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Schuldunfähig wegen schwerer psychischer Krankheit

Angeklagter hatte Geld seiner Tochter veruntreut

tk. Buxtehude. Der Angeklagte (55) hatte im Juni 2017 mit der EC-Karte samt PIN seiner Tochter munter eingekauft und Geld abgehoben. Der Schaden, der binnen eines Monats entstand, liegt bei rund 2.200 Euro. Die Tochter (26), die mit ihrem Vater keinen Kontakt mehr hat, hatte ihn angezeigt.

Der Mann räumte die Taten vor dem Amtsgericht Buxtehude vollständig ein. Er kam mit einem Freispruch davon, denn Staatsanwaltschaft, Verteidigung und letztendlich auch das Gericht waren überzeugt: Er ist schuldunfähig wegen einer schweren psychischen Krankheit. Der Mann hat sowohl manische als auch depressive Schübe und steht unter Betreuung.
"Das tut mir unendlich leid", sagte er zu Beginn der Verhandlung. Irgendwie habe er das Gefühl gehabt, dass die EC-Karte, die nur versehentlich bei ihm landete, zu recht bei ihm landete, weil ihm seine Tochter ohnehin noch 2.000 Euro geschuldet habe. So, als ob sie das gewollt habe.

Jürgen Schmitz, Chefarzt der Klinik für forensische Psychiatrie in Lüneburg, war Gutachter in den Verfahren. Es sei typisch für Menschen, die an einer sogenannten bipolaren Erkankung leiden, dass sie während der manischen Phasen Dinge tun, die bei näherer Betrachtung nicht sonderlich klug seien. "Sie sind euphorisch, risikobereit und fühlen sich als die Größten."  Die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten sei zum Tatzeitpunkt nicht vorhanden gewesen, analysierte Schmitz. Der Mann war wenige Tage nach der Tat für einige Monate in der Psychiatrie in Stade untergebracht. Zuerst per Beschluss und anschließend freiwillig.
Die Schuldunfähigkeit bejahten am Ende alle am Verfahren Beteiligten. Richter Erik Paarmann wünschte dem Mann alles Gute. Er hoffe für ihn, dass er ein gutes Netzwerk an Hilfen aufbauen könne, um in Zukunft einen solchen Absturz zu vermeiden.

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