Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Den Ärztemangel auf dem Land per Gesetz beheben?

Ein Hausarzt in jedem Dorf - wünschenswert, aber nicht per Gesetz erzingbar (Foto: DAK Gesundheit / Van den Berg)

Rechtsanspruch wie bei Kitaplätzen: Vorstoß vom Städte- und Gemeindebund stößt bei Ärzten auf Kritik

(tk). Was bei Kitaplätzen seit Jahren gängige Praxis ist, könnte auch bei der hausärztlichen Versorgung funktionieren, hat sich der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund (NSGB) überlegt. Dessen Präsident Marco Trips forderte jüngst einen Rechtsanspruch auf einen Allgemeinmediziner in jeder Gemeinde. So könnte der Mangel an Hausärzten auf dem Land behoben werden. Das medizinische Versorgungsproblem ist auch in Teilen der Landkreis Stade und Harburg ein Thema. "Wenn es das mit Kindergartenplätzen gibt, wieso dann nicht mit Ärzten?", stellte Trips in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zur Diskussion. Ist das die Lösung? Widerspruch kommt von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN): Einen Mediziner auf einen bestimmten Posten zu zwingen sei mit den rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland nicht vereinbar, so KVN-Sprecher Dr. Uwe Köster.

Neben diesen grundsätzlichen Bedenken gibt es aus Sicht der KVN viele handfeste Gründe, einen gesetzlichen Versorgungsanspruch abzulehnen. Ein zwangsweise zugewiesener Arzt werde nicht in dem Umfang in seine Praxis investieren, wie das ein Kollege macht, der sich freiwillig niederlasse .Hinzu käme, dass es statistisch erwiesen sei, dass angestellte Ärzte - etwa wenn sie von Gemeinden angeworben werden - nur rund 70 Prozent der Arbeitstleistungen im Vergleich zu freiwillig niedergelassenen Kollegen erbringen "Es braucht drei angestellte Mediziner um zwei selbstständige zu ersetzen." Die in vielen Kommunen diskutierte Gründung von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) mit angestellten Ärzten sieht die KVN daher mit gemischten Gefühlen: Wenn eine Kommune das plane, müsse sie sich ausreichend medizinischen Sachverstand ins Boot holen.

Außerdem sei der vom NSGB angestoßene Anspruch, dass jede kleine Gemeinde über einen eigenen Allgemeinmediziner verfügen müsse, nicht umsetzbar. "Es muss eine bestimmte Anzahl von Patienten vor Ort geben, damit eine Praxis wirtschaftlich ist", sagt der KVN-Sprecher.

Statt Ärzte per Gesetz aufs Land zu zwingen, will die KVN lieber zur Gründung von Zweitpraxen motivieren, wenn ein Hausarzt aufhört und sich kein Nachfolger findet. Eine weitere Forderung: Der Öffentliche Personennahverkehr darf nicht weiter abgebaut werden. "Wir müssen die Patienten zu den Ärzten schicken und nicht umgekehrt", sagt Köster. In Leer gebe es dafür ein erfolgreiches Modellprojekt: Dort werden die Menschen von einem Bestellbus abgeholt und zu ihren Ärzten gefahren. "Die Mediziner sichern eine zeitnahe Behandlung zu, sodass diese Patienten garantiert wieder ihren Bus nach Hause bekommen", so der KVN-Sprecher.