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Polizei macht Schleuser dingfest: Durchsuchung in Düdenbüttel

tk. Düdenbüttel. Die Einsatzkräfte rückten am frühen Dienstagmorgen an: Beamte der Bundespolizei durchsuchten die Unterkunft einer 43-jährigen Iranerin, die in einer ehemaligen Gaststätte in Düdenbüttel lebt. Dabei wurden Handy, Laptop, Tablet, Bücher zum christlichen Glauben sowie mehrere iranische Pässe beschlagnahmt. "Wir ermitteln wegen Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz", sagt Oliver Eisenhauer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover. Dort laufen die Fäden der niedersachsenweiten Ermittlung zusammen.



Vermutlich ist die Frau aus Düdenbüttel ein kleines Rädchen - vielleicht nur Nutznießerin - in einem ausgeklügelten Schleuser-System, das die die Hauptbeschuldigten, ein 37-jähriger Iraner und ein 54-jähriger Deutscher aus Hannover, aufgebaut haben. Sie sollen gewerbs- und bandenmäßig Ausländer nach Deutschland geschleust haben und eine Erfolgsgarantie versprochen haben. Vier- bis fünfstellige Beträge soll die Bande dafür kassiert haben. Die Geflüchteten wurden teils mit erdachten Lebensläufen auf das Asylverfahren vorbereitet.
Der 54-jährige Deutsche soll dafür gesorgt haben, dass sich die Menschen als verfolgte Christen ausgaben. Das erhöht die Chancen auf ein Bleiberecht in Deutschland beträchtlich.

Das WOCHENBLATT hat bei ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern in Düdenbüttel nachgefragt. Im Laufe des Dienstags hatte sich die Durchsuchung herumgesprochen. Die Vorwürfe seien entkräftet worden, erklärte eine der Aktiven dem WOCHENBLATT. Das habe sie von einer Mitstreiterin erfahren, die von der Iranerin telefonisch während der Durchsuchung um Hilfe gebeten wurde.
Staatsanwaltschaft und Bundespolizei sehen das anders. Die Ermittlungen würden in enger Zusammenarbeit mit dem BAMF geführt, weil es um sogenannte "aufenthaltsbeendende Maßnahmen" - also Abschiebung - gehen könne. Wobei Insider, mit denen die Redaktion über den Fall gesprochen hat, von einer komplizierten Sachlage ausgehen. "Der Glauben ist eine Gewissensfrage, wie soll das überprüft werden", sagt eine Juristin.