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An der Waldorfschule Apensen wird eine komplette Klasse aufgelöst

Ein wohl einmaliger Vorgang in der Schullandschaft im Kreis Stade: An der Waldorfschule in Apensen wird eine komplette Klasse aufgelöst (Foto: wd)
"Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen": Zu wenige Schüler für Fortbestand

tk. Apensen. Das hat absoluten Seltenheitswert: Eine Schule löst eine ganze Klasse auf. So geschehen in Apensen an der Waldorfschule. Dort haben die Schulleitungskonferenz und der Trägerverein der Schule beschlossen, dass die jetzige zehnte Klasse aufgelöst wird. Mit acht Schülerinnen und Schülern sei das "personell und wirtschaftlich nicht mehr tragbar gewesen", teilt die Schule in einer Pressemitteilung mit. Das WOCHENBLATT hat bei Christoph Schmeißer, Geschäftsführer und Mitglied der Schulleitungskonferenz, nachgefragt.

"Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen", sagt Schmeißer. Die Schule habe gehofft, dass es zumindest noch ein paar Anmeldungen für diese Klasse geben würde. Das sei aber ausgeblieben. Der Erlass des Kultusministeriums zur Klassenstärke sehe 14 Schüler als Mindestgröße vor. Liegt die Schülerzahl darunter, kann die Klasse aufgeteilt bzw. aufgelöst werden.

Weil die Waldorfschule Apensen einzügig ist, habe es nicht die Möglichkeit gegeben, die Klasse aufzuteilen. Daher seien die Verträge zwischen den Eltern und dem Trägerverein zu Ende September gekündigt worden. Es habe im August einen Elternabend gegeben, auf dem diese Entscheidung bekannt gegeben worden sei. Die Schule habe Eltern und Jugendlichen mit Einzelgesprächen Hilfe auf der Suche nach einer anderen Schule angeboten. Von den acht Schülern sollen laut Geschäftsführer drei bereits auf eine andere Schule gehen.

Fakt ist: Nach den Herbstferien wird es die zehnte Klasse nicht mehr geben. Weitere Waldorfschulen gibt es in der Region nur in Stade und Kakenstorf im Landkreis Harburg als Alternativen. Letztere ist aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum zu erreichen.

Dieser harte Schritt habe laut Schmeißer eine Vorgeschichte. Schon vor zweieinhalb Jahren sei diese Möglichkeit ins Auge gefasst und Eltern wie Schülern kommuniziert worden. Zum einen habe die Klasse einen Aderlass durch die damals neue IGS in Buxtehude erfahren, zum anderen - das räumt der Geschäftsführer ein - habe es in den Jahren zuvor häufige Lehrerwechsel gegeben. Das widerspricht im Kern der Waldorfpädagogik, die bis einschließlich der achten Jahrgangsstufe auf eine Klassenlehrerzeit mit durchgehend einem Pädagogen setzt. Hinzu kam offenbar, dass die Schüler der Miniklasse sich untereinander nicht zum Lernen motiviert, sondern eher gegenseitig ausgebremst hätten, wie eine von der Klassenschließung betroffene Mutter gegenüber dem WOCHENBLATT erklärt.

Alle anderen Klassen, so der Geschäftsführer, hätten genug Schülerinnen und Schüler für den dauerhaften Fortbestand,

Die Landesschulbehörde teilt auf WOCHENBLATT-Nachfrage mit, dass sie Eltern, Schüler und Lehrer bei der Suche nach einer infrage kommenden Schule unterstützt habe. Die Auflösung der Schulverträge sei aber eine privatrechtliche Angelegenheit und falle nicht in die Zuständigkeit der Landesschulbehörde.