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Frauenhaus in Stade: Hier wird jeder Frau geholfen

Frauenhaus-Leiterin Silvia Steffens (re.) und ihre Mitarbeiterin Hanne Rathjens sind für von Gewalt bedrohte Frauen da Fotos: bc
 
Der Kinderbereich im Frauenhaus: Hier kümmert sich eine Erzieherin um die Kleinen
Obwohl auch im Stader Frauenhaus derzeit kein Platz mehr frei ist, wird hier niemand abgewiesen

bc. Stade. Im deutschen Blätterwald rauscht es kräftig, was die Platznot in Frauenhäusern angeht. Jüngst war wieder zu lesen: Mehr als 2.000 von Gewalt bedrohte Frauen haben im vergangenen Jahr keinen Platz in einem niedersächsischem Frauenhaus gefunden. Die Politik ist bereits informiert. Die Grünen fordern von der Landesregierung, endlich ein bedarfsgerechtes Angebot zu schaffen.
Wie sieht die Situation im einzigen Frauenhaus im Landkreis Stade aus? Ist die Platznot in Stade auch so schlimm? Das WOCHENBLATT hat sich vor Ort umgeschaut. Auch hier - in einem Einfamilienhaus mitten in einer Stader Wohngegend, dessen Adresse ganz bewusst nicht genannt werden soll - ist derzeit kein Bett mehr frei. Aber: "Wir kümmern uns um jede Frau, die sich hier in Not meldet und versuchen, woanders einen Platz zu organisieren", bekräftigt Frauenhaus-Leiterin Silvia Steffens bei einem Ortstermin.
Fünf Plätze gibt es im Frauenhaus in Stade. Fünf Frauen mit insgesamt vier Kindern leben derzeit hier. Dass die Nachfrage in den vergangenen Jahren zugenommen hat, bestätigt Silvia Steffens. Über die Gründe kann sie nur Vermutungen anstellen.
Geänderte Gesetzeslagen, die massive Bewerbung des kostenlosen Hilfetelefons und nicht zuletzt ein Besuch des früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck in einem Berliner Frauenhaus hätten das Thema häusliche Gewalt sehr wahrscheinlich stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Silvia Steffens betont: "Es muss aber nicht zum Äußersten kommen, damit man zum Hörer greift. Wir arbeiten präventiv und deeskalierend, bevor es zum großen Knall kommt."
Seit 16 Jahren ist sie Leiterin des Stader Frauenhauses. Sie kennt mittlerweile viele Geschichten. Tragische, bei denen Frauen über Jahre regelrecht eingesperrt werden, sich aber trotzdem nicht trauen zu flüchten. Oder Happyend-Storys, wie die folgende, als sich eine 70-jährige Unternehmergattin ihr anvertraute. Knapp drei Wochen blieb sie. In der Zeit wurde der Mann geläutert. "Heute ist alles wieder gut. Der Mann hat verstanden. Die Dame war so dankbar, dass sie auch zu uns durfte", erzählt Silvia Steffens.
Nur eine von vielen Erfolgsgeschichten. Im nun 30. Jahr des Bestehens des Stader Frauenhauses haben Tausende Betroffene Hilfe gefunden.
Manche Frauen leben hier sechs Monate, manche nur zwei Wochen. "Eines ist jedoch sicher: Jede möchte so schnell wie möglich wieder auf eigenen Beinen stehen", weiß Silvia Steffens. Die Kreispolitik unterstützt das Frauenhaus, hat jüngst sogar entschieden, ein größeres Haus anzumieten. Derzeit ist es so, dass sich fünf Frauen eine Küche teilen müssen. In dem neuen Objekt soll dann mehr Platz vorhanden sein. Steffens: "Wir haben bereits ein Objekt im Auge."
Außerdem soll der Beratungsbereich ausgebaut und deutlicher vom Wohnbereich abgetrennt werden. "Wir wollen noch stärker ambulant beraten", sagt Silvia Steffens.
Zunächst soll aber ein großes Sommerfest anlässlich des 30. Geburtstags gefeiert werden. Ein genauer Termin wird noch bekanntgegeben.