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DLRG-Retter sind alarmiert

Schwimmmeisterin Ivonne Meyer befürchtet, dass einige Kinder "durch das System rutschen könnten" (Foto: bc)
(bc). Dieses Ergebnis bereitet ernsthafte Sorgen. Laut einer Forsa-Umfrage, die die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Auftrag gegeben hat, ist mindestens jeder zweite Grundschüler kein sicherer Schwimmer - obwohl 77 Prozent der Kinder das Seepferdchen-Abzeichen absolviert hätten. Das reiche aber nicht aus. Mittlerweile habe etwa jede vierte Grundschule keinen Zugang zu einem Bad. Vielerorts falle der Schwimmunterricht aus. Das WOCHENBLATT hörte sich um: Wie stellt sich die Situation in der Region dar?
Heinrich Lücken, Leiter der Grundschule am Westerminnerweg in Jork, bestätigt den Tenor der Umfrage: „Ich würde behaupten, dass jeder dritte Grundschüler nicht richtig schwimmen kann.“ Seine Schule hätte nur durch viel Glück eine Bahn im Buxtehuder Hallenbad ergattert. Zu wenig, um allen Grundschülern Schwimmunterricht anzubieten: „Einmal die Woche fahren wir mit denjenigen Drittklässlern dahin, die noch nicht schwimmen können oder über keine große Erfahrung verfügen“, sagt Lücken. Der Rest komme leider nicht in den Genuss eines Schwimmunterrichts.
Ivonne Meyer, Schwimmmeisterin im Naturfreibad Krummendeich, gibt selber Kurse für Drittklässler an den Grundschulen in Nordkehdingen: „Die meisten Kinder hier können schwimmen.“ Allerdings gebe es immer wieder welche, die „durch das System rutschen“ - insbesondere ausländische Mitbürger, deren Kinder womöglich erst nach der dritten Klasse hier eingeschult werden, so Meyer. Zudem habe sich die Freizeitgestaltung der Kinder geändert, nicht zuletzt aufgrund der Ganztagsschule. Vielen Kindern fehle einfach das Schwimmtraining.
Ähnliches bestätigt Cordula Wuttke, Leiterin der Grundschule am Burggraben in Stade: „Es gibt Kinder in der Grundschule, die nicht schwimmen können.“ In Stade sei ihr aber keine Grundschule bekannt, die keinen Schwimmunterricht anbiete. Die Stadt übernehme schließlich die Kosten für Bad und Bustransfer. Problematisch seien aber die knappen Zeiten aufgrund der Schließung des Lehrschwimmbeckens an der Thuner Straße.
Jürgen Bußmann, Badbetriebsleiter des „Solemio“ in Stade, sieht die Schulen nur begrenzt in der Pflicht: „Die Eltern müssen ihre Kinder ans Wasser gewöhnen. Wenn Kinder in die Schule kommen, sollten sie schon schwimmen können.“ Ideal wäre es, wenn Kinder im Alter von fünf Jahren das Seepferdchen ablegen.
Rainer Bohmbach, Vize-Bezirksleiter der DLRG, sieht ebenfalls Bedarf an zusätzlichem Unterricht: „Unsere Schwimmkurse sind immer voll. Wir haben auch Wartelisten.“ Die Situation im Landkreis Stade hält er aber für relativ entspannt, da es hier bislang nicht zu Bäderschließungen gekommen sei.
Ähnlich sieht es im Landkreis Harburg aus. Wir versuchen in unserem Lehrschwimmbecken, den fünf- bis sechsjährigen Kindern das Schwimmen möglichst vor dem Schulstart beizubringen. Wir sind dabei recht erfolgreich, haben aber eine anderthalb- bis zweijährige Warteliste“, sagt Martin Fuchs, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Maschen. „Einige Jungen und Mädchen haben aus den verschiedensten Gründen großen Respekt vor dem Wasser. Wir unterstützen sie nach Kräften dabei, sich an das Wasser zu gewöhnen.“
„Unsere Seepferdchen-Schwimmkurse für Kinder im Grundschulalter sind gut besucht“, freut sich Elisabeth Mestmacher, Vorsitzende der DLRG-Gruppe Salzhausen. „Wir würden auch gerne Schwimmunterricht für ältere Kinder und Jugendliche anbieten. Dafür fehlen uns aber im Augenblick die Ausbildungskräfte“, bedauert Mestmacher.