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Flüchtlingssituation: Von Entwarnung keine Rede

Im gesamten Landkreis sind Containerunterkünfte für Flüchtlinge aus dem Boden gestampft worden (Foto: tk)
(bc/mi/wd/jd). Weniger Flüchtlinge gleich Reduzierung der Flüchtlingsunterkünfte: Ob diese simple Gleichung angesichts der drastisch gesunkenen Zahlen derzeit die Maxime in den Kommunen ist, wollten wir in einer Umfrage herausfinden. Ergebnis: Die Kommunen drücken bei weiteren Anmietungen und Neubauten auf die Bremse. Von Entwarnung will aber keiner reden.

Wie berichtet, kommen aktuell im Landkreis Stade nur noch rund 20 Flüchtlinge pro Woche an, die von Landesaufnahmeeinrichtungen an die Städte und Gemeinde verteilt werden. Zu Hochzeiten vor wenigen Monaten waren es 100 Migranten pro Woche. Hinzu kamen 150 Menschen, die in Notheimen der Kreisverwaltung untergebracht wurden. Offensichtlich finden aber nach der Schließung der Balkanroute und den Rückführungsmaßnahmen in die Türkei immer weniger Flüchtlinge den Weg nach Deutschland.

Was bedeutet das für die Kommunen? Droht jetzt Leerstand der angemieteten oder gekauften Unterkünfte, werden Bauprojekte zurückgestellt, Container wieder verkauft? Das WOCHENBLATT hat sich in den drei größten Kommunen des Landkreises sowie in Apensen umgehört, wo besonders auf die Container-Lösung gesetzt wurde:

Hansestadt Buxtehude: Buxtehude hat derzeit 795 Personen untergebracht. Bis Juli müssen noch 132 weitere Flüchtlinge aufgenommen werden. Dafür stehen schon jetzt ausreichend Plätze zur Verfügung teilte, der zuständige Fachbereichsleiter Ralf Dessel mit. Leerstände gebe es nicht. Für das zweite Quartal rechnet man auch in Buxtehude mit deutlich weniger Flüchtlingen. Die Planungen für eine weitere Unterkunft in Holzbauweise lägen in der Schublade und würden bei Bedarf umgesetzt.

• In der Samtgemeinde Apensen leben aktuell 200 Flüchtlinge, weitere 20 können sofort u.a. in einem Mietshaus in Apensen untergebracht werden. Außerdem wird in Beckdorf eine Halle mit Platz für rund 50 Personen gebaut. Der Innenausbau kann flexibel gestaltet und jederzeit wieder entfernt werden. „Da wir die weitere Entwicklung noch nicht abschätzen können, planen wir auch noch nicht, was wir ggf. mit freien Plätzen machen“, sagt Samtgemeinde-Bürgermeister Peter Sommer. Die Halle in Beckdorf könne aber später mit Rolltoren versehen und gewerblich genutzt werden, die rund 100 Container verkauft und die Häuser neu vermietet werden.

Hansestadt Stade: In der Hansestadt Stade sind aktuell 891 Plätze in Flüchtlingsunterkünften belegt, 109 sind frei und 154 in Vorbereitung - inklusive Container und Neubauten. Bis Juli werden voraussichtlich 75 weitere Flüchtlinge nach Stade kommen, so dass unterm Strich noch 188 freie Plätze für die Migranten zur Verfügung stehen, die nach Juli erwartet werden. „Momentan haben wir an uns herangetragene Angebote zur Anmietung von Wohnraum bis Juli zurückgestellt, da wir mit den jetzt begonnenen Maßnahmen ausreichend Vorsorge getroffen haben“, sagt Bürgermeisterin Silvia Nieber. Wie sich die Situation weiterentwickelt, könne sie angesichts der unsicheren politischen Lage jedoch nicht einschätzen.

Samtgemeinde Harsefeld: „Bei uns sind derzeit 463 Flüchtlinge untergebracht“, sagt Vize-Rathauschef Bernd Meinke. Die Quote habe zum 31. März bei 462 Personen gelegen und soll bei Ende Juni verlängert werden. Harsefeld müsse aber noch weitere Flüchtlinge aufnehmen, weil 55 Personen mittlerweile als Asylbewerber anerkannt seien, so Meinke: „Für diese Menschen suchen wir nun Wohnungen, da sie die Flüchtlingsunterkünfte verlassen müssen.“ Von Entspannung könne daher noch keine Rede sein.