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25 Jahre Deutsche Einheit: Die Buxtehuder Zahnärztin Dr. Ursula Ahrens half zwei Kollegen aus dem Osten, in Niedersachsen Fuß zu fassen

Dr. Maren Scheidt mit ihren Freunden und Unterstützern Reinhard und Dr. Ursula Ahrens im Jahr 1999 (Foto: Familie Dr. Ahrens)
 
Heimlich fotografiert: Maren führt durch das Schloss Sanssouci (Foto: Familie Dr. Ahrens)
Es war eine Schlossbesichtigung mit weitreichenden Folgen: Weil die Buxtehuder Zahnärztin Dr. Ursula Ahrens mit ihrem Ehemann Reinhard und Freunden im Jahr 1983 das Schloss Sanccousi in Potsdam besuchte, gründeten nach der Öffnung der Grenzen gleich zwei Zahnärzte aus dem Osten ihre Praxen in Niedersachsen: in Edemissen bei Peine und in Buxtehude.
Den Stein ins Rollen brachte die tiefe Zuneigung, die Dr. Ursula Ahrens auf den ersten Blick mit der damals 18-jährigen Maren verband, die die Gruppe durch das Schloss führte. "Ich fand sie als Schlossfräulein ganz bezaubernd", erinnert sich die vierfache Mutter. "Als sie uns nach der Führung erzählte, dass sie Zahnmedizin studieren wollte, sagte ich ihr, dass sie dann die Richtige geführt habe." Ulla Ahrens steckte der jungen Frau ihre Visitenkarte zu. Das war der Beginn einer ganz besonderen, bis heute andauernden und zeitweise auch gefährlichen Freundschaft. "Eine Verbindung zwischen Ost- und Westdeutschen wurde damals nicht gerne gesehen", erzählt die Buxtehuder Zahnärztin. Dennoch sorgte sie dafür, dass Maren für ihr Studium mit allen Materialien und Lehrbüchern ausgerüstet war, die sie brauchte. "Auch meine Praxishelferinnen sammelten Material und schickten zahlreiche Pakete", erzählt Ulla Ahrens. Im Jahr 1989 wollten Ulla und Reinhard Ahrens der Freundin zur Flucht in den Westen verhelfen. Ein Visum für Ungarn hatte Maren bereits. Doch die Telefongespräche wurden abgehört, Maren wurde festgenommen. "Das war eine ganz bedrückende Atmosphäre", erinnert sich Ulla Ahrens. Als sie Maren nach ihrer Freilassung in Rostock besuchen wollten, wurden sie und ihr Mann an der Grenze heraus gewunken. "Uns wurden die Pässe abgenommen, wir mussten stundenlang im Niemandsland warten. Und als wir schließlich bei Maren waren, sind wir für Gespräche am Strand schnell gelaufen, weil wir befürchteten, abgehört zu werden."
Als die Grenzen geöffnet wurden, ergriff Maren die Chance und zog nach Westdeutschland in die Nähe ihrer Freundin. In Edemissen im Landkreis Peine eröffnete sie, Dr. Maren Scheid, ihre Zahnarztpraxis. Noch als erwachsene Frau ließ sie sich christlich taufen und bestand darauf, Ulla Ahrens als Patin eintragen zu lassen. "Maren ist auch meinen Rat gefolgt, alternative Zahnmedizin anzubieten", ist Ulla Ahrens stolz. "Sie ist sehr begabt." Die eigene Praxis in der Buxtehuder Altstadt hat ihr Sohn, Dr. Helmut Ahrens, schon vor vielen Jahren erfolgreich übernommen.
Von der Freundschaft zwischen Dr. Ursula Ahrens und Dr. Maren Scheid profitierte schließlich ein weiterer Zahnarzt, dem die Buxtehuderin half, im Westen Fuß zu fassen. "Weil ich von Maren wusste, welche Probleme die Kollegen im Osten hatten, gab ich meine Telefonnummer als Kontaktstelle an", erinnert sich Ulla Ahrens.
Es meldete sich Dr. Torsten Kühn aus Limbach-Oberfrohna (Sachsen), der über Ungarn nach Passau geflüchtet war. Ihm ermöglichte die Buxtehuderin eine Famulatur in der eigenen, ältesten Zahnarztpraxis Buxtehudes, beschaffte ihm mit Hilfe der Rotarier eine Wohnung und schließlich auch eine Praxis in Buxtehude. "Für diese selbstlose Hilfe sind meine Familie und ich Dr. Ahrens heute noch dankbar", sagt Torsten Kühn.