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Explosionsgefahr im Moor?

Karsten Stender (li.) und Andreas Bartels haben intensiv recherchiert. Ihr Ergebnis: Genau dort, wo in Kürze der Damm für den Bau der Autobahn 26 aufgeschüttet wird, könnte noch ein hochexplosiver Blindgänger im Boden schlummern
bc. Buxtehude/Rübke. August 1941, der 2. Weltkrieg tobt in ganz Europa. Die britische Luftwaffe nimmt Kurs auf Hamburg. Eine deutsche Flak-Stellung erwischt einen Wellington Bomber der Royal Air Force. Mitten im Moor zwischen Buxtehude und Rübke geht das Kampfflugzeug runter. Fünf Besatzungsmitglieder werden tot geborgen, das sechste wird nie gefunden. Eine Tragödie, von der viele Bürger wahrscheinlich noch nie gehört haben, die das Moor aber mehr als 70 Jahre später wieder zu Tage fördern könnte.

Die Arbeitsgemeinschaft Dorferhaltung Rübke (ADR) - eine Gruppe von engagierten Bürgern, die die Lebensqualität in dem kleinen Dorf bewahren möchte - stieß im Internet auf mehrere Einträge, die von diesem Ereignis in der Nacht zum 13. August 1941 berichten. In den Veröffentlichungen wird die Absturzstelle relativ genau auf den Bereich eingegrenzt, wo in wenigen Wochen der Vorbelastungsdamm für die Autobahn 26 aufgeschüttet wird. Exakt dort, wo tonnenschwere Lkw die Erde beben lassen werden.

"Das Wrack wurde nie geborgen. Es ist nicht klar, ob der Flieger mit oder ohne Bombenfracht im Moor versunken ist", sagt Karsten Stender. Der 2. Vorsitzende der ADR und sein Sohn Nikolai haben sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. "Die Wellington Bomber verfügten über eine Bomben-Zuladung von etwa 2.000 Kilogramm", so Stender. Eine unvorstellbare Sprengkraft.

"Im Rahmen des Planverfahrens zum Autobahn-Bau wurde eine Kampfmittel-Untersuchung nicht erwähnt", konstatiert ADR-Vorsitzender Andreas Bartels. Es sei zumindest vorstellbar, dass dort, wo die Autobahn jetzt gebaut wird, hochexplosive Blindgänger im Boden schlummern.

Die ADR hat bereits bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Stade nachgehakt. Die für den A26-Bau zuständige Behörde antwortete prompt. In einem Schreiben heißt es: Im Zuge der Bauvorbereitung sei eine Kampfmitteluntersuchung mittels Luftbildauswertung durchgeführt worden. In Bezug auf Bomben bestünden keine Bedenken für den Planungsbereich.

Eine Antwort, die die Bürgerinitiative nur teilweise zufrieden stellt. Stender: "Im Zweifel wurden Luftbilder von 1945 ausgewertet, auf denen ein Flugzeugabsturz von 1941 nicht mehr zu erkennen ist. Zumal das Moor Wrackteile und Bombenladung längst verschluckt hat." Eine Bodenradar-Untersuchung, also eine exakte Sondierung des Geländes, oder eine Recherche der Militärarchive und -Dokumentationen habe offenbar nicht stattgefunden, so Stender.

Die Stader Autobahn-Bauer trauen dem Braten augenscheinlich auch nicht so richtig. Sie nehmen die ADR-Anfrage jetzt zum Anlass, das für Kampfmittelbeseitigung zuständige Landesamt für Geoinformation noch einmal um eine Stellungnahme zu bitten. Fortsetzung folgt.