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Mutmaßlicher Schulhof-Vergewaltiger: Waren Drogen im Spiel?

tk. Stade/Buxtehude. "Mein Mandant wird aussagen", betont Dr. Heiko Granzin. Der Strafverteidiger aus Hamburg vertritt den mutmaßlichen Buxtehuder Schulhof-Vergewaltiger. Der Prozess gegen D. (22) vor der Großen Jugendstrafkammer am Landgericht Stade beginnt am kommenden Freitag. Wie aus dem jungen Tischler mutmaßlich ein brutaler Vergewaltiger wurde, ist eine der Fragen, die vor Gericht zu klären sind.

Für Granzin einer der möglichen Ansätze: "Mein Mandant stand unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln." Das könnte bedeuten, dass der Angeklagte vermindert schuldfähig wäre und eine Haftstrafe unter Umständen geringer ausfallen könnte.
Für die beiden Opfer der Sexualdelikte ist das eine Strategie mit Folgen. Würde D. ein Geständnis ablegen, zumindest alle ihm in der Anklage zur Last gelegten Taten in vollem Umfang einräumen, müssten die Schülerin und die junge Frau nicht unbedingt vor Gericht als Zeuginnen aussagen. Weil es nach WOCHENBLATT-Informationen aber keine Indizienbeweise für den Drogenkonsum des Angeklagten geben soll, müssten die Opfer vermutlich doch erschienen.

Strafverteidiger Lorenz Hünnemeyer, er vertritt die zur Tatzeit 14-jährige Schülerin, sagt daher: "Das Wohl des Mädchens steht für mich an oberster Stelle." Er kritisiert, dass es nicht - wie von ihm vorgeschlagen - eine richterliche und auf Video aufgezeichnete Befragung des Mädchens gab. Damit wäre das Verfahren für die Schülerin nämlich erledigt.
Für die Ermittlungsbehörden besteht kein Zweifel daran, dass D. zu einer Haftstrafe verurteilt werden wird. Auch dann, wenn er vor Gericht schweigen sollte. Die Beweise sollen erdrückend sein. Nach unbestätigten Angaben soll der Angeklagte zumindest eine der Taten mit seinem Handy fotografiert oder gefilmt haben, um sein Opfer damit einzuschüchtern.

Für die Staatsanwaltschaft geht es um mehr als eine Haftstrafe. "Sicherungsverwahrung kommt in Frage", erklärt Kai Thomas Breas, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade. Das bedeutet: Auch nach dem Ende einer Haftstrafe bleibt ein Verurteilter hinter Schloss und Riegel. D. ist bislang nicht als Sexualstraftäter auffällig geworden und die Sicherungsverwahrung ist ein sehr kompliziertes Instrument. Sie kann dann verhängt werden, wenn ein Täter weiterhin als gefährlich gilt und davon auszugehen ist, dass er einen Hang zu Straftaten hat, die seinen Opfern schwere seelische und körperliche Schäden zufügen. Ein psychiatrischer Gutachter wird den Prozess daher verfolgen und hat sich im Vorfeld bereits mit dem jungen Mann befasst.