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Pädagoge wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt

Urteil vor dem Amtsgericht Buxtehude: Ein Pädagoge wurde wegen sexuellen Missbrauchs zu einem Jahr und neun Monaten Haft - auf drei Jahre zur Bewährung - verurteilt (Foto: Dieter Schütz/pixelio)

tk. Buxtehude. Wegen sexuellen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen in sechs Fällen ist ein Pädagoge (43) aus der Samtgemeinde Harsefeld von der Jugendschöffenkammer des Amtsgerichts Buxtehude zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt worden. Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Nora Sielbeck sah es als erwiesen an, dass der Mann seine heute 19-jährige Pflegetochter zwischen 2007 und 2009 missbraucht hat. Die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgeset

zt.
Der Vorwurf, ein fünfjähriges Mädchen, ebenfalls ein Pflegekind in der Betreuungseinrichtung des Angeklagten, missbraucht zu haben, wurde fallengelassen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Kind frühere Erlebnisse auf ihn übertragen habe.
Laut Aussagen der jungen Frau habe der Angeklagte sie mehrfach im Genitalbereich berührt. Einmal im Bett und zwei Jahre später beim Eincremen. Ins Rollen kam das Verfahren, weil sie sich 2011 an diese Vorfälle erinnerte. Diese Erinnerungen sind durch Gespräche mit einer Frau ausgelöst worden, die als Mental-Coach arbeitet, aber keine Therapeutin ist.
Seit Kindertagen lebte die junge Frau in der Familie, ihr Pflegevater war für sie "ein Idol, der beste Papa der Welt", sagte Richterin Sielbeck. Sie eiferte ihm nach, trainierte seinetwegen Judo. Zu Gunsten des Mann spreche, so die Richterin, dass er die private Betreuungseinrichtung mit Kompetenz und Engagement aufgebaut hat. Er habe auch der jungen Frau sehr viel Positives mit auf den Weg gegeben. Die Bindung war eng. 2011 kam es zu einem Bruch. Der Pädagoge und seine Ehefrau verlangten von der damals 18-Jährigen, dass sie ausziehen solle.
Das Gericht kam zu der Überzeugung: Die Vorwürfe der 19-Jährigen sind weder konstruiert, noch sei Rache das Motiv, weil sie ihr Zuhause habe verlassen sollen. Sowohl ein Glaubwürdigkeitsgutachten als auch die schlüssigen und detaillierten Aussagen während der Verhandlung, sprächen gegen eine Lügengeschichte: "Die junge Frau redet über eigene Erlebnisse", so Nora Sielbeck.
Für den Pädagogen, auch das sagte sie, sei der Prozess dagegen ein Komplott gewesen. Angezettelt von einer ehemaligen Mitarbeiterin und seiner Ex-Pflegetochter, die als Nebenklägerin auftrat. Sie beschrieb den Pädagogen als unbeherrschten Mann, der jüngere Kinder geschlagen habe. Sie wollte unbedingt erreichen, dass alle Pflegekinder aus der Familie genommen werden.
Nachbarn machten sich in ihren Aussagen dagegen für den Pädagogen stark. Weder von körperlichen Übergriffen auf Kinder noch dem Verdacht auf sexuellen Missbrauch hätten sie je gehört, so Nora Sielbeck in der Zusammenfassung der positiven Leumunds-Zeugnisse.
Die Kammer kam nach 23 Verhandungstagen zu dem Schluss, dass der Pädagoge weder pädophil sei, noch Kinder habe schädigen wollen. "Ihre Pflegetochter war für Sie sexuell anziehend", wendete sich die Richterin direkt an den Angeklagten. Auf den Wunsch der Jugendlichen nach Zuwendung habe er mit einem "extremen Vertrauensmissbrauch" reagiert.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass die beteiligten Parteien Rechtsmittel einlegen werden. Die Verteidigung hatte Freispruch, die Staatsanwaltschaft drei Jahre und fünf Monate Haft gefordert. Die Staatsanwaltschaft prüft das laut Sprecher Kai-Thomas Breas bereits.