Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Der Mülltonnen-Frust - WOCHENBLATT fragt seine Leser

Sorgt vielerorts für Ärger: Immer mehr Anwohner müssen ihre Tonnen zu Sammelplätzen bringen (Foto: MSR)
(bc). Für viele Menschen gibt es kaum ein so lebensnahes Thema wie die Müllabfuhr. Manche Leute haben die Termine, an denen sie die Tonnen an die Straße stellen müssen, eher im Kopf als den Geburtstag des besten Kumpel. Nur vielerorts reicht es nicht mehr, die Tonnen vor das eigene Grundstück zu stellen. Weil die Müllwagen viele kleine Stichstraßen aufgrund mangelnder Wende-Möglichkeiten nicht mehr anfahren dürfen, werden immer mehr Sammelplätze eingerichtet (das WOCHENBLATT berichtete). Ein Trend, der sich deutlich verschärfen dürfte, da von elf Kommunen im Landkreis nach Auskunft von Kreisbaurat Hans-Hermann Bode erst fünf testweise befahren wurden. Der Mülltonnen-Frust!
Darum geht es: Für die Müllentsorgung ist im Auftrag der Abfallwirtschaft des Landkreises die Karl Meyer Kommunalentsorgung in Wischhafen zuständig. Die Firma sowie die Kreisverwaltung berufen sich beim sogenannten Rückwärtsfahrverbot auf die Unfallverhütungsvorschrift der Berufsgenossenschaft (siehe Infokasten).
Nach Angaben von Karl Meyer sind in den Gemeinden Jork und Apensen sowie in den Samtgemeinden Lühe und Horneburg 26 komplette Straßenzüge betroffen. Hinzu kommen 52 Straßen, in denen nur einzelne Grundstücke nicht mehr angefahren werden. Zuletzt waren der Kreis und die Karl Meyer AG in Fredenbeck unterwegs. Dort sind laut Bürgermeister Ralf Handelsmann insgesamt mindestens 26 Straßen mit mehreren hundert Anwohnern betroffen. Die Anwohner haben bereits entsprechende Post erhalten, dass sie ihre Tonnen in Kürze zu Sammelplätzen bringen müssen.
Handelsmann ist darüber wenig begeistert: „Ich stell mir die Frage, ob der Landkreis angesichts der jetzigen Situation überhaupt noch vollständig seiner Aufgabe der Abfallentsorgung gerecht wird. Wo sollen denn all die Tonnen hin?“ Der Rathaus-Chef kritisiert, dass sich nur die Anwohner anpassen müssen. „Von kleineren Fahrzeugen über eine andere Besetzung der Müllwagen bis hin zu Rückfahr-Kameras. Ich kann mir auch viele andere Kompromisse vorstellen“, so Handelsmann.
Im Horneburger Rathaus sieht man die Dinge ähnlich. „Für uns ist es nicht nachvollziehbar, wie die Vorschriften ausgelegt werden“, sagt Bauamtsleiter Roger Courtault.
Da sich mittlerweile viele Anwohner beschweren, machten die Freien Wähler den „Tonnen-Frust“ jüngst in der Kreispolitik zum Thema. Gerd Lefers stellte eine entsprechende Anfrage, da sich nach seinen Angaben die Anforderungen an den Durchmesser der Wendehammer im Laufe der Zeit auf 22 Meter erhöht haben: „Wir fordern die Rückkehr zu 18 Meter und nötigenfalls kleinere Fahrzeuge“, sagt Lefers. Zudem müssten gut ausgebaute Privatwege nach Absprache befahren werden dürfen, auch ohne Haftungsübernahme durch den Grundeigentümer.
Da die Kreisverwaltung die neue Ausschreibung für die Abfuhr nach 2020 vorbereiten muss, will die Freie Wählergemeinschaft im Umweltausschuss des Kreistages eine Diskussion über die Vergabegrundlagen beantragen.
Liebe Leser, haben auch Sie Probleme mit der Müllabfuhr? Bitte schreiben Sie uns eine E-Mail an bc@kreiszeitung.net.