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Ausgrabung in Apensen: "Eingetuppert" fürs Jenseits

Die Freilegung der Urne im Frühjahr 2009 (Foto: jd)
 
Die Schlangen-Verzierung am Schwertgriff ist deutlich zu erkennen (Foto: jd)

Der Fürst von Apensen: Experten entdecken Sensationsfund in einem ausgegrabenen Bronzetopf

jd. Apensen. Eine Tugend sollten Archäologen auf jeden Fall besitzen: Sie müssen Geduld haben. Bis ihre Funde ausgewertet werden, dauert es oft Jahre - wie bei einer Ausgrabung in Apensen. Dort legte die Kreisarchäologie 2008/2009 ein Gräberfeld der Langobarden frei. Dieser Germanenstamm siedelte um Christi Geburt an der Unterelbe. Zahlreiche Urnen wurden zu Tage gefördert, darunter ein imposantes Exemplar aus Bronze. Acht Jahre später gingen Experten nun daran, den Inhalt zu untersuchen. "Dabei stießen die Restauratoren auf einen Sensationsfund", berichtet Kreisarchäologe Daniel Nösler: In dem bronzenen Gefäß verbarg sich ein römisches Prunkschwert mit Goldverzierungen, das in dieser Region einmalig ist. Offenbar trat in dem Bronzekessel ein alter Germanen-Fürst seine Reise ins Jenseits an.



Damit der der Inhalt des Bronzetopfes in seinem ursprünglichen Zusammenhang bleibt, wurde das gute Stück 2009 an der Fundstelle eingegipst und in einem Block geborgen. Der ganze Klotz ging dann nach Wilhelmshaven ins Institut für historische Küstenforschung. Dort schlummerte der Fund im Archiv, bis sich jetzt eine junge Restauratorin im Rahmen ihrer Master-Arbeit daran machte, den Inhalt sachte ans Tageslicht zu befördern. "Als wir hörten, welcher Kracher da zum Vorschein kam, staunten wir nicht schlecht", berichtet Nösler.

Das entdeckte rund 2.000 Jahre alte Edel-Schwert war keine Massenware: Der mit einem Schlangen-Motiv versehene Griff besteht zum Teil aus Gold. Ein weiterer "Luxus-Artikel" ist die Schwertscheide: "Sie stammt aus Noricum, dem heutigen Österreich, und wurde von den Kelten hergestellt", berichtet Nösler. Als Souvenir von einem "Urlaub" in den Alpen wird der Bestattete die Schwertscheide wohl kaum mitgebracht haben: Solch wertvolle Stücke waren bei den Germanen einer kleinen Elite vorbehalten.

Daher wird vermutet, dass der Tote damals eine Position innehatte wie heute etwa der Landrat: ein mächtiger Regionalfürst, der in einem größeren Gebiet südlich der Elbe das Sagen hatte. Womöglich ist er sogar Begründer einer lokalen Dynastie: Der "Indiana Jones der Stader Geest", der Archäologe Willi Wegewitz (1898-1996), hatte bereits 1927 in der Nähe ein Fürstengrab freigelegt, das um 200 nach Christus angelegt wurde. "Womöglich war dort ein Nachfahre des Mannes im Bronzetopf bestattet worden", mutmaßt Nösler.

Der Topf war übrigens so etwas wie "römische Tupperware": Darin lagerten im antiken Haushalt Lebensmittel oder Getränke. Die Germanen "tupperten" in solchen Töpfen dann ihre Toten ein. Bis der Inhalt komplett ausgewertet ist, vergehen noch einige Monate: Textil-Experten analysieren die Stoff- und Lederfetzen, Botaniker nehmen die in den Urne gelegten Pflanzen unter die Lupe und auch die Knochenreste gehen ins Labor. Auf jeden Fall kann wohl schon jetzt unser bisheriges Bild vom wilden, zerzausten Germanenfürsten revidiert werden: Dem Toten wurde sein Rasierzeug mit ins Grab gegeben: Ein eisernes Rasiermesser, edel verwahrt in einem mit zwei Vogelköpfen verzierten Bronze-Etui.