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A26-Spatenstich: Freude hier, Trauer dort

Für die Mitglieder der Rübker Bürgerinitiative war es ein "schwarzer Tag"
 
Ein Spatenstich, bei dem geschaufelt wurde. Die versammelte Prominenz aus Politik und Verwaltung gibt den Startschuss für den 3. Bauabschnitt der A26
bc. Neu Wulmstorf-Rübke. Für die einen war es ein Jubeltag, für die anderen ein Tag, um ihre Enttäuschung offen zur Schau zu tragen. Der Spatenstich für den 3. Bauabschnitt der A26 zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf - mitten im EU-Vogelschutzgebiet im Neu Wulmstorfer Ortsteil Rübke - sorgte bei versammelter Prominenz aus Politik und Verwaltung für freudestrahlende Gesichter, für viele Rübker Bürger brach an diesem Tag eine Welt zusammen - zu nah führt die künftige Autobahntrasse an ihren Häusern vorbei.

Wie mehrfach berichtet, wurde auf Weisung des Oberverwaltungsgerichts die Streckenführung zum Schutz der seltenen Vogelart Wachtelkönig dichter an den 600 Einwohner großen Ort herangerückt.

"Ein schwarzer Tag für Rübke": Unter diesem Motto hatte die Arbeitsgemeinschaft Dorferhaltung Rübke (ADR) den vergangenen Donnerstag gestellt. 20 Helfer hatten den gesamten Ort mit 250 schwarzen Fahnen geflaggt - ein Zeichen der Trauer. Die Gruppe um den Vorsitzenden Andreas Bartels hielt während der feierlichen Spatenstich-Zeremonie ein Banner mit der Aufschrift hoch: "Entlastung für den Nincoper Deich - Lärmschutz für den Moorender Weg - Autobahnende in Rübke? Nein!"

Neu Wulmstorfs Bürgermeister Wolf Rosenzweig sagte gegenüber dem WOCHENBLATT: "Die A26 ist wichtig für die Region, aber die Belange der Bürger müssen auch Beachtung finden." Er meint vor allem die geplante Ortsumgehung auf Hamburger Gebiet, um die Rübker Hauptstraße "Nincoper Deich" zu entlasten. Die Planung stockt, da sich die Kooperation mit den Hamburger Behörden schwierig gestaltet. "Die Bürger brauchen klare Aussagen seitens der Verkehrsbehörden", so Rosenzweig.

Auch die Lärmbelastung sei zu klären. Hintergrund: Die Menschen, die an der parallel zur A26 laufenden Straße "Moorender Weg" wohnen, sollen laut Planunterlagen nicht durch eine Schutzwand vom Krach der Autobahn abgeschirmt werden - der Wachtelkönig auf der anderen Seite der Trasse bekommt dagegen einen Schutzwall.

CDU-Mann Enak Ferlemann, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, nutzte die Gunst der Stunde, seine Freude kund zu tun. Es sei ein bewegender Spatenstich für ihn, da der Todesstrecke B73 infolge des Autobahnbaus der Schrecken genommen werde. Keine gute Nachricht hatte Ferlemann für die Rübker Bürger in Sachen Ortsumgehung im Gepäck: "Der Bund kann nicht helfen. Wir können dem Land nicht die Landesstraßen bauen."

105 Millionen Euro soll der 3. Autobahnabschnitt kosten. Ferlemann geht davon aus, dass die A26 Ende 2019 für den Verkehr freigegeben werden kann. "Durchschnittlich 60.000 Fahrzeuge werden täglich auf der A26 fahren", so Ferlemann. Jetzt müsse möglichst schnell auch auf Hamburger Gebiet Baurecht für den Anschluss der Autobahn an die A7 geschaffen werden.

Dass Hamburg zeitgleich mit der Freigabe in Rübke die Anbindung an die A7 herstellen kann, ist so gut wie ausgeschlossen. Wirtschaftssenator Frank Horch hält laut Medienberichten eine Fertigstellung „zwischen 2020 und 2025“ für realistisch.
Rübkes Ortsvorsteher Uwe Klindtworth verschaffte sich am Mikrofon Luft. Er betonte: Wir sind keine Gegner der A26. Wir wollen nur gerecht behandelt werden." Der Wachtelkönig werde geschützt, die Menschen in Rübke nicht. Ihn ärgert zudem maßlos die Ungleichbehandlung der Grundeigentümer beim Flächenankauf für die Autobahn: Die niedersächsischen Landwirte erhalten laut Klindtworth einen Spottpreis von 1,16 Euro pro Quadratmeter, Hamburg zahle ein Vielfaches - bis zu zehn Euro.

Übrigens: Der Spatenstich bedeutet noch lange nicht, dass jetzt auch gebaut wird. Geplanter Baustart ist erst am 7. Oktober. Dann soll mit dem Anlegen einer Baustraße von Rübke bis zur Este begonnen werden.

- Der 3. Bauabschnitt der A26 ist 4,1 Kilometer lang. Zum Projekt gehören vier Überführungen und sechs Unterführungen, außerdem müssen zwei Hochspannungsleitungen verlegt werden. Die A26 soll u.a. den strukturschwachen Unterelberaum besser erschließen und gleichzeitig die nachgeordneten Straßen wie die B73 entlasten. Die Planer rechnen mit einer Entlastung um 43 Prozent (Verkehr insgesamt) bzw. 77 Prozent beim Schwerlastverkehr.