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Erste Hilfe für die Seele

Christian Berndt ist Beauftragter für Notfallseelsorge im Sprengel Stade (Foto: bc)
(bc). Der plötzliche Tod eines Menschen lässt Angehörige hilflos zurück. Auch Rettungskräfte haben nach schweren, tödlichen Unfällen oft Redebedarf. Dafür gibt es die Notfallseelsorge (NFS) - ein kirchlicher Dienst, der im Landkreis Stade nicht selten in Anspruch genommen wird. Im vergangenen Jahr waren es 55 Einsätze.
Christian Berndt, Pastor der Markus-Gemeinde in Stade-Hahle, ist Leiter der NFS im Kirchenkreis Stade sowie Beauftragter für den Sprengel Stade. Da die Anforderungen wachsen, die Lasten aber auf immer weniger Schultern verteilt werden können, setzen er und seine Kollegen vermehrt auch auf Ehrenamtliche. Im Kirchenkreis Stade sind von 26 Notfallseelsorgern drei ehrenamtlich tätig, der Rest sind Geistliche. Erst vor Kurzem ließ sich eine Krankenschwester aus Stade zur Notfallseelsorgerin ausbilden. „Einzige Bedingungen ist eine Kirchen-Mitgliedschaft sowie die grundsätzliche Eignung, seelsorgerlich tätig zu sein“, sagt Christian Berndt.
Es gibt sicher leichtere Ehrenämter als Notfallseelsorger. Die Aufgaben sind komplex, die Umstände der Einsätze fast immer tragischer Natur. Christian Berndt erinnert sich an einen schweren Verkehrsunfall nahe Fredenbeck, bei dem drei Jugendliche zu Tode kamen, nur der Fahrer überlebte: „Da waren wir mit mehreren Seelsorgern am Unfallort, bei den Familien und im Krankenhaus.“
Aber auch Vorfälle, die nicht in der Zeitung landen, gehören in den Bereich der NFS: Suizide oder Unfälle am Arbeitsplatz zum Beispiel, wenn anschließend die Angehörigen informiert werden müssen. „Wir begleiten die Polizei, die die Todesnachricht überbringt, und betreuen danach die Angehörigen. Solange wie es gewünscht wird“, erzählt Christian Berndt.
Alarmiert werden die Seelsorger immer über die Rettungsleitstelle in Stade-Wiepenkathen. Bei schweren Unfällen entscheidet die Einsatzleitung vor Ort, ob ein Notfallseelsorger hinzugezogen werden soll. Der diensthabende Seelsorger informiert dann zunächst den örtlichen Pastor. Ist dieser verhindert, springt er ein.
In diesem Jahr mussten Berndt und seine Kollegen im gesamten Landkreis glücklicherweise erst zu 20 Einsätzen ausrücken. „Das Wichtigste ist immer, so viele Informationen wie möglich zu sammeln, um sich ein umfassendes Bild der Lage zu machen“, sagt Berndt.
Ein Tabu ist es für Notfallseelsorger, Rettungskräfte während eines Einsatzes auf ihre eigene Befindlichkeit anzusprechen. „Das würde nur die Arbeiten behindern. Von uns gibt es das Angebot einer Nachbesprechung,“ erläutert Berndt. Entscheidend sei, dass die Retter wissen, dass sie alles in ihrer Macht Stehende getan haben, Leben zu retten - selbst wenn es am Ende nicht geklappt hat.
Berndt: „Wir wollen posttraumatische Belastungsstörungen bei den Rettern vermeiden.“ Es sei völlig normal, wenn der Körper auf ein abnormales Ereignis mit Schlaf- oder Appetitlosigkeit reagiere. „Das ist kein Zeichen von Schwäche“, so Berndt.
Er selbst hat auch schon seelsorgerliche Hilfe und Supervision in Anspruch genommen. Christian Berndt ist nämlich zugleich Feuerwehrmann in Wiepenkathen: „Es ist gefährlich zu glauben, man selbst wäre unverletzbar und bräuchte keine Hilfe annehmen.“
• Interesse an Notfallseelsorge? Kontakt über Christian Berndt unter (04141-82294.