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Böse Erinnerungen weichen Babyfreuden

Das Ehepaar Ghassan Al Khalafa und Hassena Elalawy mit den Kindern Melad und der erst wenige Wochen alten Ghasl
bc. Hollern-Twielenfleth. Das vergangene Jahr wird diese syrische Familie nie in ihrem Leben vergessen. Anfang des Jahres entschieden sich Ghassan Al Khalaf (30) und seine Ehefrau Hassena Elalawy (23) mit ihrem zweijährigen Sohn Melad zu fliehen. Eine stark emotionale Ausnahmesituation, wenn man alles zurücklassen muss, was man sich über viele Jahre aufgebaut hat.
Nie konnten sie sich sicher sein, ob sie jemals dort ankommen werden, wo sie hinwollen. Seit Mai leben sie nun im Alten Land und schöpfen neue Kraft. Das schönste Zeichen für den Neuanfang ist Töchterchen Ghasl. Das „Kind der Hoffnung“ erblickte erst vor wenigen Wochen am 2. Dezember das Licht der Welt. Mama Hassena Elalawy war während der Flucht schwanger geworden.
Die vierköpfige Familie lebt in einer kleinen Wohnung in Hollern-Twielenfleth. Die schrecklichen Erinnerungen an die Flucht verblassen ganz langsam, weichen der Freude über den neuen Erdenbürger. Daran war vor rund einem Jahr noch nicht zu denken.
Weil sie sich in ihrer Heimatstadt Al-Hasaka, knapp 400 Kilometer vom geschundenen Aleppo entfernt, nicht mehr sicher fühlten, verließ die Familie ihr Land, floh zu Fuß über die syrisch-türkische Grenze und ergatterte für mehrere tausend Euro Plätze in einem Schlauchboot nach Griechenland. Fast wäre irgendwo auf dem Meer ihre Flucht auf tragische Weise beendet worden. Manövrierunfähig trieb das Boot im Wasser, bis die Besatzung eines größeren Schiffes die rund 40 Flüchtlinge in dem Boot rettete. Über München und Braunschweig gelangte die Familie schließlich im Mai nach Hollern-Twielenfleth. Insgesamt einen Monat dauerte die Flucht.
Wichtig wird jetzt sein, dass Ghassan und seine Frau schnell Deutsch lernen. Aktuell bekommt er Unterricht bei den Ehrenamtlichen vom Arbeitskreis Asyl der Samtgemeinde Lühe. Dazu gehört auch Marlies Hinners. Sie kümmert sich seit Monaten um die Familie. Aktuell hat sie mit einem Schreiben vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zu tun.
Darin wird der Asylantrag von Ghassan Al Khalaf abgelehnt. Das BAMF will ihm nur einen eingeschränkten Schutz gewähren. Der sogenannte subsidiäre Schutz gilt für ein Jahr, kann sich aber verlängern, um Geflüchteten, die nicht die volle Anerkennung als Kriegsflüchtling erhalten, trotzdem zeitweise vor Gewalt zu schützen.
„Wenn ich schnell Deutsch lerne und eine Arbeit finde, können wir uns eine Zukunft in Deutschland vorstellen“, sagt Ghassan Al Khalafa voller Hoffnung, dass er und seine Familie doch noch eine langfristige Bleibeperspektive in Deutschland haben könnten. Schließlich wünschen sich Ghassan und Hassena nichts sehnlicher, dass die kleine Ghasl und ihr Bruder in Frieden und Sicherheit aufwachsen.