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Vergewaltiger will am Freitag gestehen

Pascal D. am vergangenen Freitag beim Prozessauftakt in Stade: Im Anschluss verschickten seine Verteidiger Heiko Granzin (re.) und Cornelius Diedrich eine Erklärung: Sein Mandant stelle sich ohne Wenn und Aber der Tat
bc. Stade/Buxtehude. Der mutmaßliche zweifache Vergewaltiger von Buxtehude, Pascal D. (22), wird in zwei Tagen ein umfassendes Geständnis vor dem Landgericht Stade ablegen. Das kündigten seine Anwälte Heiko Granzin und Cornelius Diedrich in einer Presse-Erklärung an.

Darin heißt es: „Der Angeklagte bekennt sich vollständig zur Schuld der von ihm begangenen Taten.“ Er wolle das Verfahren beschleunigen und dem Genugtuungsinteresse der Opfer Genüge tun. Granzin und Diedrich argumentieren, dass sich Pascal D. „ohne Wenn und Aber“ der Tat stelle, zeige auch, dass er sich nicht gegen die ungenehmigten, unverpixelten Fotos einer überregionalen Zeitung vor Prozessbeginn gewehrt habe. Das WOCHENBLATT hat sich trotzdem dazu entschieden, die Bilder von Pascal D. aus dem Schwurgerichtssaal unkenntlich zu machen.

Der Tischlergeselle hätte schon am vergangenen Freitag ausgesagt, doch zu Prozessbeginn vor der 1. Großen Jugendstrafkammer (das WOCHENBLATT berichtete) fehlte ein Sachverständiger. Die Vorsitzende Richterin Gudrun Pudimat bestand jedoch auf dessen Anwesenheit. Beim zweiten Verhandlungstag am Freitag, 12. September, soll der psychiatrische Gutachter mit dabei sein.

Er soll Anhaltspunkte für das Gericht über die Schuldfähigkeit von Pascal D. feststellen. Kommt der Experte zu dem Schluss, dass der Angeklagte bei beiden Taten voll zurechnungsfähig gewesen war, droht ihm eine Haftstrafe von 15 Jahren mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Ob es tatsächlich dazu kommt, ist aber fraglich. Nach Medienberichten ergab ein Gutachten, dass von dem Tatverdächtigen nur ein geringes Rückfallrisiko ausgehe. Vorstrafen hat D. keine.

Strafverteidiger Granzin geht von einer eingeschränkten Schuldfähigkeit seines Mandanten aus: „Er stand unter Drogeneinfluss.“ Wäre D. vermindert schuldfähig, könnte die Haftstrafe geringer ausfallen.

Was die Staatsanwaltschaft dem Mann vorwirft, ließ Besuchern und Angehörigen im Gerichtssaal den Atem stocken.

Laut Anklage hat D. am Sonntagmorgen des 2. Februar eine 14-jährige Schülerin, die auf dem Weg zum Gottesdienst war, nahe der Stieglitzschule in Buxtehude abgefangen und brutal sexuell missbraucht.

Seinem Zufallsopfer soll er dabei die Augen mit einem Schal verbunden haben. Das Martyrium dauerte mehrere Stunden. Die 14-Jährige will nach Aussage von Nebenklage-Vertreter Lorenz Hünnemeyer nicht am Prozess teilnehmen.

Drei Wochen später, ebenfalls an einem Sonntagmorgen, soll er sich an einer 20-Jährigen auf einer Tischtennisplatte des Schulhofes der Grundschule Altkloster mehrfach vergangen haben - nur wenige hundert Meter entfernt vom ersten Tatort. Dabei verletzte er die Frau im Gesicht und fügte ihr nach Angaben der Anklagebehörde eine Rippenprellung zu.

Die junge Frau saß ihrem Peiniger beim Prozessstart als Nebenklägerin nur wenige Meter gegenüber. „Meine Mandantin möchte Angaben vor Gericht machen“, sagt Rechtsanwältin Sabine Hippert-Otromke. Sie wolle die Grausamkeit der Vergewaltigung verdeutlichen.

Beide Taten fotografierte Pascal D. etliche Male mit seinem Handy. Die Ermittler entdeckten nach Medienberichten fast 100 Aufnahmen in dem Handy-Speicher. Die sind neben DNA-Spuren wesentlicher Bestandteil der Anklage, die am Freitag um den Vorwurf der Herstellung jugendpornografischer Schriften ergänzt wurde.
Die Fotos könnten im Zusammenhang mit der Frage nach der Schuldfähigkeit eine wichtige Rolle spielen.