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"Buxtehude ohne St. Petri? Es würde mehr als ein markantes Gebäude fehlen"

Die St. Petri Kirche: Sehr viel mehr als ein markantes Gebäude
 
Pastor Oliver Friedrich denkt im WOCHENBLATT-Interview über seine Kirchengemeinde nach
tk. Buxtehude.

Welche Bedeutung hat die Kirche in einer modernen Stadt wie Buxtehude? Das wollte WOCHENBLATT-Redakteur Tom Kreib von Pastor Oliver Friedrich wissen.
WOCHENBLATT: Ist die imposante St. Petri-Kirche für die Menschen in Buxtehude mehr als „nur“ ein markantes Gebäude in der Altstadt?

Pastor Oliver Friedrich: Was Kirchen für die Stadt und für die Menschen sind, lässt sich vielleicht am besten erklären, wenn man sich vorstellt, dass es sie nicht gäbe: Also Hamburg ohne Michel, München ohne Frauenkirche, Köln ohne Dom, Buxtehude ohne St. Petri. Da würde mehr fehlen als ein markantes Gebäude. Es würde ein Ort fehlen, mit dem sich die Menschen identifizieren und der ihnen Heimat und Zu-Hause-Sein bedeutet.
Auch wenn die Menschen nicht mehr regelmäßig den Gottesdienst besuchen, so sind die Kirchen doch wichtige Punkte im Ort, auf die oft viel Liebe und Aufmerksamkeit verwand wird, um sie zu erhalten. Versuchen Sie mal eine Kirche für immer zu schließen: Da hagelt es Proteste von allen Seiten - eben auch von denen, die mit dem christlichen Glauben nur noch wenig verbunden sind. Die Kirchen in den Städten und Dörfern sind aber noch mehr: Sie halten die Erinnerung daran wach, dass unsere Kultur wesentlich geprägt wurde durch den christlichen Glauben. Sicherlich nicht ungebrochen positiv, aber dennoch nachdrücklich.
Eine Kirche wie St. Petri wird immer ein Ort des Gebetes und der Andacht sein. Nicht nur im Gottesdienst. Gerade in der Sommerzeit ist es erstaunlich, wie viele Menschen die Kirche besuchen, ein Kerze anzünden, sich eine Weile still in die Bank setzen und schweigen, die Augen schließen. Manch einer weint auch. Vor Glück oder aus Trauer. Wo sollten die Menschen hin mit ihren Tränen und ihrem Lachen, wenn es die Kirchen nicht gäbe?
WOCHENBLATT: Was leistet die Kirche für die Menschen in Buxtehude?
Friedrich: St. Petri ist zuallererst ein Ort für den Gottesdienst. Damit ist das Wichtigste gesagt und daran hängt die Verkündigung des Evangeliums. Das ist unsere Aufgabe: Christus unter die Leute zu bringen. Das tun wir. Fast jeden Sonntag um 10.00 Uhr in der klassischen Weise. Wir verkündigen aber auch in anderen Formen: Als Gottesdienst für Kinder ebenso wie durch Andachten in den Altenheimen, wir verkündigen Christus in Glaubenskursen und durch Filmgottesdienste.
Wir verkündigen ihn, wenn wir Menschen besuchen, Konfirmandenunterricht erteilen und Lebensmittel in der Tafel verteilen. Und wir verkündigen Christus auch durch die Musik. Konzerte und die Orgelmusik zur Markzeit sind mehr als klassische Konzerte.
WOCHENBLATT: Wenn Sie an einem Sonntag vor ihrer Gemeinde stehen und viele Bänke im großen Kirchenschiff bleiben leer, packt Sie dann manchmal der Frust?
Friedrich: Ach nein. Ich freue mich über die, die da sind. Außerdem bin ich es von meiner ehemaligen Dorfgemeinde gewohnt, auch mal nur mit sieben, acht Menschen Gottesdienst zu feiern. In Petri sind wir immer viel, viel mehr und ich bekomme auf Predigten häufig freundliche Rückmeldungen. Das tut gut und dann ist es nicht mehr ganz so entscheidend, ob 50 Leute im Kirchenschifff sitzen oder 200.
Frust packt mich eher, wenn ich daran denke, was von uns Pastoren an Verwaltungskram und Organisation erwartet wird. Ein Dozent sagte einmal zu einer Gruppe von Pastoren: ‚Sie sind als Schriftgelehrte ausgebildet und finden sich wieder als Leiter eines Kleinunternehmens. weider‘ So fühle ich mich manchmal tatsächlich. Und das macht nicht immer froh.
WOCHENBLATT: Werden wir irgendwann - auf Grund sinkender Mitgliederzahlen - die Fusion der beiden evangelischen Kirchengemeinden in Buxtehude erleben.
Friedrich: Im Moment sind beide Gemeinde groß genug, um vital und lebendig in die Stadt hinein zu wirken. Eine Fusion sehe ich in den nächsten Jahren nicht auf uns zukommen.
WOCHENBLATT: St. Petri in 20 Jahren: Wie sieht die Gemeinde der Zukunft aus?
Friedrich: Eine Gemeinde wird immer so sein, wie die Menschen, die sich in ihr engagieren. Welche Menschen das in zwanzig Jahren sein werden, wage ich nicht zu prophezeien. Allerdings denke ich, dass in den nächsten Jahrzehnten die Gemeinden kleiner sein werden. Und sie werden sich mehr Gedanken machen müssen, woher sie Geld für ihre Arbeit und ihre Gebäude bekommen können. Fundraising wird wichtiger werden. Und wer Geld für die Gemeinde sammelt, wird sich stärker mit ihr identifizieren. Aber wer weiß, was in den kommenden Jahrzehnten sonst noch passiert? Vielleicht werden die Kirchen auch wieder wachsen, weil die Menschen erkennen, dass das Leben mehr ist als Arbeit und Geld und Urlaub. Vielleicht gehen wir auch auf eine Gesellschaft zu, in der zu verzichten, wieder eine Tugend wird und der Glaube sich ganz neu entfaltet und damit die christliche Gemeinde. Wir werden sehen, wohin Gott seine Kirche führt.
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