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Die Jugend von heute: Angepasst statt rebellisch

Stellte die Studie vor: Axel Pommeränke
 
Sarah Abashameh (22 Jahre alt, v.li.), Mareike Diesch (19) und Jasmin Langenhan (19) erzählten dem Publikum, was ihnen im Leben wichtig ist. Die drei jungen Frauen machen eine Ausbildung zur Pflegeassistenz (Foto: Schmidt/Landkreis Stade)
(bc). Was viele geahnt haben, hat die Shell-Jugendstudie (siehe Info-Kasten) schwarz auf weiß bestätigt. Der überwiegende Teil der deutschen Jugend ist nicht mehr so rebellisch wie ihre Altersgenossen in den 70er oder 80er Jahren. Ihre Lebensmaxime ist stattdessen, das Beste aus dem bestehenden System für sich herauszuholen.

Am Mittwoch stellte Axel Pommeränke, Koordinator der Studie bei Shell, das Werk auf Einladung des Bildungsbüros des Landkreises im Kreishaus vor. Untersucht wurde das Lebensumfeld der 12- bis 25-Jährigen - ihre Einstellungen, Stimmungen und Erwartungen. Mehr als 2.500 repräsentativ ausgesuchte Jugendliche wurden befragt. Titel der Studie: „Eine pragmatische Generation im Aufbruch.“

Im Fazit heißt das: Die Jugend von heute strebt mehrheitlich nach Anerkennung und will es im Leben zu etwas bringen, ohne das System umzukrempeln. Sie legt gleichzeitig viel Wert auf soziale Bindungen, ist aufgeschlossen, weltoffen und engagiert. Freunde und Beruf sind wichtige Themen in ihrem Leben.

Es ist wieder in Mode, ehrgeizig zu sein. Anders als in den 80er Jahren, stellt Pommeränke fest: „Die Jugendlichen legen Wert darauf, phantasievoll und kreativ zu sein, gleichzeitig aber auch fleißig und strebsam. Beides ist kein Widerspruch mehr.“ Die Studie zeige eine neue Synthese aus traditionellen und modernen Werten auf.

Jugendliche legen ihren Fokus vor allem auf die Karriereplanung. Bei der Zielerreichung ist ihnen die Bedeutung von Bildung bewusst, selbst junge Männer werden wieder ehrgeiziger. Ein sicherer Arbeitsplatz ist den Teenagern wichtig. Tendenziell sinke aber die Angst, im Beruf Fuß fassen zu können. Junge Erwachsene treten selbstbewusst gegenüber Arbeitgebern auf.

63 Prozent sind der Meinung, dass eine Familien wichtig sei, um glücklich zu sein. Nur 40 Prozent sind der Ansicht, dass eigene Kinder zum Glücklichsein dazugehören. In ländlichen Regionen liegt der Prozentsatz etwas höher.
Das politische Interesse nimmt laut Studie wieder zu. Mehr als 40 Prozent der Befragten sind sozial engagiert, viele in der Flüchtlingshilfe. Die Akzeptanz fremder Kulturen ist gestiegen. Allgemein lässt sich sagen: Jugendliche sind gegenüber Migranten toleranter eingestellt als Erwachsene.

Sorgen kann die Zahl der abgehängten Jugendlichen bereiten. Fast ein Fünftel zählt die Studie bei der Berufsorientierung zu den sogenannten „Distanzierten“. Passend dazu eine Statistik vom Jobcenter Stade: Derzeit werden dort rund 400 Jugendliche im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 25 Jahren betreut. Davon haben 80 Prozent keinen Abschluss.


Wissenschaftliches Standardwerk


Seit 1953 sponsert der Shell-Konzern die Jugendstudie, die als wissenschaftliches Standardwerk in der Jugendforschung angesehen werden kann. Nicht selten stößt sie gesellschaftliche und politische Diskussionen an. Die Studie erscheint alle vier Jahre. Bereits im Oktober 2015 wurde sie in der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt. Es ist die 17. Shell-Jugendstudie.