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Baustellen-Ärger: Angst um die Existenz

Sind stark betroffen: Wilhelm und Martina Matthies
bc. Jork. Es ist ein wahres Dilemma für die Gewerbetreibenden. Die Baustelle auf der K39 (das WOCHENBLATT berichtete mehrfach) klaut ihnen einen Großteil ihrer Gäste und Kunden. Die Umsätze brechen ein, schon jetzt greifen Existenzsorgen um sich. Obwohl erst zwei Wochen gebaut wird und der Landkreis als Bauherr extra Schilder produzieren ließ, die auf die freie Zufahrt zu den Obsthöfen und Restaurants hinweist.

„Trotzdem fehlt uns die Laufkundschaft fast komplett“, sagt Wilhelm Matthies vom Obsthof Matthies. Klaus Suhr vom Hotel „Vom Land zum Meer“ spricht ebenfalls von starken Umsatzrückgängen. Statt 100 Prozent im April betrage die Auslastung derzeit nur 25 Prozent. Eine schlimme Situation, denn für die Hofläden und Gastro-Betriebe im Alten Land gilt die Faustregel: Im Sommer wird sich Speck für den Winter angefuttert.

Bei den Gewerbebetrieben an der K39 werden Erinnerungen an 2012 wach, als die Brücke über das Sperrwerk in Cranz aufgrund eines Defektes monatelang geschlossen war. Matthies: „Damals hatten wir Einbußen von 60 Prozent.“ Auch jetzt wird die Sperrung monatelang bis Dezember andauern. Und: In zwei Jahren wird die Straße von Jork bis Cranz aufgerissen. Dann wird der Verkehr wahrscheinlich erneut großräumig umgeleitet.

Ortstermin am Mittwochnachmittag auf dem Obsthof Matthies: Wo sonst in der Minute etliche Pkw und Lkw auf der Kreisstraße fahren, wäre jetzt ein entspanntes Picknick auf dem Asphalt möglich. Fast alle Autofahrer halten sich an die ausgeschilderte Umleitung, wagen es nicht - so wie es die Kreisverwaltung eigentlich angedacht hatte - sich an der Absperrung vorbei zu schlängeln, wenn sie im Hofladen einkaufen oder im Restaurant essen wollen. Die „Zufahrt frei“-Schilder nimmt so gut wie niemand wahr - zu abschreckend sind die Umleitung- und „Durchfahrt verboten“- bzw. Sackgassen-Schilder.

Genau diesen Punkt kritisieren die Gewerbetreibenden: „Unbeteiligte Dritte wissen angesichts der weiträumigen Absperrungen und dem Schilderwald nicht, was Sache ist“, sagt Martina Matthies. Der Landkreis bemühe sich zwar, Lösungen zu suchen, aber die Resultate seien für die Betroffenen niederschmetternd. Das „Durchfahrt verboten“-Schild aus Richtung Hamburg - in Neuenfelde gute zehn Kilometer vor der eigentlichen Baustelle - müsste entfernt werden. Möglicherweise wäre eine Baustellen-Ampel eine Lösung.