxis aufbauen und Seminare anbieten, Drogen will er dabei nicht mehr verwenden: "Ich stelle mich nicht über das Gesetz."

Ein Berufsverbot verhängte das Gericht zwar nicht, dafür steht aber im Raum, ob der Psychotherapeuten-Verband ihm möglicherweise die Approbation entzieht.

Die letzten Worte des Vorsitzenden Richters Berend Appelkamp in Richtung des Verurteilten: "Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag."

Stefan S. ist am Mittwoch 53 Jahre alt geworden.

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