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"Buxtehuder Bulle" für ein tiefgründiges, tieftrauriges und freches Buch

Der Gewinner des "Buxtehuder Bullen": Der US-Autor John Greene (Foto: Peter-Andreas Hassiepen/Hanser)
 
Die stellvertretende Bürgermeisterin Christel Lemm (r.) und Bibliotheksleiterin Ulrike Mensching präsentieren den Siegertitel

tk. Buxtehude. "Jedes nominierte Buch hat Wumms", sagte Dörte Hansen über alle sechs Titel, die für den Jugendliteraturpreis "Buxtehuder Bullen" nominiert waren. Den meisten "Wumms" hatte für die Jury "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" von John Greene. Der Autor lebt in Indianapolis (USA). Der mit 5.000 Euro und der kiloschweren "Bullen"-Plastik dotierte Preis geht also wieder über den großen Teich.

Die Entscheidung der jeweils zehn erwachsenen und jugendlichen Jurymitgliedern fiel eindeutig aus: Die Erwachsenen wählten Greene mit weitem Abstand vor allen anderen fünf Autoren auf Platz eins. Bei den Jugendlichen landete er auf Platz zwei. Warum Greene "abgeräumt" hat, erklärte Stadtbibliotheksleiterin Ulrike Mensching mit der besonderen Mixtur des Romans: "Er ist tiefgründig und tieftraurig, zugleich umwerfend komisch und frech."
Die Zeit bis zur Bekanntgabe des Gewinners nutzte das Team der Stadtbibliothek, um die Besucher kurzweilig zu informieren und zu unterhalten. So könnte es in naher Zukunft vermutlich einen Erotik-Trend in der Jugendliteratur ab 16 Jahren geben. Der folgt dem Mega-Hype um die "Shades of Grey"-Trilogie der britischen Autorin E. L- James. Die Journalistin Dörte Hansen, die den Abend moderierte, interviewte die Sprecherin des Loewe-Verlags Carina Gerner. "Wir prüfen solche Angebote", sagt sie. So folge Jugendliteratur häufig den Themen, die zuvor bei den erwachsenen Lesern erfolgreich waren.
Einen kritischen Einblick in ihre Arbeit gewährte die Übersetzerin Eva Schweikert aus Hannover. Sie hatte den Roman "Kriegswinter" des Niederländer Jan Terlouw übersetzt. Sein bereits 1972 geschriebenes aber erst jetzt ins Deutsche übersetzte Buch fand weniger Zuspruch als die teils düsteren Zukunftsszenarien der "Bullen"-Mitbewerber. Eva Schweikert kritisierte die Arbeitsbedingungen der Übersetzer. Pro Seite bekäme sie zwischen 14 bis 18 Euro. Schweikert, die ihren Beruf liebt, merkte an: "Wir werden ungefähr so bezahlt wie eine Raumpflegerin."
Vor modernen Computer-Übersetzungsprogrammen ist ihr nicht bange. "Literarische Übersetzungen lassen sich nicht programmieren." Das ein Computer Ironie verstehe, sei wohl frühestens in 50 Jahren zu erwarten.
John Greene hatte im Vorfeld der "Bullen"-Nominierung mitgeteilt, dass er in den kommenden drei Monaten in Elternzeit sei. Vor einer Woche kam sein zweites Kind zur Welt. Green hat schon viele Presie eingesammelt. Literaturkritiker vergleichen ihn inzwischen mit Philip Roth und John Udpike.
• Der Roman „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Greene erzählt Hazels (16) Geschichte. Es geht um Krebs, aber es ist kein typisches Krebsbuch: „Krebsbücher sind doof“, sagt Hazel, die selbst Krebs hat. Sie will auf gar keinen Fall bemitleidet werden und kann mit Selbsthilfegruppen nichts anfangen. Bis sie in einer Gruppe auf den intelligenten, gut aussehenden und schlagfertigen Gus trifft. Der geht offensiv mit seiner Krankheit um. Hazel und Gus diskutieren Bücher, hören Musik, sehen Filme und verlieben sich ineinander – trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit. Gus macht Hazels großen Traum wahr: Gemeinsam fliegen sie nach Amsterdam, um dort Peter Van Houten zu treffen, den Autor von Hazels absolutem Lieblingsbuch.
• Das Buch ist im Hanser Verlag erschienen und kostet 16,90 Euro