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Camping im Winter: Warum macht Ihr das eigentlich?

Künstler Arno Christian Schmetjen hat sich mit Hündin Mila häuslich eingerichtet (Foto: am / os)
am/bc. Guderhandviertel. Minusgrade, der erste Schnee und Eiszapfen am Vorzelt: Campen in der kalten Jahreszeit ist nicht jedermanns Sache. Und trotzdem gibt es sie auf den Plätzen zwischen Stade, Buxtehude und Buchholz: die Unerschütterlichen, die die Natur so lieben, dass ihnen frostige Temperaturen nichts ausmachen. Das WOCHENBLATT hat sich auf dem kleinen Campingplatz „Neßhof“ in Guderhandviertel im Alten Land umgeschaut.
Das idyllische Fleckchen Erde mitten im größten Obstgarten Nordeuropas liegt direkt an der Lühe, einem Nebenfluss der Elbe, der sich malerisch durch die Marschlandschaft und entlang pittoresker Fachwerkhäuser zur Elbmündung schlängelt. An diesem sonnigen, aber frischen November-Morgen scheint der Platz wie leer gefegt zu sein. Hier und da steht zwar ein Wohnwagen, teilweise mit akkurat angelegtem Vorgarten, inklusive typisch deutschem Holzzaun. Doch von einer Menschenseele ist weit und breit nichts zu sehen. „Es sind wirklich nicht viele Camper, die im Winter hier bleiben“, sagt „Neßhof“-Inhaber Martin Hollmichel.
Einer der wenigen Unerschütterlichen ist Arno Christian Schmetjen. Ganz am Ende des Geländes neben einer Pferdekoppel liegt sein kleines Reich. „Hier habe ich meinen warmen Platz in der Natur gefunden“, sagt der Künstler, der durch Kunstwerke aus Carbonfaser (CFK) in der Region bekannt wurde.
Vor drei Jahren hat er beschlossen, seinen Camper zum festen Wohnsitz zu machen. Mit allem was dazu gehört: Rosenbeet, heimelige Sitzecke unter freiem Himmel und nicht zu vergessen - sein Atelier.
„Im Winter mache ich mir abends immer ein kleines Feuer an und schaue in den Sternenhimmel“, sagt Arno Christian Schmetjen. „So eine besondere Atmosphäre gibt es nur in der kalten Jahreszeit.“ Es ist die Mischung aus Natur, Einsamkeit und gleichzeitig Geselligkeit, die ihn reizt. „Wo sonst gibt es in einem kleinen Dorf wie Guderhandviertel so viele unterschiedliche Leute?“ Wer will, bleibt für sich. Wem nach einem geselligen Abend ist, der findet auch im Winter dazu Gelegenheit. Martin Hollmichel hat extra einen Treffpunkt für seine Camping-Gäste in einem kleinen Haus eingerichtet. „Hier trifft man sich. Das ist wie in einer Familie“, sagt der Künstler.
Auch Camper-Neuling Klaus Karlies, der eine Wohnung ganz in der Nähe besitzt, fühlt sich auf dem „Neßhof“ sauwohl. „Seit Mai stehen wir schon hier und es hat uns so gut gefallen, dass wir noch länger bleiben. Auch im Winter.“ Er und seine Freundin Heike Boldt sind überzeugt: „Hier gibt es weniger Regeln als in einem Schrebergarten.“ Camper lieben halt ihre Freiheit!