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Geldgieriger Geschäftemacher schlummert im Museums-Magazin

Dr. Susanne Keller mit der Spardose mit eingebautem Gierfaktor

tk. Buxtehude. Der Blick ist gierig. Mit einem Auge schielt der fette Mann darauf, wie das Centstück mit einer Hand in die Reverstasche seines Jackets befördert wird. Nach dem metallischen "Klong" nach dem Fallen der Münze nickt der Mann wohlwollend mit dem Kopf und sein Arm fährt zurück in die Warteposition für die nächsten Münzen. "Fetter Mann" heißt diese mechanische Spardose, die im Magazin des Buxtehude Museums lagert und bislang erst ein einziges Mal für kurze Zeit öffentlich gezeigt wurde.

Vielleicht ist das auch besser so, um gar nicht erst Begehrlichkeiten bei Zeitgenossen mit klammen Kassen zu wecken. Diese Spardose war in den USA des 19. Jahrhundert nämlich ein Sinnbild für Korruption.
Das WOCHENBLATT wollte von Museumsleiterin Dr. Susanne Keller und ihrem Team wissen: Was ist ein wirklich origineller Schatz, der sich ungesehen von der Öffentlichkeit versteckt im Magazin des Buxtehude Museums verbirgt?
Die Geschichte dieser Spardose: In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts brachte William "Boss" Tweed die Stadt New York bis an den Rand des Bankrotts. Der skrupellose Politiker und Geschäftemacher betrog die öffentlichen Kassen um bis zu 200 Millionen Dollar und erpresste von viele Unternehmern Bestechungsgeldern. Ein pfiffiger Tüftler machte aus Tweed eine Spardose, die 1877 patentiert wurde. Fast 50 Jahre lang wurde der "Fette Mann" in den USA hergestellt.
1986 kam dieses witzige Stück als Schenkung ins Museum der Estestadt. Eine Buxtehuderin - offenbar mit guten Kontakten über den "großen Teich" - hatte den gierigen Gesellen aus Metall nebst anderen Dingen dem Museum vermacht. "Besonders das Kopfnicken hat Charme", meint Museumsleiterin Susanne Keller.
Zur Zeit kann sie dieses witzige Stück nicht ausstellen. Es fehlt eine passende abschließbare Vitrine. Die Spardose ist nur wenige Zentimeter groß. Ohne schützendes Glas wäre diesesExponat sehr leicht ein Objekt der Begierde für Langfinger. Bei Ebbe in kommunalen wie privaten Kassen könnte der gierige Mr. Tweed allerdings als Vorbild dienen: Damit es sich lohnt, müsste sich ein neuer "Dicker Mann" aber mindestens Zwei-Euro-Münzen mit gefälligem Kopfnicken einverleiben können.