Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Frust beim Party-Volk: Aus für Mallorca-Sause

Ballermann-Stars wie Ikke Hüftgold verwandelten die Jorker Festhalle in ein Tollhaus (Foto: Geis Eventfotografie)
 
Party-Veranstalter Sven Lieske (li.) und Jacob Beßmann (Foto: privat)
bc. Jork. Die Enttäuschung ist groß bei den Party-Veranstaltern Sven Lieske und Jacob Beßmann. Im August sollte eigentlich zum dritten Mal ihre große Mallorca-Sause in der Jorker Festhalle stattfinden. Am vergangenen Donnerstag dann das Aus. Via Facebook teilten sie mit, dass die Party ausfallen wird. Hauptgrund seien die zu hohen Kosten. Riesen-Frust beim Party-Volk.
Im August 2016 beantragte die „Lieske & Beßmann Event GbR“ bei der Gemeinde einen Antrag auf Aussetzung der Vergnügungssteuer, da Sponsoren abgesprungen seien. Am 15. Februar - gut ein halbes Jahr später - antwortete die Gemeinde nun schriftlich: Die Angelegenheit sei zur weiteren Beratung den zuständigen Gremien zugeleitet worden, eine Entscheidung werde vermutlich der Verwaltungsausschuss am 20. März treffen. Zu spät für Sven Lieske und Co.. Ihnen ist die Zeit davongelaufen, die Ballermann-Künstler seien jetzt ausgebucht.
„Schade, wir haben zwei sehr erfolgreiche Partys in Jork gefeiert“, sagt Lieske. In der Tat: 2015 und 2016 verwandelten Mallorca-Größen wie Willi Herren und Ikke Hüftgold die Jorker Festhalle in ein Tollhaus. Zweimal meldeten die Veranstalter „ausverkauft“. Jeweils knapp 1.000 Partygänger ließen ihr Geld in Jork. Hotellerie und Gastronomie profitierten. Lieske: „Die Leute kamen aus ganz Deutschland.“
Jetzt ist damit (vorerst) Schluss. 20 Prozent von jeder Eintrittskarte hätten Lieske und sein Geschäftspartner an Vergnügungssteuer bezahlen müssen. Zu viel für sie. Laut Satzung der Gemeinde Jork sind beispielsweise auch karnevalistische und andere Tanzveranstaltungen steuerpflichtig.
2015 mussten die Partymacher nach Angaben von Lieske noch keine Steuer entrichten, 2016 zahlten sie dagegen rund 2.800 Euro. Lieske: „Damals sind wir mit einem blauen Augen davongekommen. Mit einem Erlass der Steuer hätten wir jetzt die fehlenden Gelder auffangen können, ohne die Gäste zusätzlich belasten zu müssen.“ Eine Erhöhung des für Jorker Verhältnisse schon relativ hohen Eintrittspreises von 17,90 Euro oder höhere Getränkepreise kämen nicht infrage.
„Die Gemeinde hätte ja trotzdem an der Hallenmiete und der Umsatzsteuer verdient und hätte weiterhin ein tolles Ereignis in Jork gehabt“, so Lieske, der ergänzt: Die Organisation der Party sei reines Hobby, verfolge keine kommerziellen Ziele.
Zur Erklärung: Lieske und Beßmann veranstalteten die Partys auf eigenes Risiko, kauften sich das Konzept bei der Partyreihe „Mallorcapartys Deutschland“ teuer ein. Deren Agentur übernahm das Künstler-Booking, Werbung und Ticketverkauf. Die von Lieske und Beßmann gegründete GbR ist mittlerweile aufgelöst.
Jetzt liegen die Malle-Sausen in Jork auf Eis. Lieske ist auf den Landkreis Harburg ausgewichen, wo er am 24. Februar 2018 bei Tostedt eine Ballermann-Party veranstaltet. Er hofft immer noch auf ein Einlenken der Gemeinde Jork: „2018 könnte es dann auch wieder eine Party in der Festhalle geben.“


Kommentar


Gemeinde als Spielverderber? Wohl eher nicht!

Taugt die Jorker Gemeindeverwaltung im Fall der abgesagten Mallorca-Party als Spielverderber? Wohl eher nicht! Jork verfügt über eine geltende Vergnügungssteuersatzung, die die Verwaltung anzuwenden hat. Ob sie will oder nicht. Gewährt sie Ausnahmen, begibt sie sich rechtlich auf dünnes Eis. Außerdem sind andere Veranstalter sauer.
Möglicherweise sollte die Politik aber überprüfen lassen, ob die Jorker Satzung in der Form noch zeitgemäß ist. Stimmt es, dass die Party-Veranstalter keine kommerziellen Ziele verfolgten, trifft die Satzung wohl die Falschen. Lieske weist daraufhin, dass die gleiche Party, die in Jork stattfinden sollte, bundesweit schon 15 Mal veranstaltet wurde: Nirgendwo musste laut ihm Vergnügungssteuer entrichtet werden.
Was in dem Zusammenhang ebenfalls für Unverständnis sorgen könnte: Obwohl laut Jorker Satzung explizit karnevalistische Veranstaltungen der Vergnügungssteuer unterliegen sollen, ist die traditionsreiche Maskerade des MTV Wisch in der Festhalle davon ausgeschlossen. Vollkommen zurecht, weil sie von einem gemeinnützigen Verein organisiert wird. Lerne: Wer in Jork größere Partys organisieren und daran nichts verdienen möchte, sollte rechtzeitig seine Gemeinnützigkeit klarstellen. Ansonsten wird es teuer.
Björn Carstens