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Säugling tot: "Keine Zweifel an einem Schüttel-Trauma"

(Foto: archiv)
bc. Stade. Auch nach dem zweiten Prozesstag am Landgericht Stade ist noch nicht eindeutig geklärt, was sich am 22. Januar 2016 in der Wohnung im Altländer Viertel in Stade genau abgespielt hat. Ein Rechtsmediziner und ein medizinischer Sachverständiger konnten insofern jetzt aber Licht ins Dunkel bringen, dass nun feststeht, dass der nur zwei Monate Hans infolge eines Schüttel-Traumas mit schweren Hirnschäden ins Koma fiel. Wie berichtet, verstarb das Baby sieben Wochen später in der Kinderklinik in Hamburg-Altona. „Alle typischen Merkmale eines Schüttel-Traumas sind erfüllt“, sagte der Gutachter am Mittwoch vor Gericht. Wieso der Vater das tat, bleibt unklar.
Die Anklage lautet auf gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge. Der 33-jährige Vater, der mit dem Kind alleine lebte, erklärte im Prozess, dass sein Baby nicht mehr geatmet und er es dann „einmal“ geschüttelt habe. Der Sachverständige gab an, dass es keine Anzeichen gebe, weshalb das Kind einen plötzlichen Atemstillstand hätte bekommen können. Es sei aber auch nicht auszuschließen, dass der Vater seinem Baby angesichts eines drohenden plötzlichen Kindstodes beim Versuch der Wiederbelebung durch Schütteln die schweren Verletzungen zugefügt habe. Das wäre dann die Version des Angeklagten.
Der Gutachter stellte aber auch fest: „Einmal schütteln reicht nicht aus, um solche Verletzungen hervorzurufen. Man geht eher von zehn bis 15 Mal mit maximaler Kraft aus.“ Gestorben sei das Baby letztlich jedoch an einer Lungenentzündung.
Wie kam es bloß zu dem Drama? Sämtliche Betreuer und Helfer, die den Vater unterstützten, berichteten von keinen besonderen Auffälligkeiten. Im Gegenteil: Die Wohnung sei sehr ordentlich gewesen, er sei fürsorglich mit dem Kind umgegangen. Eine Kinderkrankenschwester, die für den Kinderschutzbund arbeitet, sagte aus: „Ich habe keine Kindeswohlgefährdung erkannt.“
Ähnliches berichtete eine sozialpädagogische Familienhelferin der Arbeiterwohlfahrt. Zwar fühlte sich der Vater phasenweise überfordert, hilflos und einsam. Das sei für junge Eltern aber völlig normal. Nur einen Tag vor der Tat soll der Vater - ein gelernter Lagerlogistiker und früherer Bundeswehr-Soldat - noch mit seinem Baby beim Elternfrühstück der AWO gewesen sein. „Auch da hatte ich einen positiven Eindruck“, so die Familienhelferin.
Nach dem schrecklichen Ereignis, so der Angeklagte, konnte er das Kinderzimmer ein Jahr lang nicht betreten: „Psychisch geht es mir sehr schlecht. Ich arbeite viel, um mich abzulenken“, sagte er vor dem Gericht.
Die Beweisaufnahme ist abgeschlossen. Am Dienstag, 7. November, wird das Urteil erwartet. Beginn der Plädoyers ist um 9.15 Uhr.

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