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Buxtehuder Tafel: Am Monatsende kommen spürbar mehr Kunden

Sie sorgen mit vielen anderen Ehrenamtlichen dafür, dass die Tafel läuft (v.li.): Heiderune Land, Pastor Michael Glawion, Hannelore Hesse und Karin Singer (Foto: tk)
Debatte über die Arbeit der Tafeln geht weiter: Was sagt das Buxtehuder Tafel-Team?

tk. Buxtehude. In Deutschland ist eine Diskussion über die Arbeit der Tafeln entbrannt. Ausgangspunkt war die Essener Tafel, die vorübergehend nur noch Deutsche als Neukunden aufnimmt. Eine der Folgen: Wohlfahrtsverbände üben Grundsatzkritik. Die Tafeln, die für Bedürftige eigentlich eine Ergänzung zu staatlicher Hilfe sein sollen, seien mittlerweile für viele Menschen die Existenzgrundlage. Wie bewerten die engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiter der Buxtehuder Tafel solche Aussagen? "Niemand würde in Buxtehude ohne die Tafel Hunger leiden", sagt Hannelore Hesse. Aber: Auch in der Estestadt gibt es inzwischen sehr viele Stammkunden. Ursprünglich sollten die Tafeln Überbrückungshilfe, etwa bei Arbeitslosigkeit, leisten.

Pastor Michael Glawion, Heiderune Land und Karin Singer erinnern angesichts der aktuellen Debatte an die Gründungsidee aller Tafeln: Es ging primär darum, die Verschwendung von Lebensmitteln zu verhindern. Was Supermärkte wegwerfen, sollte Bedürftigen zu Gute kommen. Diese Ursprungsidee spiele in der Diskussion zurzeit eine zu kleine Rolle.

Michael Glawion gibt außerdem zu bedenken, dass der Vergleich von Tafeln schwierig sei. In Großstädten mit sozialen Brennpunkten sei es sehr gut möglich, dass die Einrichtungen eine noch bedeutendere Rolle bei der Versorgung von armen Menschen spiele. Was das Tafel-Team zudem bemerkt: Am Monatsende kommen spürbar mehr Kunden als zu Monatsanfang, wenn Geld auf dem Konto eingetroffen ist. Ihre Arbeit sehen die Ehrenamtlichen als Ergänzung anderer Unterstützungsmaßnahmen. Durch die Lebensmittelspenden können die Bedürftigen ihr Geld statt für Dinge des täglichen Bedarfs für anderes verwenden.

In Buxtehude ist ein Team von 50 ehrenamtlichen Helfern für 449 Erwachsene und 482 Kinder verantwortlich. Es gibt zwei Ausgabetage, Dienstag und Freitag. 16 Supermärkte werden von der Tafel angefahren, um Lebensmittel abzuholen.
Was sich in den vergangenen Jahren verändert hat: Es würden deutlich mehr Senioren zur Tafel kommen. Und nicht alle, die ein Anrecht haben, nutzen unser Angebot", sagt Karin Singer. Gerade bei älteren Menschen gebe es vielfach ein Schamgrenze, die vom Tafel-Besuch abhalte.

Dabei sei gerade der Gedanke der Wertschätzung ihrer Kunden für die Tafel-Mitarbeiter sehr wichtig. "Bei uns können sich die Menschen die Dinge wie in einem Laden aussuchen", sagt Heidrune Land. Es sei kein Verteilen von Almosen.
Ein Problem wie in Essen hat es bei der Buxtehuder Tafel übrigens nie gegeben. Als 2015/2016 immer mehr Flüchtlinge kamen, hatte die Tafel einen zusätzlichen Öffnungstag speziell für diese Kunden angeboten. Sprachmittler sorgten dafür, dass die Verständigung klappte. Mittlerweile ist der Zusatztag wieder eingestellt worden. "Die Zahl der Flüchtlinge ist sehr stark zurückgegangen", sagt Hannelore Hesse.
Angesichts der in Deutschland entbrannten Diskussion über die Arbeit der Tafeln stellt Pastor Michael Glawion fest: "Die Tafeln leisten die Basisarbeit. Die Kirche ist als gesellschaftliche Institution gefragt, wenn es um grundsätzliche soziale Fragen geht."
• Mehr Infos über die Buxtehuder Tafel www.st-petri-buxtehude.de