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Bienen-Klau im Alten Land: Imker schädigen Imker

Lurz Martens (r.) und Werner Kroll bei der Arbeit (Foto: tk)

tk. Landkreis. Nico Martens ist zur Zeit ein gefragter Gesprächspartner. Der Vorsitzende des Kreisimkervereins Stade ist für die überregionale Presse und das Fernsehen der Experte, der Antworten zu einem schier unglaublichen Geschehen liefert: Der Bienenklau im Alten Land. 28 Bienenvölker sind innerhalb von vier Wochen von Obstplantagen gestohlen worden. Für Martens steht fest: "Das ist ein Imker, der andere Imker beklaut." Wer sonst könne etwas mit einem Bienenvolk anfangen?

Auch Mitglieder des Stader Kreisimkervereins sind betroffen. Für Martens sind die dreisten Diebstähle "eine Sauerei". Der Imker weiß, warum Bienen derzeit hoch im Kurs stehen: 22 Prozent der Völker haben den Winter nicht überlebt (das WOCHENBLATT berichtete).

Hinzu käme eine fast gleichzeitige Blüte von Obstgehölzen und Raps. Normal sei es, dass erst die Kirsche, dann der Apfel und anschließend der Raps blühe, so Martens. Seine Vermutung: Wem ohnehin schon Völker fehlen und wer gleichzeitig Raps und Obstblüte mitnehmen wolle, werde offenbar in Klau-Versuchung geführt.
Für den Laien erstaunlich: Der Schaden liegt jedes Mal bei deutlich über Tausend Euro. Sind Bienen so wertvoll? Nico Martens rechnet vor: Ein Volk kostet zwischen 100 und 150 Euro. Hinzu kämen die Kisten, die 120 Euro pro Stück wert seien. Eine Bienenkiste enthalte rund 5 Kilo Honig im Wert von ungefähr 75 Euro. Macht pro entwendeten Volk rund 300 Euro. Bei fünf bis sechs Völkern addiere sich der Schaden schnell.
Und wie sichern die Imker angesichts der Klau-Serie ihre Völker? Manche stellen sie nur noch auf Obstplantagen, die über den Obsthof zugänglich sind. "Bei den Diebstählen handelte es sich immer um entlegenere Plantagen, die über Wirtschaftswege zu erreichen sind", sagt Martens.
Einige wenige Imker setzen zudem auf High-Tech und statten ihre Bienenstöcke mit GPS-Sendern aus. Wird die Kiste bewegt, gibt es eine Nachricht aufs Handy. "Hundertprozentige Sicherheit liefert das auch nicht", so Martens, der einen Teil seiner Völker derzeit im heimischen Garten aufgestellt hat.

Dass angesichts der Diebstähle jetzt an Obstsorten geforscht wird, die ohne Bestäubung durch Bienen Früchte ansetzen, ist übrigens nicht notwendig. Dr. Wolfram Klein vom Obstbauzentrum Jork: Es gebe eine große Palette von Lebewesen, die von Wildbienen über Käfer, Wanzen bis hin zu Milben reiche, die von Pollen und Nektar leben und dadurch Obstbäume befruchten.
Klein sieht angesichts des Bienen-Klaus keinen wirtschaftlichen Schaden für den Obstbau. Aber das Image des Alten Landes werde beschädigt.