Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Buxtehude: Kaputte "Schätzchen" zu neuem Leben erwecken

Tüftler aus Leidenschaft: Ältere Geräte liegen Elektronik- Experten Werner Heuer besonders am Herzen

Müllvermeidung: „Reparatur-Treffs“ nehmen sich nahezu aller Fälle an

ab. Buxtehude.
ab. Buxtehude. Haushalte produzieren reichlich Müll, vor allem Elektroschrott - mit steigender Tendenz. Waren es im Landkreis Stade im Jahr 2011 noch 1.053 Tonnen und fünf Kilo pro Einwohner, liegen die Mengen laut Angaben des Landkreises inzwischen bei 1.660 Tonnen und acht Kilo pro Kopf. Um diese Zahlen zu senken, will der Landkreis künftig Initiativen wie sogenannte Repair-Cafés und Reparatur-Werkstätten fördern.

Eine dieser Werkstätten hat Werner Heuer von der Selbsthilfewerkstatt „Reparatur-Treff“ in Buxtehude mitgegründet. „Wir haben keine Berührungsängste, wir öffnen jedes Gerät“, sagt er. Eine Gruppe von Fachleuten - vom Elektrotechnik-Meister über Ingenieure bis hin zu interessierten Studenten und Schülern - hat sich vor zwei Jahren um den Oberstudienrat und seinen Mitstreiter Jan Kliem zusammengefunden. Gegen eine kleine Spende bieten die kundigen Tüftler das Wieder-Instandsetzen besonders älterer elektrischer und elektronischer Geräte an. Dabei verstehen sie sich jedoch nicht als Konkurrenz zu Reparatur-Fachbetrieben. Vielmehr wollen sie ein Zeichen setzen gegen die bestehende Wegwerfmentalität.

„Unseren Service bieten wir einmal pro Monat an“, erläutert Heuer. Der „Kunde“ müsse aber dabei bleiben, während das Gerät zu neuem Leben erweckt wird. „Es ist gut, wenn gesehen wird, wie viel Arbeit darin steckt. Außerdem ergeben sich dabei meist interessante persönliche Gespräche“, so der Ingenieur. Einmal z. B. hätte eine Dame einen Mixer aus den 1960er-Jahren in die Reparatur gebracht. Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie sich von dem Küchengerät, das einst ihrer Mutter gehört hatte, nicht trennen konnte.

Einen 60-prozentigen Reparaturerfolg kann die Gruppe laut Werner Heuer verzeichnen. Doch bei einigen Apparaten kapituliere auch der leidenschaftlichste Bastler: „Wenn es beispielsweise keine Ersatzteile mehr gibt oder die Betriebsunterlagen zu dem Gerät fehlen und es sich nicht um einen Standardfehler handelt.“ Ein weiteres Problem: die stetig kleiner werdenden Geräte. Heuer: „Innen befindet sich oft nur noch ein Mikroprozessor mit ein bisschen Gehäuse drumherum. Da kommen wir selten an die Fehlerquellen heran.“
Reparaturbetriebe lehnten manche Fälle schlichtweg ab, denn alleine der Lohn für die Arbeitsleistung übersteige oft die Anschaffungskosten eines Neugerätes. Heuer ergänzt: „Wir wollen niemandem die Arbeit wegnehmen. Darum reparieren wir neue komplexe Geräte, wie beispielsweise Flachbildschirme, auch nicht gratis, sondern nur auf Rechnung.“ Die Spenden, die die Gruppe sonst einnimmt, werden zur Anschaffung von neuem Material verwendet.

Einmal pro Monat wird an einem Samstag in der Begegnungsstätte „Hohe Luft“ repariert. Kaputte Apparate müssen am Donnerstag davor angeliefert werden. Anschließend setzen sich die Tüftler zusammen und besprechen, wer welche Reparatur durchführen wird.
Übrigens: Der Reparatur-Treff sucht dringend einen größeren Raum, in dem Geräte und Werkzeuge auch einmal stehen gelassen werden können. Auch freuen sich die Tüftler über Mitstreiter.

• Das nächste Mal reparieren die Tüftler am Samstag 14. Oktober. Geräte müssen am Donnerstag, 12. Oktober, abgegeben werden. Weitere Infos per E-Mail bei werner.heuer@t-online.de.

• Wenn nichts mehr geht: Laut Gesetz müssen sogenannte Großvertreiber von Elektro- und Elektronikgeräten (Verkaufsfläche größer als 400 Quadratmeter) ihrer Rücknahmeverantwortung nachkommen. Beim Neukauf eines gleichartigen Gerätes müssen sie das alte Gerät unentgeltlich zurücknehmen.